Frank Sonic Press

Frank Sonic kennt man zwar nicht nur in NRW, aber besonders dort schon sehr lange. Als Resident des Butan Clubs in Wuppertal sorgt der Düsseldorfer schon seit 16 Jahren für technoide Ekstase. Seine Karriere begann jedoch noch früher, und zwar 1999, ebenfalls in Wuppertal. Frank erinnert sich: „Durch Kontakte bekam ich die Chance, im ehemaligen Kultkontor in Wuppertal aufzulegen. Als der Club kurze Zeit später geschlossen wurde, lernte ich Tobias Wicht kennen, der mich dann samt meiner damaligen ,Kultkontor-Posse’ regelmäßig ins Butan buchte. Da ich zu der Zeit gerade die Schule abgeschlossen hatte, konnte ich als Praktikant beim ,Partysan NRW’ hinter die Kulissen der Szene schauen und einige wichtige Leute kennenlernen. Einer von ihnen war Frederic Junginger vom TOR 3 in Düsseldorf, der mich fortan regelmäßig für den ,Union Rave’ buchte. 2003 habe ich dann dort meine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann gemacht. Eine ,harte Schule’, die sich im Nachhinein aber durchaus bezahlt gemacht hat.“

Neben seinen Engagements als DJ kümmert sich Frank seit vergangenem Jahr auch um das Booking des Düsseldorfer Clubs silq, den er als Geschenk für die Landeshauptstadt empfindet. „Der Club hat mich von der ersten Minute an begeistert und hat Düsseldorf das beschert, was es verdient hat. Einen echten elektronischen Club ohne viel Schnickschnack. Eine dicke Anlage, gute DJs und ein dementsprechend tolles Publikum.“
Wie es dazu kam, ist relativ einfach zu erklären. Ein langjähriger Freund Franks ist ins silq involviert und hat ihn gefragt, ob er Lust hätte, dort das Booking zu koordinieren. Neben seinen beiden festen Homebases hat Frank aber noch genügend Zeit für regelmäßige Studio-Sessions. Frank produziert seit vielen Jahren seine eigenen Tracks und hat seinen Stil dabei ständig weiterentwickelt. Zu den Labels, auf denen er releast, gehören Kittball und die Traum-Familie. Frank denkt an den ersten Label-Kontakt zurück: „Mein erster Kontakt zu Riley Reinhold kam durch ein Demo, das ich ihm 2011 geschickt hatte. Der Track ,The Swarm’, den ich zusammen mit Tube & Berger produziert hatte, war doch eine Nummer zu technoid geworden und passte nicht in das damalige Kittball-Portfolio. Daher gingen wir auf die Suche nach einem Label und verschickten ein paar Demos. Riley rief mich relativ zügig an und signte die Nummer für My Best Friend. Danach schickte ich ihm immer wieder neue Tracks und auf Trapez releaste ich dann zum Beispiel die Katalognummer 123. 2017 habe ich dann gemeinsam mit Drumcomplex eine EP produziert, die ich natürlich als erstes wieder zu Riley geschickt habe. Er hat sich sehr darüber gefreut, dass ich ihm nach so langer Zeit mal wieder neues Material geschickt hatte, und zögerte nicht lange. Die ,Chamäleon’-EP erschien im vergangenen Sommer auf Traum Schallplatten und war sehr erfolgreich.“
Den großen Durchbruch feierte der Produzent Frank Sonic aber erst jetzt: Diynamic-Honcho Solomun hat eine Nummer von Frank gespielt und so einen kleinen Hype kreiert. „Ja, diese Nachricht hat mich auch erreicht und für einigen Wirbel gesorgt. Mein langjähriger Freund und DJ-Kollege L-EX und ich hatten Solomun 2017 unseren Track ,Atlanta’ als Demo für Diynamic geschickt. Obwohl wir niemals Feedback zu dem Track bekommen haben, spielt Solomun die Nummer nun in seinen Sets. Na ja, der Track erscheint im März auf der gleichnamigen EP auf Kittball.“
Sein Studio-Arbeitsplatz, an dem auch „Atlanta“ entstanden ist, umfasst einen Mac Pro, Ableton Live als DAW und diverse Software-Synths und VSTs. Dazu gesellt sich ein wenig Hardware wie die Roland-AIRA-Serie – TR8, TB3 etc. – sowie Franks neuer JP-3 Boutique von Roland. Als Abhöre dienen ihm zwei PMC-Monitore. Für den finalen Mixdown lässt er sich jedoch gerne vom Düsseldorfer King Brain unter die Arme greifen.
In diesem Jahr soll auch ein Album erscheinen, an dem er zusammen mit L-EX arbeitet. Und wer Frank Sonic in den kommenden Wochen live und in Aktion erleben will, kann in Wuppertal (Butan), Düsseldorf (silq), Köln (Artheater) und auch Berlin (IPSE, Ritter Butzke) zu seinen Sets tanzen.

Frank Sonics aktuelle Top 5
Anna – Hidden Beauties
Artbat – Planeta
Depeche Mode – Everything Counts (Thomas Schumacher & Victor Ruiz Remix)
Stephan Bodzin – Strand
Frank Sonic – Ozora (unreleased)

Auf die Frage, wie sich sein Stammclub, der gerade seinen 20. Geburtstag gefeiert hat, im Laufe der Jahre verändert hat, gerät Frank ins Schwärmen: „Oh ja. 20 Jahre. Was für eine Zeit. Obwohl ich selbst schon 16 Jahre dort bin, fühlt es sich trotzdem immer noch frisch an. Aufgrund der stetigen Entwicklung des Clubs durch neue Veranstaltungsreihen, Deko-Konzepte oder technische Neuerungen entwickelt sich das Butan ständig weiter. Auch das Publikum ändert sich alle paar Jahre. Die älteren kommen irgendwann nicht mehr, dafür rücken junge Menschen nach.“
Das Musikverständnis der Gäste macht es dem DJ allerdings auch nicht immer leicht, wie Frank erläutert: „Die Feierkultur hat sich über die Jahre verändert. Früher war nicht alles besser, aber manches anders. Die Leute haben einfach stundenlang durchgetanzt. Auch wenn du mal einen Track gespielt hast, der dich persönlich besonders geflasht hat, dafür nicht ganz so funktional war, haben die Gäste einfach weiter getanzt. Heute wird so etwas teilweise rigoros bestraft. Spielst du mal eine seltsame Nummer zum falschen Moment, hast du unter Umständen schnell den Dancefloor leer.“
Als einen der schönsten Abende im Butan hat Frank einen der ersten Auftritte von Sven Väth in Erinnerung: „Ich war blutjung, supernervös und hatte die große Ehre, nach ihm zu übernehmen. Kurz bevor er fertig war, ging ich also zum Pult. Er hockte sich zu mir und sagte irgendwas wie ,Und, habe ich gut eingeheizt für dich?‘ – danach war die Aufregung weg und ich bin gut in den Flow gekommen.“

Aus dem FAZEmag 073/03.218

 

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