
Im vergangenen Jahr gründete Tresor-Gründer Dimitri Hegemann die „Academy of Subcultural Understanding“ – eine Bildungseinrichtung, an der er Erfahrungen und Wissen an kommende Generationen weitergeben wolle.
Schon früher hätten junge Menschen vermeintlich ohne Perspektive, an Bushaltestellen herumgehangen und Rentner mit ihren Boomboxen genervt. „Das hat sich bis heute nicht geändert. Heute allerdings werden sie von den dubiosen Predigern, Reichsbürgern und Sekten besucht und mit radikalem Unsinn manipuliert“, so Hegemann im Interview mit dem Tagesspiegel.
„Es braucht mehr kuratierte kulturelle Orte als Bollwerk gegen den rechtsextremen Mainstream. Meiner Erfahrung nach gibt es in jeder noch so kleinen Gemeinde immer ein, zwei junge Menschen, die einen solchen Ort gründen und leiten wollen.“
Nun wird das sechsmonatige Schulungs- und Mentorenprogramm zur Unterstützung neuer in der EU ansässiger Nachtclubmanager und Lokalprojekte reanimiert. „Aus unzähligen Bewerbungen suchen wir sechs Personen im Alter zwischen 21 und 35 Jahren aus“, so Hegemann.
Man wolle ihnen in einem 13-wöchigen Programm zeigen, wie man erfolgreich einen Club betreibt. „Von der Kasse und der Bar über das Awareness-Team bis hin zur Logistik und dem richtigen Wirtschaften. Die einzige Bedingung ist, dass die Leute nicht aus Berlin kommen und später wieder dorthin zurückgehen, wo sie herkommen. Berlin ist schon gut versorgt.“
Doch was macht das Betreiben eines Clubs heute so viel schwerer als in der Vergangenheit? „Viele Clubs haben die Frage nach Planungssicherheit – sprich Verträgen – nicht ernst genommen. Die Betreiber haben sich nicht darum gekümmert“, meint Hegemann.
Große Clubs seien Wirtschaftsunternehmen mit Verantwortung für ihre Mitarbeiter. „Allein im Tresor und im Kraftwerk sind mehr als 140 Leute angestellt. Dazu kommen die vielen Künstler, Honorarkräfte und Selbstständigen. Die leben alle von der Arbeit in der Clubkultur.“
Dies sei eine große Verantwortung. Mit Mieten, Energie und allen anderen Faktoren sei das alles nicht leicht zu bewältigen. Gleichzeitig sei Clubkultur zum wesentlichen Marketing-Tool für die Stadt Berlin erwachsen.
Dabei äußerte Hegemann sowohl Kritik als auch Wünsche an die Politik. Ideen, die aus der Subkultur kämen, müssten mehr unterstützt werden. „Wenn man der Jugend Raum zur Verfügung stellt, dann entsteht auch etwas über den Raum hinaus. Das gilt nicht nur für Berlin.“
Quelle: Tagesspiegel / DJ Mag
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