Exklusives Interview der Woche: Marko Fürstenberg (Rotary Cocktail)

Vor kurzem erschien das 2003 digital auf Thinner veröffentlichte Album “Gesamtlaufzeit” als Vinyl-Re-Release auf Rotary Cocktail. Keine alltägliche Sache, obgleich alle Albumtracks neu editiert worden sind. Wir haben Marko gefragt, wie es zu diesem Re-Release gekommen ist und was sonst bei ihm so passiert.

Knapp zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung erscheint dieser Tage erneut dein Album „Gesamtlaufzeit“. Wie kam es zu der Entscheidung des Re-Releases?

MF: Schon damals, 2003, kamen zahlreiche Anfragen, ob es das Album auch in physikalischer Form geben wird. Da es ja ausschließlich als 192kbps MP3 erhältlich war, entschied ich mich dazu, eine auf 150 Stück limitierte CDR anzubieten, welche binnen zwei Wochen vergriffen war. Dennoch wurde von unzähligen „Fans“ über die Jahre hinweg sehr oft der Wunsch geäußert, das Release auch als Vinyl zu bekommen. Nach weit über einem Jahr Bedenkzeit entschieden wir uns, das Album neu aufzulegen und wieder zu veröffentlichen.

Was können wir auf der Platte erwarten? Gibt es Änderungen oder Neuheiten? Neue Edits?

Alle Albumtracks sind neu editiert, einige im Arrangement angepasst, um die technischen Voraussetzungen für eine Vinylveröffentlichung zu erfüllen. Es gab ein komplett neues Mastering, der Sound ist um einiges homogener als in der ursprünglichen Version.

Wann und woran hast du gemerkt, dass die Tracks deines ersten Albums zeitlos sind und damals wie heute gut funktionieren?

Dubtechno hat an sich keinen Zeitstempel, da es keinerlei Trends folgt. Es ist einfach der Ausdruck von Impressionen und Gefühlen. Bei meinen Livesets, die ich seit 2003 regelmäßig spiele, baue ich hin und wieder auch mal einen Track vom Album oder frühen Releases ein. Das Publikum mag diese genauso wie aktuelle Tracks. Das ist für mich das beste Anzeichen für Zeitlosigkeit.


Würdest du sagen, dein musikalischer Anspruch und deine musikalischen Vorlieben sind heute noch die gleichen wie früher?

Mein musikalischer Anspruch war schon immer: Es muss mich berühren, Emotionen hervorrufen! Damals wie heute habe ich ähnliche Vorlieben: die gewisse Tiefe, manchmal Melancholie, manchmal Euphorie, auf ein bestimmtes Genre bin ich da nicht festgelegt, ob Klassik, elektronisch oder Pop… es muss einfach „Klick“ machen.

Wie kamst du damals auf die doch sehr eigenen Namen für die Tracks, wie z.B. „Offener Tisch“ oder „Flüssige Reise“?

Ich war damals bei Entstehung des Albums sehr viel auf Reisen, die Namen entstanden aus der Situation heraus… „Flüssige Reise“ z.b. entstand auf einer langen Fährüberfahrt, „Shop Work“ kommt von Workshop (ich erklärte einem Freund meine Herangehensweise von Sample Editing), „Steinbruch“ – der Name sagt es ja – entstand in einem Steinbruch und auch unter Zuhilfenahme der Soundquellen….. etc.

Was steht bei dir als nächstes an? Können wir nach der Neuauflage von „Gesamtlaufzeit“ in der Zukunft auf neue Tracks hoffen?

Ich arbeite momentan an einigen Projekten, u.a. eine Zusammenarbeit mit Luke Hess, weiterhin sind einige Remixe in Arbeit, aber mein Hauptschwerpunkt liegt auf einem neuen Album, was ein ganz ähnliches Konzept wie das gerade Wiederveröffentlichte hat: Soundeindrücke verschiedenster Orte und Situationen. Erste Tracks sind bereits fertig, es existieren zahlreiche Skizzen, die noch auszuarbeiten sind. Ich lasse mir dabei Zeit, möchte jedoch bis Ende 2013 das Album präsentieren.

Verrate uns bitte etwas über Dein Studio-Setup.

Ich arbeite vor allem mit Sounds und Samples aus verschiedenen Quellen. Field Recording spielt dabei eine große Rolle. Zahlreiche Sounds entstammen meinem Kurzweil K2000. Als Sequenzer nutze ich seit Jahren Reason von Propellerheads, da es für mich nach dem Umstieg auf die Softwarebasierende Produktion die einfachste Möglichkeit war, das Setup flexibel zu gestalten. 90% der Instrumente sind Sampler, die Reason-internen Synths kommen meist nur als FX ins Spiel. Ich nutze dazu den Novation Remote SL Midi Controller, sowie den Kurzweil. Das Monitoring übernehmen KRK Aktivlautsprecher sowie 20 Jahre alte Grundig Passivlautsprecher mit modifizierten Frequenzweichen.

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