
Felix Jaehn ist zurück – mit einer Offenheit, die unter die Haut geht. Der Star-DJ, der mit dem Remix von „Cheerleader“ 2014 international durchstartete, hat sich nach langer medialer Stille zurückgemeldet und über die Gründe für seinen Rückzug gesprochen.
In einem Interview mit dem Spiegel schildert Felix Jaehn eindrücklich, warum es nach dem Coming-out als non-binär 2024 zu einem radikalen Bruch mit der Öffentlichkeit kam. „Ich musste wieder aufs Leben klarkommen, mich finden, umkrempeln, sortieren“, erklärt Jaehn.
Direkt nach einem Festivalauftritt folgte die Selbsteinweisung in eine psychiatrische Klinik. Der Druck, die Suche nach sich selbst und die gesellschaftlichen Reaktionen auf das Outing hatten ihren Tribut gefordert.
Doch der erste Klinikaufenthalt wurde für Jaehn zu einer weiteren Belastung: „Ich habe den ersten Klinikaufenthalt aufgrund mangelnder Bildung seitens des Personals abbrechen müssen.“
In dem Interview macht Jaehn klar, wie wenig viele Einrichtungen auf queere Patientinnen und Patienten vorbereitet sind. „Es sind längst nicht alle Psychiaterinnen und Psychologen für queere Themen bereit“, sagt Jaehn.
Besonders bitter sei es, wenn man in einer Notlage Hilfe sucht und dann nicht ernst genommen wird: „Es ist schlimm, wenn man Hilfe sucht und seine Identität abgesprochen bekommt.“ Erst in einer zweiten Klinik habe Jaehn endlich die nötige Unterstützung erfahren.
Felix Jaehn mit neuem Vornamen
Der DJ, der inzwischen unter dem Vornamen Fee lebt, identifiziert sich heute als pansexuell. Damit macht Jaehn deutlich, dass Geschlecht für das eigene Begehren keine Rolle spielt. Im Gegensatz zur Bisexualität, mit der sich Jaehn 2018 erstmals öffentlich geoutet hatte, schließt Pansexualität niemanden aus – auch nicht Menschen, die sich jenseits des binären Geschlechtersystems verorten.
Dass der Rückzug nicht nur mit inneren Kämpfen zu tun hatte, zeigt ein erschütterndes Erlebnis, das Jaehn schildert: Wegen des androgynen Aussehens sei Jaehn von einem homophoben Mann verprügelt und übelst beschimpft worden.
Eine Tat, die nicht nur körperlich, sondern auch seelisch tiefe Spuren hinterlassen hat. Erst jetzt, sagt Jaehn, sei der Moment gekommen, sich der Öffentlichkeit wieder zuzuwenden: „Ich fühle mich gerade gefestigt genug, wieder in der Öffentlichkeit stattzufinden.“
Jaehns Karriere ist geprägt von Erfolg: Über 21 Millionen Tonträger weltweit, davon fast 6,5 Millionen allein in Deutschland, machen ihn zu einem der erfolgreichsten Musiker des Landes. Mit seinem Mix aus Pop und elektronischer Musik hat Jaehn die Szene geprägt – und doch stand zuletzt nicht die Musik, sondern das eigene Leben im Vordergrund.
Zukunftspläne gibt es trotzdem – aber mit Bedacht. So denkt Jaehn laut über einen Einstieg in die Drag-Kunst nach. Noch sei es ein Hobby, aber: „Irgendwann werde ich bereit sein. Und wer weiß, vielleicht bringe ich dann Musik unter einem neuen Namen raus und gehe auf Tour.“
Quelle: HNA
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