
Mit „100 Jahre auf Koks“ beleuchtet das Y-Kollektiv die Geschichte einer Droge, die laut Film längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
Die Reportage ist im „Y-History“-Universum verortet, wurde von Radio Bremen produziert und ist aktuell in der ARD-Mediathek zu finden. Zu Beginn begleitet Reporterin Carolin von der Groeben eine junge Party-Clique, die Kokain konsumiert, als gehöre es zum Wochenendritual wie Bier und Taxi nach Hause.
Aus diesen Szenen entwickelt der Film eine historische Spurensuche nach dem Weg vom Medizinprodukt zur „faktischen Volksdroge“. Von der Groeben spricht mit Konsumenten, einem ehemaligen Kokstaxi-Fahrer, einem Drogenschmuggler und einem Mann, der durch Kokain Beziehungen, Job und Selbstkontrolle verlor.
Historisch spannt die Doku einen Bogen von den exzessiven Nächten der Weimarer Republik bis zur heutigen Koksschwemme. Nach dem Ersten Weltkrieg reagierte der Staat mit dem Opiumgesetz von 1921 auf internationale Abkommen und begann, Kokain stärker zu regulieren und zu kriminalisieren.
Bereits in den 1920er-Jahren kursierten Medienberichte über eine angebliche „Kokainwelle“, lange bevor harte Zahlen massenhaften Missbrauch belegten. Das Zusammenspiel aus Moralpanik, Politik und Nachtleben wirkt laut Film bis heute vertraut.
Ein zentrales Kapitel widmet sich der westdeutschen Rock-’n’-Roll-Mythologie der 1970er- und 1980er-Jahre. Steffi Stephan vom Panikorchester von Udo Lindenberg schildert, wie präsent Kokain im Touralltag und im Studio war.
Rückblickend sagt er: „Kokain habe mir nichts gebracht“. Er betont, dass er ohne rechtzeitigen Ausstieg diese Zeit wohl nicht überlebt hätte. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden erste Verschreibungspflichten eingeführt, weil Künstler übermäßig konsumierten.
Heute nehmen Menschen Kokain, um länger zu feiern, den Job zu stemmen oder im Alltag „high performance“ zu liefern – Versprechen von Energie, Selbstbewusstsein und Entgrenzung, die schon Bühnenstars und Boheme der Weimarer Zeit verlockten.
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