
Mit dem neuen Album „Chorophobia“, das am 5. September auf Ninja Tunes Imprint Technicolour erscheint, stellen Weval – das niederländische Duo Harm Coolen und Merijn Scholte Albers – ihre bisher extrovertierteste Arbeit vor. Der Titel, der „Angst vor dem Tanzen“ bedeutet, ist dabei alles andere als Zufall. „Im Studio haben wir uns immer zurückgehalten und gemerkt, dass wir bei Live-Shows oder DJ-Sets viel größere Schritte machen. Wir fanden es irgendwie lustig, dass ein elektronischer Act Angst davor hat, Dance Music zu machen – und haben angefangen, uns genau darauf einzulassen“, erzählen die beiden. Die Entscheidung für ihr viertes Album lautete: „Lasst uns den Schalter umlegen und ein richtiges Dance-Album machen.“
Der Albumtitel wurde schnell zum Leitfaden. „Normalerweise gehen wir ohne großen Plan an eine Platte heran. Aber diesmal brauchten wir Regeln, ein paar Grenzen. Es fühlte sich an, als könnte uns dies bei kreativen Entscheidungen leiten“, erklären sie. „Chorophobia“ sei so ihre „Ausrede, etwas für uns Extremeres zu machen“. Auch die Herangehensweise änderte sich: „Die DJ-Sets, die wir gespielt haben, haben enorm geholfen. Außerdem mussten wir schneller schreiben, weil Merijn parallel an einem großen Filmprojekt gearbeitet hat. Wir haben versucht, die positive Seite davon zu sehen, weniger Zeit zu haben – das hat uns kreativer und freier gemacht als je zuvor.“
Inhaltlich gaben sie sich mehr Freiheiten – auch bei Dingen, die man selbst als „Guilty Pleasures“ bezeichnen könnte: „Ein Track wie ,Dopamine’ fühlt sich für uns fast übertrieben an, fast schon auf eine komische Art und Weise. Aber genau das hat uns Spaß gemacht.“ Gleichzeitig sei die Nähe zu Disco und Funk nur konsequent: „Wir sind riesige Disco-Fans. Und natürlich kann man Disco nicht von elektronischer Musik trennen, schließlich ist die ganze Clubkultur daraus entstanden.“ Besonders spannend verlief die Entstehung des Tracks „Head First“: „KILIMANJARO war zur ADE in der Stadt, und unser Management hat uns zusammengebracht. Auf dem Weg ins Studio rief er an und meinte, sein Bruder Michael komme auch mit. Wir haben kaum Smalltalk gemacht, sondern Josh (KILIMANJARO) und Michael (Nsanshi) einfach ein Mikrofon gegeben und anderthalb Stunden improvisieren lassen. Sie haben alles gegeben. Es war total aufregend, ohne sich zu kennen gemeinsam aufzunehmen. Einer der Songs wurde ,Head First’, ein anderer ,Open Up That Door’.“
Dass „Chorophobia“ ein Album für kollektive Erlebnisse geworden ist, war eine bewusste Entscheidung. „Wir machen schon lange zusammen Musik und wollten nicht einrosten oder immer wieder dasselbe machen. Um unsere Mentalität zu ändern, brauchten wir kleine, spielerische Leitlinien.“ Auch die Balance zwischen Energie und Tiefe kam für sie wie selbstverständlich zustande. „Das Schwierige war, mit mehr Energie und Mut heranzugehen – der Rest passiert bei uns eher unbewusst. Wir haben außerdem gemerkt, dass unsere Musik immer etwas enthält, das nach uns klingt. Das ist wohl unsere Handschrift.“
Ob „Chorophobia“ eine Neudefinition des Projekts bedeutet? „Ja und nein. Innerhalb unseres Geschmacks ist das die tanzbare Seite. Wir lieben die Freiheit, irgendwann auch wieder komplett in den ‚Vibe-Modus‘ zu gehen. Aber im Moment wollen wir schauen, wie weit wir in diese Richtung gehen können. Und bisher fühlt es sich großartig an.“ Genau diesen Weg wollen Weval daher aktuell weitergehen: „Die Live-Shows und DJ-Sets der letzten Monate haben so viel Spaß gemacht – das inspiriert uns enorm. Wir fühlen uns gerade sehr motiviert und voller Energie, neue Musik zu schreiben.”
Tracklist „Chorophobia“:
1. CHOROPHOBIA 01:43
2. MOVING ON 03:45
3. MOVEMENT 03:27
4. JUST FRIENDS 02:24
5. Weval & Nsanshi – HEAD FIRST 03:34
6. DOPAMINE 02:49
7. THIS IS… 00:08
8. BETTER 03:24
9. Weval & KILIMANJARO – OPEN UP THAT DOOR 03:56
10. MERCATOR 04:14
11. FREE 03:49

„Chorophobia“ ist am 5. September 2025 via Technicolour erschienen.
Aus dem FAZEmag 163/09.2025
Text: Triple P
Credit: Pasqual Dominic Amade
www.instagram.com/weval_