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Elektronische Klänge treffen auf klassische Instrumente: Julian Maier-Hauff hat sich voll und ganz der Live-Musik verschrieben, kombiniert Synthesizer und Drum-Computer mit Trompete und Saxofon. Das wohl auffälligste Markenzeichen des jungen, aus Lahr stammenden Künstlers sind die vielen analogen Gerätschaften, die er zu jedem seiner Gigs aufbaut.

Ein monofoner Synthesizer, ein polyfoner Synthesizer, drei Drum-Computer, eine Trompete, ein Saxofon, ein Modularsystem, ein kleines E-Piano, einige Effektgeräte und viele, sehr viele Kabel. Bis vor einem Jahr konnte man zwischen diesen Instrumenten auch noch ein Fender Rhodes und ein analoges E-Piano aus den Siebzigern entdecken. Maier-Hauff ist vernarrt in Technik, die Klänge erzeugt und dabei am besten auch noch blinkt. Jedes seiner Gadgets hat eine bestimmte Funktion in seinem Set. Die Basis bildet meist eine Bassline vom Mono-Synth oder dem Modularsystem. Hinzu kommt ein Drum-Pattern aus analogen Drums und Samples, darüber die Harmonien auf dem Synthesizer oder dem Piano und zum Schluss wird Trompete oder Saxofon darüber gespielt. „Das ist ein bisschen wie kochen“, scherzt Maier-Hauff.

Julian Maier-Hauff ist gelernter Musiker, hat an einer Hochschule für Musik studiert. Nun verkörpert er diese mit elektronischer Musik, mit der er anfangs eigentlich gar nichts am Hut hatte. Trotzdem sieht der jazzerprobte Künstler kaum eine Hinwendung zum Genre der elektronischen Musik, außer vielleicht in der Auswahl seiner Werkzeuge. „Seit ich begonnen habe, bewusst Musik zu machen, und anfing, zu improvisieren, war für mich vor allem der Klang entscheidend“, reflektiert Julian. „Da ich das Laute und Direkte an der Trompete nie wirklich geschätzt habe, tüftelte ich an meinem Sound, bis ich das Instrument sehr weich spielen konnte. Seither suche ich eigentlich nur nach Klängen und Geräuschen, die ich kombinieren kann, um damit für mich und den Zuhörer spannende Musik zu kreieren. Synthesizer kamen erst vor drei Jahren dazu. Die Möglichkeiten der elektronischen Musik sind wirklich grenzenlos. Das erfrischt ungemein.“ Was im Vergleich zu seinen Anfängen geblieben ist, ist das Wörtchen „live“, das Julian Maier-Hauff im wahrsten Sinne des Wortes auf der Bühne zelebriert. Der Grund für die bewusste Live-Inszenierung von Klängen mag auch darin liegen, dass Maier-Hauff bis vor Kurzem auch gar nicht auflegen konnte. Zwar stehen in seinem Zimmer nun zwei Plattenspieler, denn auch diese Welt wollte er erkunden, warm geworden ist er mit ihr aber nicht. „Vielleicht brauche ich auch das gewisse Risiko, die Möglichkeit, etwas ,falsch’ zu machen, um auch etwas ‚richtig‘ machen zu können.“

Sein neues Album „Forest For Rest“ verbindet seinen analogen Charakter mit experimentellem Geist. Bei den insgesamt zwölf Tracks treffen bekannte technoide Ausführungen auf warme, holzige Klänge. Auf der Bühne wie auch auf seinem Album verkörpert Julian Maier-Hauff einen gewissen Pragmatismus, indem er auch hier den von ihm bekannten Live-Charakter durch die kurze Produktionszeit beibehält. „Ich produzierte einfach drauf los und pro Tag ist genau ein Track entstanden“, fasst er den Produktionsprozess zusammen. „Ich baue keine innige Bindung zu den Stücken auf oder schraube sie am Reißbrett zusammen, nachdem ich geschaut habe, was gerade so angesagt ist und wie ich das im Titel unterbringen kann. Nach knapp zweieinhalb Wochen hatte ich so die zwölf Titel auf meiner Festplatte. Die Elektronik lieferte mir wohl die Regel: Wenn es funktioniert, dann ist es erlaubt.“

Hier könnt ihr das Album kaufen:
https://springstoff.lnk.to/JMH_Forest

Aus dem FAZEmag 068/10.2017
Text: Janosch Gebauer
Foto: Florian Forsbach
www.julianmaierhauff.com