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Manche Früchte brauchen eine Weile, um zu reifen und ihren vollen Geschmack zu entfalten. So war es auch mit der Musik von Sebastian Damerius aka ComixXx, der zwar schon seit Mitte der Nullerjahre als Produzent in Erscheinung tritt, das jedoch bislang eher im Verbund mit anderen. Für ein Soloalbum fehlte ihm bis dahin vor allem eins: das nötige Selbstbewusstsein. „Ich habe mich nicht getraut. Es war schon eine gewisse Angst da, mit meinen eigenen Sachen raus zu gehen“, erzählt er mir in einem Café in Berlin-Mitte, als wir uns dort zum Interview treffen.

Überhaut ist Sebastian jemand, der lieber tief stapelt als hoch fliegt. Dabei könnte die Bitte eines renommierten Labels wie Sonar Kollektiv – in Person von Jazzanovas Alex Barck–, dort doch bitte ein Album zu veröffentlichen, schon zu einer gewissen Arroganz führen. Hier konnte man das lange Zögern des Wahlberliners aus Weimar nicht nachvollziehen. Druck gab es aber trotzdem nur von Sebastian selbst: „Es waren schon vier oder fünf Songs da, als ich für das Album ins Studio gegangen bin. Ich war unsicher, ob ich das auf dem Level halten kann. Doch es gab eben kein Zurück mehr.“ Nun ist „The Great Escape“ also bei Sonar Kollektiv erschienen, und Damerius‘ Songs vereinen Melancholie und Leichtigkeit. Das Album passt trotz eines gewissen Hangs zum Schwermut ganz hervorragend in den Sommer, was dem Mix aus popaffinen Melodien mit minimalen Techno-Elementen und warmen Analog-Sounds zu verdanken ist. Weiterhin daran beteiligt sind neben den Kompositionen selbst natürlich die Lyrics und wie sie transportiert werden. Auf „The Great Escape“ waren dafür gleich mehrere talentierte Menschen – mal mit mehr, mal mit weniger viel Erfahrung – am Werk. Neben Pete Josef, den man u.a. schon von Alex Barck-Produktionen kennt, und Sebastians langjährigem Freund Dominik „Knixx“ Wirth ist die erst 15-jährige Mirna dabei. Sie ist auf „Can U Feel?“ zu hören und klingt so überhaupt nicht wie ein pubertierender Teenager. „Mirna war ein Vorschlag von Alex‘ (Barck) Tochter, die mit ihr im Kirchenchor singt. Ihr gefiel dann ‚Can U Feel?‘ gut, und so hat er sie dann ins Studio eingeladen. Sie kam dann so ganz schüchtern rein und stand dann auch das erste Mal an einem Mikrofon. Wir waren völlig verblüfft von dem, was da passierte.“ Ein weiterer Gast auf „The Great Escape“ ist mit Peter Folk ein alter Freund Sebastians aus Weimar. „Wir haben schon ganz viel Quatsch zusammen gemacht, z.B. Fake-Polnisch-Rap – bislang lief das also immer eher auf so einer Spaßebene. Jetzt aber sind mit ‚Broken Connection‘ und ‚Rock Bottom Riser‘ eher erwachsenere Stücke entstanden.“ Seit 2007 ist Sebastian in Berlin. Ein Wechsel, der ihn auch musikalisch beeinflusste. „Ich habe es in Weimar nicht mehr ausgehalten. Viele Freunde von mir waren schon fortgezogen. Hier passiert halt was, in Weimar ist das eher nicht so. Da ist gefühlt jeden Tag Sonntag. Die harten Beats in meinen Stücken sind sicherlich dem Einfluss Berlins geschuldet. Die Stadt und ihre Hektik machen schon was mit einem.“ Da stellt sich ganz selbstverständlich die Frage, ob der Albumtitel „The Great Escape“ ein grundsätzliches Thema in Sebastians Leben anspricht: den Wunsch nach Eskapismus, dem Rückzug aus der Hektik der Stadt. „ Ich habe auf jeden Fall immer mal wieder Lust, zu flüchten und woanders Energie zu tanken. Nur in so einem Moloch zu leben, aber dauerhaft ist das schon anstrengend. Alt werden würde ich jedenfalls lieber in Italien. Die Toskana hat es mir angetan.“ Bis dahin dürften aber schon noch einige Jahre ins Land gehen, schließlich geht es für Damerius gerade erst so richtig los. / Nicole Ankelmann

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Foto: Ben Wolf