Unsichtbare Drogen halten Gefängnisse auf Trab

In den Gefängnissen in Niedersachsen werden vermehrt neuartige Drogen, sogenannte neue psychoaktive Substanzen (NPS) aufgefunden, die in die Haftanstalten geschmuggelt werden sollen. Diese Substanzen sind oft unsichtbar und schwer nachzuweisen.

Natürlich werden auch klassische Drogen wie Heroin und Kokain in den Gefängnissen gehandelt. Diese sind jedoch unheimlich teuer und werden leicht entdeckt. Anders verhält es sich mit den NPS. Sie sind so gut wie unsichtbar und können auf Buchseiten, Briefen oder Fotos in die Haftanstalten gelangen. Auch auf T-Shirts oder Teebeuteln kommen die Drogen in den Knast.

Dort werden die Trägerstoffe zerkleinert und geraucht. Da fast monatlich neue Substanzen entwickelt werden und aus den illegalen Laboren auf den Markt kommen, sind die Stoffe weitestgehend unbekannt. Daher können sie weder von den Spürhunden gefunden werden, noch von herkömmlichen Testverfahren ermittelt werden.

In den vergangenen zwei Jahren wurden allein in Hannover etwa 80 Verdachtsfälle registriert. Wenn man alle 13 Gefängnisse in Niedersachsen zusammen nimmt, werden mehrere Hundert NPS-Funde im Jahr wahrgenommen. Und das sind ja nur die bekannten Fälle. Die Justizministerin Barbara Havliza (CDU) bezeichnet die Drogen als „besonders tückisch“. Es seien hochgefährliche Substanzen und die Insassen wissen häufig nicht, was sie da überhaupt zu sich nehmen.

Typische Nebenwirkungen sind Krampfanfälle, Erbrechen, Bewusstlosigkeit oder Atemstörungen. Die Substanzen werden geraucht oder in Flüssigkeiten aufgelöst getrunken. Dabei ist die Dosierung meist total unbekannt. In zwei besonders schweren Fällen mussten die Gefangenen sogar auf der Intensivstation künstlich beatmet werden.

Da die Folgen für die Inhaftierten zum Teil sogar lebensbedrohlich sind, will das Justizministerium weitere Schritte einleiten. So sollen in Zukunft Briefe an Gefangene nur noch in Kopie in den Anstalten ausgegeben werden, um dem NPS-Schmuggel auf Papier Einhalt zu gebieten. Außerdem sollen bessere Testgeräte eingesetzt werden.

Quelle: ndr.de

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