„Völliger Müll“: DJ wütend auf Artists mit Fake-Reichweite

Max Bering, deutscher DJ und Musikproduzent aus Bochum, ist für seinen mitreißenden Mix aus Tech-, Bass- und Progressive-House bekannt. Als fester Bestandteil großer Festivals wie dem Parookaville und Club-Gigs im Kölner Bootshaus sowie Veröffentlichungen bei Spinnin, Kontor und Sony hat er sich einen festen Platz in der elektronischen Musikszene erspielt.

Eigentlich ein Grund zur Freude, doch aktuell scheint ihn eine Thematik dazu bewegt zu haben, ein ausführliches Statement zu veröffentlichen, in dem er seinem Ärger freien Lauf lässt. Im Visier: Festivals und Clubs, die DJs buchen, obwohl diese Follower „gekauft“ haben.

„Das wird langfristig zu einem gewissen Problem. Manche Acts verkaufen schlichtweg etwas, was sie nicht sind. Dahinter stecken oft irgendwelche Booker oder Manager, die anscheinend mal ordentlich Kohle in die gekauften Follower buttern und sich die Knete dann on the long run 10fach bei ihren Acts wiederholen“, so Bering.

Meistens reiche ein Blick auf das Instagram-Profil, bzw. Vergleiche mit den Auftritten bei Facebook. „Denn alle Aufrufzahlen und Kommentare bei Facebook werden auch in die Views und Kommentare bei Instagram eingerechnet. Und wer kontrolliert schon Facebook?“

Im weiteren Verlauf macht er auf mangelnde Interaktionen trotz großer Reichweiten aufmerksam. „Und nein: Es ist nicht so, dass plötzlich 300.000 Menschen in Indien oder Vietnam diesen Act so unfassbar feiern““, schreibt Bering und schießt weiter: „Häufig haben jene Acts keine relevante Musik released. Und wenn doch, ist es oft völliger Müll – und ja auch Spotify-Plays kann man kaufen.“

Am meisten würden ihn allerdings die Promoter, Booker und Veranstalter beschäftigen, die eben diese Acts buchen. „Ich frage mich wirklich: Sind manche zu faul, zu blind oder ist ihnen einfach egal? Oder sind die Leute hinter diesen Acts so gut vernetzt, dass ein ‚Glaub mir Bruder‘ schon reicht?!“

Seiner Erfahrung nach seien diese Acts live dann häufig „absolut unterirdisch“ und langfristig betrachtet ein „Sargnagel“ für die Veranstaltungsbranche. „Wenn Gäste immer wieder mittelmäßige Acts erleben, die sich ihre Reichweite zusammengekauft haben, entsteht irgendwann der Eindruck, dass genau das die Qualität ist, die sich auf Festivals dauerhaft erwartet.“

Im letzten Abschnitt wird Bering dann noch einmal persönlich. „Ich habe zwei Kinder und eine Frau, die ebenfalls von diesem Beruf mitleben. Ich spiele wirklich viel und kann mich absolut nicht beschweren“, so der DJ. „Für talentierte Newcomer wird es dadurch allerdings noch schwieriger als es ohnehin schon ist.“

Am meisten würden Qualität und Glaubwürdigkeit unter einem solchen Verhalten leiden. Er wolle nicht akzeptieren, dass Menschen, die sich ihre Reichweite zusammenkaufen und am Ende den Künstlern die Bühnen und Slots wegnehmen, „die sich seit Jahren jeden Tag den Arsch dafür aufreißen.“

Bereits im vergangenen Jahr wurde eine Liste auf Instagram veröffentlicht, die aufzeigte, welche DJs prozentual die meisten Fake-Follower auf ihren Social-Media-Kanälen besaßen. Bei Kasia, Vikhtor und Tita Lau waren es bis zu 70 Prozent (FAZEmag berichtete).

Max Bering macht mit seinem Statement sicherlich kein neues Fass auf. Egal, ob über Fake-Artists gesprochen wird oder Influencer-DJs – der Wunsch nach Authentizität scheint die Szene weiterhin zu bewegen. Hier könnt ihr euch ein Set von Bering anhören, ganz ohne Fake:

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