Wien fördert legale, unkommerzielle Raves auf Donauinsel

Wien fördert legale, unkommerzielle Raves auf Donauinsel. Foto-Quelle: Wikimedia Commons. Credit: Peter Haas

Wien geht mit gutem Beispiel voran: Die österreichische Hauptstadt fördert in diesem Jahr für alle zugängliche, unkommerzielle Open-Air-Raves auf der Donauinsel. Das Projekt entstand gemeinsam mit der Vienna Club Commission und bietet sowohl für Besucher als auch für Veranstalter Vorteile.

Vielerorts, gerade in Großstädten, veranstalten Kollektive kostenlose bis kostengünstige Open-Air-Veranstaltungen der elektronischen Musik abseits des Mainstreams. Oftmals finden diese jedoch ohne Genehmigungen statt, da die meisten Städten zu wenig bis gar keine freien Kulturräume, gerade unter freiem Himmel nicht, bieten. In Wien sieht das nun anders aus. Dort finden in diesem Jahr unterhalb der Praterbrücke sieben legale Raves statt, die woanders wohl illegal abgelaufen wären.

Das Projekt, das unter dem Namen Free Spaces läuft, wurde in enger Abstimmung mit der Vienna Club Commission und der Szene umgesetzt. Sieben legale Rave-Veranstaltungen bietet die Reihe an Samstagen bis jeweils Mitternacht. Die Stadt Wien setzt damit um, was viele Akteure der freien Szene schon schon lange fordern: freie Flächen für Raves im öffentlichen Raum.

In Aachen etwa möchte die Polizei gerade eine Tanzdemo unterbinden, die unter anderem ebenfalls solche Möglichkeiten fordert. Ganz anders nun in Wien: Dort unterstützt die Stadt die Veranstaltungen sogar von öffentlicher Stelle mit 3000 Euro je Rave. Dadurch sollen die Events gleichzeitig erschwinglich und legal bleiben. Es besteht kein Konsumzwang, Getränkekosten und der Eintritt beinhalten lediglich Spendengelder.

Die Geschäftsführerin der Vienna Club Commission, Martina Brunner, dazu: „Ein ganz relevanter und wesentlicher Punkt, den dieses Projekt ausmacht von den Free Spaces, ist, dass es niederschwellig zugänglich ist, sowohl für Veranstalterinnen als auch fürs Publikum.“

Neben den Geldern stellt die Stadt außerdem mobile WC-Anlagen und einen Stromanschluss. Außerdem kommt Wien den Veranstaltern mit behördlichen Erleichterungen entgegen, etwa was die Lautstärkebegrenzung, die Sperrstunde und Genehmigungen betrifft.

Mit der Planung der Free Spaces wurde während der Covid-19-Pandemie begonnen, 2023 und 2024 erfolgten Testläufe. In diesem Jahr startete das Projekt dann offiziell.

Aus der Szene gab es jedoch auch Gegenstimmen. Lokalbetreiber fürchten eine Wettbewerbsverzerrung durch die kostenlosen Veranstaltungen. Partygänger könnten sich laut Meinung der Club-Betreiber an das unkommerzielle Angebot gewöhnen, wodurch Gäste in Clubs ausbleiben könnten.

Die Vienna Club Commission hält dagegen: „Clubs profitieren dadurch insofern, dass sich Veranstaltungskollektive ausprobieren können, eine Community aufbauen können und diese dann (professionalisiert) in die Clubs bringen.“

Mehr Informationen zum Projekt Free Spaces gibt es auf der offiziellen Webseite der Vienna Club Commission.

Quellen: VIENNA.AT, wien.orf.at, The Gap

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