WhoMadeWho


Niemand kann behaupten, WhoMadeWho wären über all die Jahre ihres Bestehens nicht gereift. Mit ihrem eben erschienenen vierten Album wird einmal mehr deutlich, dass sich das 2003 gegründete Dänen-Trio längst vom undergroundigen Spaßact zu einer ernstzunehmenden Popband entwickelt hat. Ob das allen Fans gefällt, ist dabei schwer abzuschätzen. Sicher ist allerdings, dass „Dreams“ doch noch um einiges gefälliger ist als das vor zwei Jahren auf Kompakt veröffentlichte „Brighter“. Und schon dieses erfreute die WMW-Anhänger mit einem tanzbaren Mix aus Electro, Indie und Pop, eingängigen Melodien und emotionalen Ohrwürmern. Heute ist Kompakt nicht mehr Heimat des Outputs von Jeppe Kjelberg, Tomas Høffding und Tomas Barfod. Stattdessen erscheint das neue Werk auf dem eigenen Imprint Darup Associations.

„Es war ein Traum unseres Managers, ein Album auf einem eigenen Label zu veröffentlichen“, verrät Tomas Høffding im Interview. „Und wir sagten zu ihm: Du willst es machen? Dann mache es. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Auf der anderen Seite gehört so viel dazu, wenn du ein Album veröffentlichst – von der Promo über die Livetermine und so weiter. Es ist schon gut, das alles selbst unter Kontrolle zu haben.“ Das bedeutet natürlich nicht, dass man über den seinerzeit so gelobten Deal mit Kompakt im Nachhinein unglücklich ist. „Wir waren super happy damals. Das hat alles gepasst. Es war toll, Teil der Kompakt-Familie zu sein. Es war uns eine große Ehre, und es war auch wichtig für uns. Die Entscheidung, es dieses Mal anders zu machen, ist wirklich – so ganz langweilig – rein geschäftlicher Natur“, lacht der Bassist und Sänger. „Es schien uns so schlicht einfacher.“ Und man erfüllte eben den lang gehegten Traum des Managements. Doch war das wohl kaum der Grund dafür, dass das Album heute den Titel „Dreams“ trägt? „Nein, einen so konkreten Anlass für den Titel gab es nicht. Eigentlich ist die Namensfindung immer ein schwieriges Unterfangen, und wir sind auch jetzt noch nicht sicher, ob er perfekt ist“, gibt Tomas unumwunden zu. „Das Album ist aber noch verträumter und emotionaler als die vorangegangenen, und so denke ich immer, wenn ich es höre, dass ‚Dreams‘ es gut umschreibt.“

Im Interview vor zwei Jahren erklärten WhoMadeWho, „Knee Deep“ sei das Kompakt-Album, bei dem die drei schlicht taten, was sie wollten, während sie für „Brighter“ denRegeln des Radios folgten. Was also war die Idee hinter „Dream“, ehe es ins Studio ging? „Es ist lustig, dass du das fragst, denn alles, was wir dieses Mal nicht machen wollten, war eine Radiosingle. Wir wollten uns reduzieren und hören, wie unsere Musik klingt, wenn wir auf allzu viele Details verzichten. Auf der anderen Seite wollten wir aber auch wieder die für uns übliche Verrücktheit nicht außer Acht lassen.“ „Dreams“ ist die Quintessenz einer ganz natürlichen Weiterentwicklung als Band und der bewussten Entscheidung für das eine oder das andere. „Es wäre ja langweilig, immer wieder dasselbe zu machen. Wir sind jetzt seit zehn Jahren eine Band, und es wäre so einfach, immer wieder alles so zu machen, wie beim Album davor – nur besser. Aber es ist gerade für uns interessanter, es anders zu machen. Uns auszuprobieren. Die Idee war, unseren verrückten WhoMadeWho-Kosmos in das Album eines Pop-Artists umzuwandeln. Hier treffen also zwei Welten aufeinander“. Wenn die Band selbst über „Dreams“ spricht, bezeichnet sie es gerne als „luxuriös“. Etwas, das wohl einer Erklärung bedarf. „Möglicherweise ist das für andere Leute gar nicht zu hören, sondern nur für uns als Produzenten. Wir beziehen uns dabei auf den Sound. Er ist softer, weniger hektisch als bei den anderen Alben, ruhiger. Und wir haben mehr Wert auf die Texte gelegt.“ Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings nicht, dass die Songs auf „Dreams“ nicht auch tanzbar sind, wenngleich das eine oder andere Stück sicherlich live noch mal eine Schippe Beat gebrauchen kann. „Die wird es geben, davon kannst du ausgehen.“ Neu ist auch die Konzentration auf mehr Gitarren unter Verzicht auf Keyboard-Sounds. „Den Plan gab es schon für die letzten drei Alben, und dieses Mal hat es endlich geklappt“, freut sich Tomas. Dennoch spielt auch der Club an sich nach wie vor eine Rolle. Zum Beispiel als Inspirationsquelle. So stand das Berghain Pate für „Hiding In Darkness“. „Es ist Jeppes Song, und ihn hat dazu tatsächlich ein Ausflug in diesen Club inspiriert. Aber es ist natürlich auch eine Art Metapher. Wenn du in einen Club gehst, kannst du auf der einen Seite dort feiern, auf der anderen Seite aber nutzt du den Moment auch, um dem Alltäglichen zu entkommen. Ansonsten ist die Art, wie wir Musik machen, nicht zwingend von äußeren Inspirationsquellen wie direkten Ereignissen o.ä. abhängig. Wir wollten ja auch nicht einen Song übers Berghain schreiben.Vielmehr stellen wir am Ende fest, dass es irgendwie einer geworden ist. Wir machen eher intuitiv Musik und setzen uns nicht mit der Gitarre hin und schreiben über dieses oder jenes. Unsere Musik ist eher wie ein abstraktes Gemälde. Eine Emotion.“

Und weil die Bandmitglieder über viele Emotionen verfügen, sind auch noch genug übrig, um Sideund Solo-Projekte, wie Høffdings Bon Homme oder Barfords Tomboy, damit zu füttern. „Diese Projekte sind für uns selbst, aber auch für die Band sehr wichtig. Zum einen lernen wir so viel übers Produzieren, das dann wieder in unsere Arbeit für WhoMadeWho miteinfließt. Zum anderen ist es mit WMW im Studio immer extrem hektisch, wir arbeiten wirklich hart. Das können wir nicht das ganze Jahr über so machen. Daher sind unsere Soloprojekte quasi eine Art Auszeit.“ Zu Zeiten des Interviews war das WhoMadeWho-Album eine Weile fertig, die Tour hatte hingegen noch nicht begonnen, und schon arbeiteten alle Bandmitglieder wieder an eigenen Sachen. Seit Ende Februar nun gilt die gesammelte Konzentration der Band und dem Livespielen. „Ich liebe es aber, mein Laptop mitzunehmen und auch auf Tour – im Bus, im Hotel – an neuer Musik zu arbeiten“, berichtet Tomas, so dass ein drittes Bon Homme-Album schon bald bereit stehen könnte. Die anstehende WMW-Tour umfasst 22 Termine in Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Wir versuchen, nicht zu viele Termine zu spielen, um es für uns selbst spannend zu halten. Selbst wenn es schlau wäre, auch mal ausgiebig durch die USA zu touren, sparen wir uns das lieber. Außerdem gönnen wir uns schöne Hotels, um uns das Reisen so angenehm wie möglich zu gestalten. Und wir halten das Team und den Aufwand gering. Viele Bands neigen bei ersten Erfolgen dazu, ordentlich aufzurüsten, mit Tourmanager, Backliner etc. Wir halten es lieber klein. So können wir den Vibe des Ortes, an dem wir uns gerade befinden, viel besser aufnehmen. Und schlussendlich lassen wir uns bei der Show selbst alle Freiheiten, so dass es jedes Mal super viel Spaß macht, live zu spielen.“

 

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