Zwischen Warehouse und Kathedrale: Das Abrupt Festival in Brüssel

Die Kathedrale von St. Michael & St. Gudula, eine von sieben Venues des Abrupt. Foto: Blithe Williams

Das Abrupt Festival in der belgischen Hauptstadt Brüssel feierte jüngst vom 9. bis zum 13. Oktober seine Debüt-Edition. Verteilt auf sieben einzigartige Venues der Stadt, erwartete uns ein buntes Programm aus zeitgenössischer und unkonventioneller Musik, Konzerten, Talks und vielem mehr. Wir waren vor Ort und haben uns einige Einblicke vom Schwesterfestival des Nuits Sonores verschafft.

Bei unserem zweitägigen Trip in die kosmopolitische Stadt – das EU-Parlament hat hier ihren Sitz, weshalb Brüssel sehr international geprägt ist – erreichten wir leider erst am späten Donnerstagabend unser Hotel und hätten im Anschluss bereits beinahe eines der Festival-Highlights verpasst: die Konzerte von Maxime Denuc und Elisabeth Klinck in der beeindrucken Kathedrale von St. Michael & St. Gudula. Insbesondere der Orgel-Auftritt von Denuc in dieser beeindruckenden gotischen Kulisse war eine atmosphärische, audiovisuelle Wucht.

Ein Meister und seine Orgel – hier „versteckte“ sich Maxime Denuc während des Konzerts. Foto: Blithe Williams

Anschließend ging es noch für einen kurzen Abstecher in die Venue des Bozar – nur wenige Gehminuten von der Kathedrale entfernt – um dort den letzten Teil des Auftritts von Chief Adjuah inklusive Band zu erleben, die uns wunderbare Live-Jazz-Musik bescherten.

Trotz seines Status als Hauptstadt und internationales Zentrum des Landes war die Innenstadt samt historischem Altstadt-Kern übrigens sehr übersichtlich. Die sieben Venues des Abrupt Festivals waren allesamt fußläufiger untereinander erreichbar, was uns wiederum ermöglichte, die wunderschönen Bauten rund um den Grand-Place/Grote Markt genauer unter die Lupe zu nehmen. Für einen Kurztrip sei Brüssel jedem aufs Wärmste empfohlen.

Chief Adjuah inkl. Band heizten der Crowd im Bozar mit ihrer Live-Jazz-Musik reichlich ein. Foto: Marin Driguez

Nach dem ein oder anderen belgischen Bier ging es am Folgetag mit leicht schwammigem Kopf zum Lunch mit Vertretern von der Brüsseler Nightlife- und Tourismusbehörde und Festivals sowie mit Journalisten von unseren Kollegen von Mixmag und Resident Advisor. Frederick Bouty, der in den Bereichen Diversität, Nachtleben und Sport bei der Tourismusbehörde VisitBrussels tätig ist, gab uns einige interessante Einblicke in das erfolgreiche Bestreben der Stadt, Brüssels Club-, Kultur- und Musikbranche noch stärker zu fördern und noch zugänglicher für ein internationales Publikum zu gestalten. Das Abrupt Festival ließ sich somit auch ein Stückweit als Showcase-Projekt einordnen, um das Potenzial der Brüsseler Nachtkultur zu präsentieren.

Zurück zum Programm. Im Abrupt Lab stand am Freitagnachmittag eine Session mit dem Lokalsender Microwave an, während der es Radio-Interviews, Talks, Listening Sessions und jede Menge Musik zu bestaunen gab. Im Gespräch mit Mykhailo Bondariev aus der Ukraine und NVST aus der Schweiz ging es etwa um Möglichkeiten, die Solidarität innerhalb der elektronischen Musikszene zu festigen.

Das Abrupt Lab – das experimentelle Zentrum des Festivals. Foto: Abrupt Lab

Nach einem kurzen Powernap im Hotel – mit dem Hoxton Brussels hatte man uns im Übrigen eine wirklich fantastische Unterkunft bereitgestellt – ging es bei Einbruch der Dunkelheit zum bekannten Kiosk Radio im historischen Parc Royal. Das Kiosk Radio kann als das belgische Pendant zum Berliner HÖR Radio gesehen werden. Aus dem kleinen Holzgebäude mitten im Park wird jeden Tag livegestreamt, mit lokalen, aber auch zahlreichen internationalen Künstlern aus den verschiedensten elektronischen Genres. Im Rahmen des Festivals kollaborierten Kiosk Radio und Abrupt für mehrere Sessions. Eine davon könnt ihr hier sehen:

 

Später am Abend erwartete uns dann der erste von zwei Clubtagen im Rahmen des Abrupt. Die Clubtage- bzw. Nächte teilten sich auf die beiden Venues C12 und Reset auf, wo insbesondere der Samstag bei House- und Techno-Fans für Begeisterung gesorgt haben dürfte. An den Decks standen hier unter anderem Dasha Rush, Marcel Dettmann, Actress b2b Skee Mask, Hadone (Live) und JakoJako.

Der Sound und die Atmosphäre im C12 waren fantastisch, aber auch sehr düster. Foto: Lena Ramzani

Da unsere Abreise bereits am Samstagmittag erfolgte, konnten wir leider keinen der obengenannten Acts mehr mitnehmen, erfreuten uns jedoch nicht weniger am freitägigen Clubprogramm, das mit vielen lokalen Talenten und Acts aus aller Welt gespickt war, die teils tief unter dem Radar flogen. Beide Venues konnten mit ihrem überaus individuellen Charme und einem sehr starken Sound bei uns punkten.

Im Reset war die Stimmung hingegen etwas heller und die Beats etwas fröhlicher. Foto: Jente

Alle Infos zu den Locations und zum Programm des Abrupt Festivals erhaltet ihr hier. Wir freuen uns auf die Ausgabe im nächsten Jahr.

Artikelfoto: Lena Ramzani

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