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Es gibt Alben, die erscheinen nicht nur einfach. Es sind Alben, da spielen vor allem die Begleitumstände und die Protagonisten eine höchst bemerkenswerte Rolle, dass die Musik fast schon in den Hintergrund gedrückt wird. Es sind in diesen Tagen Vince Clarke und Martin Gore, die mit ihrem neuen gemeinsamen Projekt VCMG höchste Aufmerksamkeit erregen und viele Musikfans elektrisiert haben. Eine spektakuläre Reunion über 30 Jahre nach der Gründung von Depeche Mode, die sich kein Drehbuchautor hätte besser ausdenken können.

Die beiden sind neben Andrew Fletcher und Dave Gahan Gründungsmitglieder von Depeche Mode gewesen. Sie feierten frühe Single-Erfolge, dennoch verließ Clarke nach dem Debütalbum die Band. Gore übernahm die Rolle des Songwriters und Komponisten, der Rest ist Geschichte. Vince Clarke gründete Yazoo, dann The Assembly und schließlich zusammen mit Andy Bell Erasure. Das Duo veröffentlichte im letzten Herbst erst sein 14. Studioalbum, während DM 2009 das letzte Album veröffentlicht haben.

Treibende Kraft hinter VCMG ist VC. Dessen Interesse für Techno ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen – schließlich so weit, dass Clarke selbst ein Album produzieren wollte. Das wollte er aber nicht allein machen und so fragte er eben MG. „Ich wusste ja, dass er auflegt und sich auch für Techno interessiert.“ So kam zusammen, was jahrzehntelang getrennt war. Und die Zusammenarbeit verlief erstaunlich reibungslos. Per E-Mail schickte man sich Skizzen und Soundskulpturen von der Ostküste (Clarke) zur Westküste und wieder zurück. „Wir haben nie über eine Intention nachgedacht, es gab auch Konzept, wie das Album klingen sollte. Ich habe Martin gesagt, dass es keinen Druck gibt, keine Deadlines. Er solle einfach machen, wie es ihm passt, wenn er Lust hat.“ So entstanden schließlich im Laufe des letzten Jahres die zehn Tracks, die nun unter dem Namen „Ssss“ veröffentlicht werden. Was nun nach dem Album folgen wird, das bleibt offen. Eine Tour, gemeinsames Auflegen ist möglich, aber nicht geplant. Und für Vince hat Erasure immer noch oberste Priorität, wenn auch VCMG bisher eine gelungene Abwechslung war: „Ich mag meinen Part bei Erasure sehr. Ich liebe es Song zu schreiben, aber ich habe auch die Zeit mit Martin sehr genossen. Ich würde es begrüßen, wenn wir es wieder versuchen würden. Aber weiß, was passieren wird, wir werden sehen, es gibt keinen Masterplan.“

Dass sich zwei solche Songwriter ausgerechnet für ein Techno-Album begeistern bei ihrer ersten Zusammenarbeit nach 30 Jahren, ist schon erstaunlich, ebenso wie die Reunion selbst. In der gesamten vergangen Zeitspanne haben sich die beiden immer wieder nur zufällig getroffen und der Split von damals ist auch nie wirklich aufgeklärt worden. Man darf sicherlich annehmen, dass bei der letztjährigen Kollaboration mehr als zehn Tracks entstanden sind. Allerdings ist wohl nicht damit zu rechnen, dass es einfach nur ein zweites „Ssss“ geben wird. Es bleibt also spannend, wie es weitergehen wird. Vince Clarke ist mit seinen Antworten recht unverbindlich – fast schon zu sehr, so dass man auf die Idee kommen könnte, dass der nächste Schritt schon in Planung ist. Allerdings ist Gore jetzt erstmal mit dem nächsten Depeche Mode-Album schwer beschäftigt, das 2013 veröffentlicht werden soll. Grund zur Eile gibt es eh nicht, denn wer 30 Jahre gewartet hat, der brauch sich jetzt nicht wirklich beeilen. Und eine E-Mail mit Soundskulpturen, Skizzen oder anderen Audio-Files kann man ja immer wieder mal losssschicken.

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März 2012