reworks_decca
Das britische Label wurde schon Ende der 20er Jahren gegründet und entwickelte sich in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg zu einem der führenden Labels für Klassische Musik. Entsprechend groß ist natürlich der Backkatalog, der hier für ein illustre Schar an Produzenten elektronischer Musik geöffnet wurde, um das Projekt „Re:works“ zu ermöglichen. Die neu zu bearbeitenden Komponisten umfassen nicht nur Vertreter aus dem Klassischen Bereich, sondern auch experimentelle Musiker wie Reich oder Sakamoto, So bunt die Mischung der Produzenten ist, so bunt ist auch das Ergebnis. Sébastien Tellier verwandelt Beethoven in einen schwülstigen 70er-Jahre Space-Trip, Fort Romeau führt Eric Saties Klavier – zwar recht konventionell, aber dennoch sehr gelungen – in sehr charmante Deep-House-Gefilde, und Wolfgang Voigt nimmt sich direkt zwei Mal Bachs „Air“ vor. Als Wassermann Version mit fiepsenden Synthies und marschierender Bassline und in der Ambient Version als sphärischen Klangteppich. ein weiteres (oder das) Highlight ist dann Solomuns Bearbeitung von „Ases Tod“ aus Peer Gynt von Edvard Grieg. Einfühlsam wird das Klavierstück von elektronischen Klangteppichen begleitet, erreicht einen fast schon psychedelisch anmutenden Peak, bevor es wieder sanft nach Hause geleitet wird. Und natürlich darf auch Francesco Tristano bei so einem Release nicht fehlen, der wie gewohnt sehr gekonnt und speziell agiert. Er defragmentiert, spiegelt, verwirbelt Sakamotos „Merry Christmas Mr Lawrence“, packt die Einzelteile wieder zusammen, geführt von einem smarten Beat. Sehr feine Compi, die zum Verweilen auf dem Sofa einlädt. Gerne im Vergleich auch mal die Originale anhören.
8/10 Johann Sebastian Bass