Zäsur in der Drogengeschichte? – Kokain in Skeletten aus dem 17. Jahrhundert gefunden

Muss Drogengeschichte neu geschrieben werden? – Kokain in Skeletten aus 17. Jahrhundert gefunden. Foto-Quelle: Flickr. Credit: Kripos NCIS. Symbolbild

Eigentlich hieß es, dass Kokain in Europa erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts isoliert werden konnte. Diese Geschichtsschreibung könnte sich jetzt ändern, denn in Mailand entdeckten Forscher Hinweise auf die Nutzung von Kokain, Opioiden und Cannabis in Skeletten aus dem 17. Jahrhundert.

Einen gruseligen Fund machten Wissenschaftler unter den Mauern der Kirche der größten staatlichen Universität in Mailand: Die Skelette tausender toter Menschen, die dort im 17. Jahrhundert hinterlassen wurden, häufen sich dort an.

Bis zu eineinhalb Meter hoch türmen sich die Berge aus Knochen, Totenschädeln und Skeletten. Ein seltsamer Geruch liegt über der Kluft. Früher befand sich auf dem Gelände ein Krankenhaus, in dem die ärmeren Menschen der Gesellschaft verarztet wurden. Das war in Europa zu dieser Zeit alles andere als selbstverständlich.

Mailand war vor 400 Jahren äußerst fortschrittlich: Verschuldete Menschen in Not wurden in einem modernen Krankenhaus ohne Kosten für sie behandelt. Die Knochenberge gehören zu den ärmsten Mailändern dieser Zeit – denn nicht alle überlebten das Krankenhaus.

Obwohl das Hospital über Jahrhunderte in Betrieb war, wurden die Leichen nur für ein paar Jahrzehnte dort bestattet. Die Anwohner und Ärzte beschwerten sich über den Gestank. Aus diesem Grund verschloss man die Räume – zum Vorteil der heutigen Forscher. Diese bringen die Skelette nun an die Erdoberfläche und untersuchen sie.

Im Gegensatz zu dem Leben von reicheren Menschen und führenden Persönlichkeiten gibt es nämlich kaum Geschichtsmaterial zu dem der Armen. Über die Skelette können Forscher neue Rückschlüsse führen – auch zum Konsum von Rauschmitteln.

Toxikologische Analysen fanden Drogenspuren. Opioide, ähnlich wie Heroin, wurden genauso nachgewiesen wie Kokain und Cannabis –eigentlich hieß es, dass Albert Niemann, deutscher Chemiker, erst gegen Mitte des 19. Jahrhunderts reines Kokain isolierte.

Weiterhin untersuchten die Forscher, ob die Menschen die Drogen zum Rausch außerhalb des Krankenhauses nahmen oder diese dort als Betäubungsmittel oder Medikament verabreicht bekommen haben. Ihnen liegen umfangreiche Dokumentationen in Form von Arzneibüchern des damaligen Krankenhauses vor. Die gefundenen Stoffe tauchen nicht auf. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass die Menschen schon damals diese Rauschmittel privat konsumierten – eine Erkenntnis, der die Drogengeschichte Europas neu schreibt.

Quellen: Tagesschau, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V.

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