Andy Butler gerät gerne ins Schwärmen. Etwa wenn er von Sängern wie Krystle Warren und Gustaph erzählt, mit denen er bei Hercules And Love Affair zusammenarbeitet und auf Tour geht. Wenn er über den oftmals angenehm unperfekten Gesang auf alten House Platten sinniert oder über die Deep-House-Meisterleistungen eines Victor Simonelli.

Ähnlich emotional dürfen wir uns auch die von ihm zusammengestellte DJ-Kicks vorstellen, die am 26. Oktober auf !K7 erschienen ist. Dieser liegt die Erfahrung eines intensiven Gemeinschaftsgefühls zugrunde, das Butler als Teenager erstmals in Verbindung mit Musik erlebte: „Ich bin in Colorado aufgewachsen. Dort gibt es sehr viel Natur. Ich verbrachte viel Zeit im Freien, ging auf Outdoor-Partys und solche in den Bergen. Mit einem weiten Sternenhimmel darüber. Dadurch erlebte ich viele Nächte, an deren Ende ich zusammen mit wirklich engen Freunden die Sonne aufgehen sah. Dazu hörten wir wundervolle Musik. Ich verbrachte Woche für Woche mit der gleichen Crew. Das waren echte Musikfreaks. Ich traf sie erstmals auf einer ihrer Partys.“ Dort hörte Andy Musik, die er rückblickend als „trancy-oriented house music“ umschreibt, aber rasch hinzufügt: „Das war noch bevor die Leute Tech House oder Progressive House dazu sagten. Mit Progressive House war zu der Zeit eben etwas anderes gemeint als heute. Wenn ich damals gewusst hätte, was dieser Stil Jahre später bedeuten würde, wäre ich daran vermutlich nicht interessiert gewesen(lacht). Seinerzeit war progessive trancy und irgendwie interessant. Manchmal war es auch einfach nur guter Deephouse, manchmal Acid, manchmal Detroit Techno. Die erwähnten Musikfreaks brachten in den frühen 90ern hochwertige Dance Music nach San Francisco und dann auch zu uns. Zum Beispiel spielte DJ Harvey in Denver. Irgendwann kannten mich die Leute, da ich immer zu ihren Partys ging, bis zum Ende blieb und immer in, auf, oder nahe bei den Boxen saß oder mich vor dem DJ aufhielt. Sie begannen mich einzuladen. So landete ich auch zum ersten Mal auf einer Afterparty. Dort spielte der DJ in einem Wohnzimmer vor etwa 20 Leuten ein komplettes Disco- und Electroset. Von den Platten war keine älter als 1983. Ich hatte zuvor noch nie jemanden gesehen, der ein drei-, vierstündiges Set nur mit Musik aus dieser Ära bestritten hat.“ 

Die Begegnung mit den verschiedensten Stilen hatte Langzeitfolgen, prägte sie doch Andy Butlers musikalische Open-Mindness. „Ich wurde aber auch dahin geschoben“, gibt er zu. „Denn ich mochte damals Techno, House, Ambient. Doch diese Jungs zeigten mir, dass es in den 70ern und 80ern schon Musik gab, die dafür ein großer Einfluss war. Etwa Disco, oder Tracks von Yello, oder Classic Rock wie ‚Black Betty‘ von Ram Jam. Als ich den Song zum ersten Mal hörte, dachte ich: Wow, das ist eine Rockgitarre und ich tanze dazu, das ist echt weird! (lacht). Es ergab sich also für mich alles aus der Gemeinschaft. Das war eine nahezu spirituelle Sache. Vielleicht vergleichbar mit einem Kirchgang. Wir kamen immer Freitag-, Samstag- oder Sonntagnacht oder auch Dienstagnacht zusammen. Meine DJ-Kicks stellt nun die Verbindung zu diesen Erinnerungen her. Manchmal direkt, mit Songs, die ich damals hörte und zu denen ich tanzte.“ Der Housesound aus New York und Chicago sowie sogenannter Proto-House sind die von Butler innig geliebten Hauptzutaten dieser sehr persönlichen Compilation. Eingangs erwähntem Victor Simonelli wird gleich mit drei Stücken gehuldigt. Ebenso mit dabei: DJ Duke, Mankind, Haze Factory, Fierce Ruling Dive oder Mark Imperial. Als Produzent und Bandleader hat Andy Butler nach eigener Aussage in den letzten fünf Jahren mit über zehn Sängern zusammengearbeitet. Hinzu kommen diverse Instrumentalisten, Co-Producer und so weiter. Es erinnert ein wenig an die seligen Disco-Zeiten, als an einer Platte unzählige Musiker beteiligt waren. Ein Vergleich, der Andy sichtlich gefällt. „Je geeigneter die Sänger sind, die ich auf der Bühne dabei habe, desto mehr werde ich überwältigt. Und sie sehen dann natürlich auch an meinen Reaktionen während der Show, wie toll sie sind.“

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