Vorstoß in Österreich: DJs gründen Gewerkschaft gegen Probleme des Berufsstandes

Vorstoß in Österreich: DJs gründen Gewerkschaft gegen Probleme des Berufsstandes

Während der nervenzerrenden Pausen, die DJs während der Pandemie durch geschlossene Clubs und abgesagte Festivals erdulden mussten, nutzten einige von ihnen neue Chancen, zum Beispiel vermehrt über Livestreams. In Wien kam es ganz anders. Steve Hope, DJ Pandora, Electric Indigo, Kobermann und Disaszt schlossen sich zusammen – nicht für eine Party, sondern zu einer Gewerkschaft für DJs: DECK.

Mit der Gründung wollen die Initiatoren auf Missstände innerhalb der Branche aufmerksam machen. Dabei sollen typische Probleme angegangen werden, von unbezahlten Gagen bis hin zu sexualisierter Gewalt in der Clubkultur. Ein weiteres Ziel sei zudem, den Berufsstand des DJs als Gewerbe anzuerkennen. DECK soll bundesweit ausgedehnt werden und nicht nur eine zentrale Anlaufstelle bei Fragen und Problemen sein, sondern langfristig für positive Veränderung sorgen.

Ordentliche Buchhaltung, Sozialversicherung, Pensionsvorsorge – das klinge als öde, sei aber notwendig und daher brauche es in diesen Bereichen Support. Außerdem sollen Weiterentwicklung und Entfaltung gefördert werden, zum Beispiel durch Workshops, Wissensvermittlung oder Mentoring. Ein weiterer Schwerpunkt sei zeitgemäße Diversität und Empowerment für von Diskriminierung betroffene Gruppen innerhalb der Szene.

Die Pandemie sei nicht die Ursache, sondern mache die Missstände nur noch sichtbarer. „Bei DJs hat sich durch die Pandemie eine eklatante wirtschaftliche Verschlechterung ihrer Lage und die Notwendigkeit ergeben“, erzählt die Initiatorin Susanne Kirchmayr und ergänzt: „Nur wenige konnten zum Beispiel die Förderungen für Künstler:innen in Anspruch nehmen, da eine solche Einstufung für DJs nach wie vor ein steiniger Weg ist, der ganz besonderer Durchhaltekraft und vor allem großen Glücks bedarf.“ Viele DJs fielen demnach schlicht durch die Maschen aller Auffangnetze, die der Staat biete.

Bei dem Wort „Gewerkschaft“ dürfte wohl wenig später auch das Wort „Streik“ eine Rolle der Gedanken spielen. Denn Problematiken wie drohender Altersarmut, erschwertem Zugang zu Sozialversicherungsfonds, mangelnde Unterstützung und Anerkennung – lassen sich sicherlich nicht Ad hoc lösen. Interessanterweise sieht sich DECK dabei eher als Vermittler. Information, Netzwerk, Solidarität, Anerkennung, Professionalisierung. Das alles möchte man pushen, aber ohne Druckmittel.

So oder so dürfte dieses Thema über Österreichs Grenzen hinaus für Debatten sorgen. Jüngste Fälle, wie zum Beispiel Marika Rossa (Wir berichteten) zeigen, dass sich weltweite noch viel bewegen muss.

Quelle: Music Austria

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