2019 noch als Duo von den beiden Techno-Produzenten Daniel F. Fischer und Peer Kaschen initiiert, entwickelte sich das Projekt im Folgejahr mit Mentor und kreativem Ideengeber Martin Sukal zum Dreigestirn. Erfahrung in der Szene haben die drei Hannoveraner bereits seit über einem Jahrzehnt. Die unterschiedlichen musikalischen Einflüsse, der kreative Einsatz von Textbausteinen in Kombination mit sphärischen, progressiven und trei- benden Elementen ist dabei so etwas wie die Essenz von VIBERIDER. Dies belegen bisherige Releases wie „Time Traveler“, „Fuck Corona“, die EP „Hola Senorita“ oder das Album „Nautilus Prime“ via Spinnup Music letztes Jahr. Im August veröffentlichten VIBERIDER mit der „Primary Primate EP“ ihre aktuelle EP. 

Wie habt ihr euch kennengelernt und welche musikalischen Einflüsse habt ihr drei?

DANIEL: Peer und ich haben uns das erste Mal im Studio von einem gemeinsamen Bekannten getroffen, dann mal zufällig auf der Strasse, gefolgt von einer spontanen Listening-Session. Von da an haben wir uns zusammen in Hannover rumgetrieben. Das war im Sommer 2016. Musikalisch war ich vor dem Kollektiv tatsächlich schon 16 Jahre lang als Rapper unterwegs. Martin hab ich später auf einem Seminar in Hamburg kennengelernt und er ist zum 

Projekt dazugestoßen. Die beiden Gentlemen kennen sich also durch VIBERIDER.

PEER: Als Daniel und ich das erste Mal zusammen produ- ziert haben, haben wir sofort gemerkt, dass die Chemie stimmt. Irgendwann kam Daniel mit einem Elektro-Track um die Ecke, der ziemlich geil war, und ich wollte ihm zeigen, dass ich das auch kann (lacht). Nachdem wir gemeinsam auf einem ziemlich guten Rave waren, wollten wir un- bedingt auch mal zusammen Elektro machen. Das ergänzte sich einfach tierisch gut. Dass da noch mehr geht, hätte ich nicht gedacht, aber dann kam Martin dazu und er hat echt noch eine Schippe draufgelegt. Ich persönlich komme ursprünglich aus dem Rap-Bereich, habe aber auch Indie- Rock, Soul/R’n‘B oder softe Elektro-Projekte für TV-Sampler bearbeitet. 

MARTIN: Mit fünf „durfte“ ich Geige lernen. War ein Traum. Meine Geigenlehrerin sagte dann nach ein paar Jahren, vielleicht sollte Martin doch eher ein Blasinstrument lernen. Mir hat es trotzdem Spaß gemacht, zumindest meistens. Musikalisch bin ich in vielen Genres unterwegs, Blues, Jazz, Rap, Elektro, aber auch Grunge feiere ich heute noch sehr. Bis heute faszinieren mich auch immer wieder Crossover- Projekte. 

Wie entstand die Idee, gemeinsam Musik zu machen? 

DANIEL: Als wir mit VIBERIDER starteten, brauchten wir auch ein bisschen Geld, um erste Investitionen zu tätigen. Ich wusste von Martin, dass er Interesse an der Förderung von jungen talentierten Künstlern hat. Also habe ich ihn gefragt, ob er uns unterstützen kann. Als er mitbekommen hat, wie produktiv wir sind und was wir alles vorhaben, wollte er mehr als nur der Geldgeber sein. So wurde Martin ein VIBERIDER.

MARTIN: Daniel hat für mich Videos produziert und wir haben uns über VIBERIDER unterhalten. Als wir feststellten, dass die Chemie zwischen Peer und mir auch stimmt, haben wir sofort besiegelt, dass wir VIBERIDER weiter nach vorne bringen wollen. Hannover ist eure Heimat – wie, würdet ihr sagen, hat die Region euch sowie eure Musik beeinflusst?

PEER: Ich lebe gerne hier, es gibt auch eine ganz gut vernetzte Szene, aber wir haben ja die ersten Releases ziemlich zeitgleich mit dem ersten Corona-Lockdown gehabt und daher vor allem über Social Media Kontakt zu anderen Künstler*innen gehabt. Und da ist die Herkunft ja ziemlich egal. Hannover war und ist schon ein cooles Pflaster. Früher hatten wir hier richtig geile Veranstal- tungen, wie die „Reincarnation“ oder die Raves in der alten Hanomag. Da wollen wir wieder hinkommen und ich denke, dass wir jetzt auf einem richtig guten Weg sind. Letztendlich fühlen wir uns aber überall zu Hause, wo geile Musik läuft! 

Sind eure Aufgaben klar verteilt oder wie kann man sich euren Workflow vorstellen?

DANIEL: Musikalisch und in unserem Alltag sehr vielseitig. Peer ist Architekt mit Musikerausbildung, Martin ist unter anderem Jurist und ich bin gelernter Fotograf. Durch diese Zusammensetzung kommen natürlich diverse Er- fahrungswerte und Einflüsse zusammen. To Dos werden bei uns nach Fähigkeiten und Interesse verteilt, doch am Ende entscheiden wir immer demokratisch. Produziert werden die meisten Songs bei uns im Studio. Und weil wir das nicht mögen, wenn einer nur daneben sitzt und „zuguckt“, arbeiten wir gerne mit einem Timer. Der sorgt dafür, dass wir uns alle 15 Minuten abwechseln, bis der Track ein gewisses Stadium erreicht hat. Dadurch befassen wir uns erst einmal mit den wesentlichen Elementen – der Feinschliff kann dann später kommen. Weitere Songs entstehen zu Hause. Einer von uns macht eine Skizze und wir arbeiten das dann zu dritt aus. Tracks sind bei uns erst fertig, wenn alle drei damit zufrieden sind. 

Nahezu alle eure Track-Titel bestehen aus Tiernamen. Was hat es damit auf sich?

PEER: In der Gründungsphase war das ein Insider zwischen Daniel und mir, das war im Prinzip ein kleines Battle, wer sich die witzigeren Arbeitstitel ausdenkt. Dazu gab es dann viele positive Rückmeldungen aus dem Be- kanntenkreis. Außerdem sieht man beim Durchscrollen der Playlist sofort die VIBERIDER-Songs, so bescheuerte Namen hat sonst keiner. Uns ist klar, dass das auch ein Wettbewerbsnachteil sein kann, typische und vor allem englische Songtitel verkaufen sich natürlich leichter. Aber das ist uns egal, wir mögen Wortspiele und wir tragen auf diese Weise zum einen unsere Art Humor nach außen und zum anderen passt das gut in unser Selbstverständnis. 

Im August ist eure EP „Primary Primate“ entstanden, die mit sechs Titeln schon fast als Album durchgeht. Erzählt uns mehr zum Release.

MARTIN: Wir wollten ein vielseitiges Ding machen und hatten durch diverse Sessions schon eine gewisse Anzahl an Tracks zur Auswahl. Durch unsere stetige Produktivi- tät haben wir auch Songs getauscht, bis wir uns selbst ein bisschen stoppen mussten, um ein Ende zu finden. Insgesamt ist die EP ein gutes Spiegelbild von VIBERIDER. Von sphärisch-melodisch über sehr rhythmische Tracks bis hin zu aus unserer Sicht eher harten Tracks ist alles dabei. Der Titel der EP ist gleichzeitig der Vocal aus dem Track „Silberrückenguerilla“, weil wir das sehr aussage- kräftig fanden. Einerseits natürlich, weil es so ist (lacht). Es ist aber auch ein bisschen politisches Understatement dabei, diese Mehrdeutigkeit setzen wir immer ganz gerne ein. Und irgendwie hat es ja auch eine selbstironische Komponente … 

Was waren bislang eure gemeinsamen Highlights bzw. Meilensteine?

PEER: Vor allem unser erster Gig mit unserem VIBE-Mo- bil, einem mobilen DJ-Setup, das wir gebaut haben und die Resonanz dabei auf unsere Musik. Während des Lockdowns wurden wir von einem Veranstalter aus Bremen für ein Livestream-Festival gebucht. Da konnten wir endlich beim Auflegen auch Synthies live einspielen. Wir haben auch ein sehr geiles Video zu unserem Album  „Nautilus Prime“ gedreht, da sind wir ein paar Tage in der „Wildnis“ mit dem Hängezelt durch den Harz gekrochen. Wir mögen Natur und wollen unseren Teil beitragen, sie, so gut es geht, zu erhalten, übrigens ein wichtiger Teil des VIBERIDER-Konzepts. Die epischen Bilder können da nur helfen. 

Was steht als Nächstes auf eurer Agenda? 

MARTIN: Wir möchten mit unseren Sets in die Clubs und auf Festivals. Wir haben ein paar Features, jede Menge Tracks in petto und wollen weiter so produktiv bleiben. Jede Menge Ideen haben wir auf jeden Fall. Wir planen dieses Jahr noch ein Release, mehr möchten wir an dieser Stelle aber noch nicht verraten. 

 

Aus dem FAZEmag 117/11.21
Text: Triple P
Credit: Daniel F. Fischer
instagram.com/viberider_official