Die aus Jamaika stammende Künstlerin Dion Mckenzie, besser bekannt als Tygapaw, hat sich international einen Namen gemacht. Aufmerksamkeit erweckte sie nicht nur durch ihre Musik, sondern auch durch ihren sozialen Einsatz für die schwarze Queer- und Trans-Community. Im Interview spricht Tygapaw über die Intention hinter ihrem Debütalbum „Get Free“ und ihren musikalischen Werdegang.

 

In „Get Free“ geht es um die Beseitigung von Selbstzweifeln, das Überschreiten von Grenzen und Liebe. Wie würdest du die Intention, die hinter dem Album steckt, beschreiben?

Die Selbstzweifel, von denen die Rede ist, habe ich mir nicht selbst auferlegt. Sie beziehen sich nicht auf den reinen musikalischen Schaffensprozess, sondern auf etwas viel Größeres: Es geht um Zweifel, die ich überwinden musste, weil ich mich in Umgebungen befand, die mich einschränken und unterdrücken wollten. Diese Einschränkungen, die mich mein ganzes Leben lang begleiteten und meine Imagination begrenzten, versuche ich, auf diesem Album hervorzuheben.

Wie lange hast du an dem Album gearbeitet?

Angefangen hatte der Prozess im Juli. Für die Produktion des Albums habe ich ungefähr einen Monat benötigt. Weitere vier Wochen investierte ich in das Mixing, was ich gemeinsam mit Loric Sih in seinem Studio in Williamsburg über die Bühne brachte. Dort habe ich auch die Vocals aufgenommen. Das Mastering erfolgte schließlich durch Glen Brady im September. Durch meinen Aufenthalt in Quarantäne hatte ich eine Menge Zeit zur Verfügung und das wollte ich effektiv nutzen.

Wie bist du zur elektronischen Musik gekommen? Wer oder was hat dich diesbezüglich beeinflusst?

Das war ein stufenweiser Prozess. Meine ersten Berührungspunkte waren Pop-Iterationen wie Haddaway oder SNAP!. Durch Musikvideos kam ich in den 1990er-Jahren dann das erste Mal mit Künstler(-gruppen) wie The Prodigy, The Chemical Brothers oder Aphex Twin in Kontakt. Das war wohl der Ausgangspunkt für meine musikalische Laufbahn. Als Meilenstein würde ich zudem den Track “Closer” von NIN bezeichnen, der mir eine völlig neue Welt des Klangs und der Komposition eröffnete. Die Ursprünge des Technos und die schwarzen Pioniere dieses Genres habe ich allerdings erst in den letzten Jahren kennengelernt. Vor allem Jeff Mills und die New Yorker Szene im Allgemeinen haben mich sehr beeinflusst.

Was wünscht du dir für das kommende Jahr?

In erster Linie wünsche ich mir finanzielle Sicherheit. Um ehrlich zu sein bin ich es leid, mit dieser Knappheitsmentalität leben zu müssen, zu der wir aufgrund fehlender Ressourcen gezwungen sind. Ständig meinen Wert beweisen zu müssen, ist etwas, das ich in diesem Modell nicht mehr unterhalte. Ich möchte ausreichend bezahlt werden, damit ich meiner Tätigkeit als Künstlerin nachgehen kann, ohne mir Sorgen um genügend Nahrung und ein Dach über dem Kopf machen zu müssen. Ich will es mir leisten können, in mich und in die Gesellschaft investieren zu können. Mein Ziel auf lange Sicht ist es, Filmmusik zu komponieren.

“Get Free” von Tygapaw ist ab sofort via NAAFI erhältlich.

 

Aus dem FAZEmag 106
www.soundcloud.com/tygapaw