Wie DJs gegen sexuelle Belästigung & Diskriminierung ankämpfen

In der elektronischen Musikszene kämpfen Flinta*-DJs weiterhin mit sexueller Belästigung und Diskriminierung.

Ihre Erfahrungen spiegeln sich in den Erlebnissen von DJ Magali Wolf wider, die immer wieder mit sexistischen Kommentaren konfrontiert wird. Wolf, die unter dem Namen 0megavybe auflegt, beschreibt die Branche als von patriarchalen Strukturen geprägt, die trotz ihres Erfolges weiterhin gegen sie arbeiten.

Diese Strukturen sind in der elektronischen Musikszene weit verbreitet. Bei Festivals wie dem Hurricane Festival 2023 waren 72 Prozent der Acts cis-Männer, was das Fehlen von Flinta*-Vertretung verdeutlicht.

Laut Wolf herrscht in der Branche ein klassisches „Gatekeeping“, bei dem Netzwerke von männlichen Promotern und DJs aufgebaut wurden und Flinta* weniger Zugang zu wichtigen Kontakten haben.

Trotz dieser Herausforderungen gibt es Fortschritte. Immer mehr Flinta*-DJs werden gebucht, jedoch oft nur als „tokenisierte“ Acts, um Diversität vorzutäuschen. Wolf kritisiert, dass die Buchung dieser DJs häufig auf ihrem Aussehen und Geschlecht basiert, nicht auf ihrer musikalischen Kompetenz.

Das führt zu einem ständigen Druck, sich zu beweisen, was in vielen Fällen auch sexuelle Belästigung nach sich zieht. Eine weitere Herausforderung ist die ungleiche Bezahlung. Studien zeigen, dass Flinta* im DJ-Beruf durchschnittlich 70 Prozent weniger verdienen als cis-Männer.

Diese Lohnlücke führt zu einem größeren Konkurrenzdruck und erschwert den Aufbau von Netzwerken unter Flinta*-DJs. Wolf und ihre Kollegin Marie Midori betonen jedoch, wie wichtig es ist, diesen Druck in solidarische Netzwerke umzuwandeln.

Daher setzen Flinta*-DJs wie Wolf auf Gemeinschaft und Empowerment. Sie sind Teil von Kollektiven wie dem Layers Collective in Berlin, das Workshops und sichere Räume für Flinta* bietet.

Diese Initiativen ermöglichen es Flinta*, ihre Fähigkeiten zu entwickeln und sich gegenseitig zu unterstützen. Doch es bleibt ein Problem: die Ressourcen für diese Projekte sind knapp, und die Nachfrage ist hoch.

Marie Midori, ebenfalls Teil des Projekts Femme Bass Mafia (FBM), sieht in der Förderung durch cis-Männer eine Lösung. Sie fordert, dass cis-Männer ihre Privilegien nutzen und Flinta* aktiv unterstützen, etwa durch die Schaffung diverser Line-ups.

Auch Wolf betont, dass es an der Zeit ist, dass größere DJs und Festivals Verantwortung übernehmen und ihre Plattformen für die Förderung von Flinta* nutzen. Die Forderung ist klar: mehr Sichtbarkeit, mehr Unterstützung, und ein Ende der strukturellen Diskriminierung.

Quelle: taz

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