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Mit ihrem Club-Hit und dem gleichnamigen Debütalbum „From The Inside“ waren Chasing Kurt in aller Munde. Jetzt, nach vier langen Jahren, erscheint ihr zweites Album „Cloud Dancer“ auf Peppermint Jam, dem Label von Mousse T. Mittlerweile als Duo unterwegs haben sich Wojtek Kutschke und Lukas Poloczek mit ihrem neuen Release neu orientiert. Sie treten wesentlich poppiger auf, bleiben aber gleichzeitig ihrer housigen Linie und vor allem ihrer Liebe zum Gesang treu. Wir trafen uns mit Wojtek, um mit ihm über die Entwicklung von Chasing Kurt zum Duo und das neue Album zu sprechen.

Wojtek, mal ernsthaft: Wie oft musstet ihr schon die Frage beantworten, ob ihr Kurt schon gefangen habt?

Die haben wir tatsächlich schon ein paarmal gehört. Wie oft das war, weiß ich aber nicht mehr. Oder auch: Wen jagt ihr da? Wer ist eigentlich der Kurt?

Und was antwortet ihr?

Kurt ist für uns eine imaginäre Person. Jeder Mensch sollte ja einen gewissen Antrieb haben, einem Ziel hinterher zu jagen, und unser Antrieb war es, Musik zu machen und Spaß zu haben. Kurt ist eine Zusammensetzung aus meinem Nachnamen, Kutschke, und Pascals, Vert, der damals ja noch bei uns war. Daraus haben wir dann Kurt gebaut und „Chasing“ stellt für uns das Jagen nach Ideen dar.

Mit eurem Debütalbum auf Suol und eurer Single „From The Inside“ habt ihr damals viel Aufsehen erregt. Defected hat sogar das Potenzial von euch erkannt, sowohl Album als auch Single waren überaus erfolgreich. Wie hat sich eure Karriere nach diesen großen Releases entwickelt?

Mit dem Erfolg haben wir überhaupt nicht gerechnet. Wir dachten schon, dass der Track „From The Inside” selbst gut funktionieren könnte. Wir fanden den ja auch toll. Aber dass dann plötzlich Defected lizenziert und Henrik Schwarz einen Remix macht, das war dann schon sehr krass. Plötzlich waren die Erwartungen an uns in die Höhe geschnellt. Wir haben dann weiter Musik gemacht und auch das Album recht schnell fertiggestellt, merkten aber schon, dass uns von einigen Seiten in die Musik reingeredet wurde. Das hat uns auch ein wenig ausgebremst. Wir wollten unseren Stil beibehalten. Viele, die uns dann vermarkten wollten, sahen die Schwierigkeit, dass wir mit unserer Musik eine Nische bedienen. Dass man uns nicht so gut platzieren kann. Wir mussten uns nach dem Erfolg etwas finden. Pascal ist ja auch weggegangen und wir mussten uns allgemein neu strukturieren und überlegen, wo wir überhaupt hinwollen.

Du hast es angesprochen, ihr seid jetzt nur noch zu zweit unterwegs. Wie kam es zu der Trennung von Pascal?

Der erwähnte Erwartungsdruck wurde für Pascal unangenehm, das wollte er nicht mehr mitmachen. Dadurch sind natürlich auch intern einige Reibereien entstanden. Er hat dann halt für sich beschlossen, auszusteigen und seinen eigenen Weg zu gehen, ohne uns bremsen zu wollen. Es ist mitnichten so, dass wir uns zerstritten haben! Ich habe versucht, ihn zu überreden, aber letztendlich mussten wir akzeptieren, dass er keine Lust mehr hatte. Ich denke, dass wir einfach unterschiedliche Ziele und Visionen hatten.

Musstet ihr auch persönliche Einschnitte vornehmen?

Eigentlich nicht. Lukas studiert weiterhin und ich habe die Zeit zwischen den Alben genutzt, um meinen beruflichen Weg zu gehen. Nun bin ich hauptberuflich Lehrer. Ich wollte mich nicht allein auf die Musik verlassen, da die Konkurrenz sehr groß ist. Diesen Druck wollte ich mir nicht antun, auch in finanzieller Hinsicht. Das hat mich natürlich auch ein paar Jahre gekostet.

Nun erscheint „Cloud Dancer“ auf Mousse T.s Label Peppermint Jam. Zuvor erschien dort auch eure EP „Force Of Nature“. Wie kam die Zusammenarbeit mit Mousse T. zustande?

Ich wusste, dass Mousse T. ein großer Fan von uns ist oder zumindest ein paar Stücke von uns sehr mochte. „From The Inside“ hat er zum Beispiel sehr gefeiert. Deswegen habe ich ihn angeschrieben und gefragt, ob er nicht mal in unsere Tracks, die wir für das neue Album produziert hatten, reinhören wolle. Hat er dann auch gemacht, sich mit Klaus von Peppermint, mit dem er das Label betreibt, abgesprochen und so kamen wir dann zusammen. Das war relativ unproblematisch und es war auch ein schönes Gespräch, das wir mit beiden hatten.

Fühlt ihr euch besser aufgehoben als bei Defected?

Defected mochte Chasing Kurt, aber der neue Stil passte nicht so ganz. Defected ist ja auch eher ein Label, das relizenziert. Die Möglichkeit, dass wir über Defected ein Re-Release veröffentlichen, bleibt ja erhalten. Man weiß es nicht. Da müssen wir dann schauen, wie das Album letztendlich auch ankommt da draußen.

In einem älteren Interview habt ihr einmal erwähnt, dass das Album für 2015 angepeilt war. Wie kam es zu dieser Verzögerung?

Mit Peppermint haben wir abgesprochen, dass wir die Vorbereitungen für das Album ruhig angehen lassen. So eine Planung braucht nun mal seine Zeit, vor allem bei einem neuen Label. Wir wollten nichts überstürzen. Im Frühjahr habe ich dann noch mal zwei neue Stücke geschrieben, „One Thing“ und „Hold On“, wodurch zumindest aus meiner Sicht das Album vollständiger wirkt.

Vor allem im Vergleich zum ersten Album wirkt „Cloud Dancer“ sehr poppig und ihr sprecht im Zuge des Releases auch von einer Art Neuanfang. Wie darf man das interpretieren?

Die personelle Änderung hat natürlich einen Einfluss. Wir arbeiten anders als vorher, sitzen weniger gemeinsam im Studio herum und haben einfach einen anderen Workflow. Durch meinen Vollzeitjob als Lehrer muss ich meine musikalische Arbeit auch effizienter gestalten. Musikalisch unterliegen wir ja sowieso einer ständigen Veränderung. Dass das Album etwas poppiger geworden ist, liegt vielleicht daran, dass ich das Gefühl habe, dass Lukas sich viel sicherer fühlt und mehr zeigen kann, was er vocalmäßig draufhat. Diese Freiheit wollten wir ihm auch immer lassen. Dann kann es auch mal poppiger werden. Lukas kommt ja auch aus dem R’n’B/Soul-Genre.

Huhn oder Ei: Was entsteht bei euch zuerst, die Vocals oder die Melodie?

Wir machen das mittlerweile am liebsten so, dass Lukas die ersten Akkorde einspielt, die ihm liegen oder vielmehr nach seinem Gefühl zu seinen Vocals passen könnten. Dazu baue ich dann die Beats, schicke ihm das und er erarbeitet dazu seinen Gesang. Die Grundidee beziehungsweise das Thema kommt mittlerweile sehr oft von Lukas. Wenn er das schreibt, kann er auch viel besser aus sich herausgehen.

Bei gewissen Titeln, wie beispielsweise „Sumatra Rain“, hatte ich das Gefühl, dass sie sich sehr für eine Live-Performance anbieten würden. Habt ihr schon mal mit dem Gedanken gespielt, euer musikalisches Projekt größer aufzuziehen? Sei es als Live-Act oder als größere Band?

Definitiv, diese Idee steht schon sehr lange! Das Problem ist, dass Auftritte dadurch aufwendiger werden. Kleine Clubs würden dann kaum noch infrage kommen, sei es platz- oder kostenmäßig. Ein gutes Live-Set braucht auch Vorbereitungszeit. Das dann im House-Genre live mit einer Band oder einem Sänger so aufzuziehen, dass es trotzdem noch clubbig rüberkommt, ist schon schwierig. Da trauen wir uns noch nicht heran. Außerdem will ich mir auch noch den Pioneer DJ Toraiz AS 1 und den Toraiz SP-16 Sampler zulegen, um meine Ideen für einen Live-Act besser umsetzen zu können. Ob wir dann noch andere Musiker mit ins Boot nehmen, wissen wir noch nicht. Das haben wir zwar schon zwei- oder dreimal gemacht, aber wie schon gesagt haben wir dazu nicht immer die geeignete Bühne. Die Idee dazu steht, inwieweit wir sie ausbauen, müssen wir mit der Zeit sehen.

Aus dem FAZEmag 067/09.2017
Text: Janosch Gebauer
Foto: Fabian Pötter