Mit der inzwischen dritten Auflage seines Omnitronic TRM-202 MK3 befeuert auch der süddeutsche Veranstaltungstechnikriese Steinigke weiter den Hype um das Rotary-Mixing. Insbesondere mit der MK2-Version bewiesen die Bayern bereits, dass man unterhalb eines Verkaufspreises von 500 EUR einen respektablen Nur-Poti-Mischer anbieten kann.

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Dass ein derartiges Volks-Rotary-Konzept aufgehen würde, war keinesfalls zu erwarten. Zu klein und elitär hätte man die Zielgruppe vermuten können, als dass ein günstiges Massenmarkenprodukt Chancen hätte. Doch siehe da: Der MK2 war ruckzuck ausverkauft. Nun also der Nachfolger TRM-202 MK3 – im neuen Design und mit kleinen Verbesserungen. Wenden wir uns also jener Mixing-Technik zu, die schon vor 40 Jahren Larry Levan im Paradise-Club und Frankie Knuckles im Warehouse zelebrierten.

Der TRM-202 MK3 ist ein handlicher schwarzer Metallquader von gerademal 23,5 x 19 x 9,5 Zentimetern und damit der kleinste Rotary-Mixer am Markt. Trotz seines geringen Maßes bringt der Mixer mit 3,5 Kilogramm ein überaus stattliches Gewicht mit. Dieses ad-hoc-Gefühl von Wertigkeit bleibt auch nach eingehender Qualitätskontrolle erhalten. Die Deckplatte ist sauber mit dem Chassis verschraubt, nirgendwo steht etwas über, ist spitz, scharfkantig oder wirkt krumm. Feuchtigkeit wird aufgrund praktisch nicht vorhandener Spalte ebenfalls keine Chance haben einzudringen. Einzig an den Seiten sind minimale Löcher vorhanden, mutmaßlich um Rack-Ohren anzubringen. Wen sie sorgen, der kann sie abkleben oder mit Kappen oder Schräubchen schließen.

Bei den Anschlüssen gibt sich der Rotary-Zwerg durchaus professionell. Neben einem Cinch-Master- und Record-Out sind getrennt regelbare XLR-Master- und XLR-Booth-Buchsen vorhanden. Entsprechend lässt sich der Zweikanaler auch in Clubs mit langen Übertragungswegen problemlos einsetzen. Eingangsseitig kann man pro Kanal ein Line- sowie ein Phono- oder Line-Signal zuführen. Ob Phono oder Line wird mittels Switch auf der Rückseite festgelegt. Entscheidet man sich für Phono, lässt sich oberhalb der Buchsen noch der Eingangspegel anpassen. Die Anpassung sollte man vor dem Auflegen vornehmen. Ist man erst einmal im Mixingprozess, besteht aufgrund der rückseitig versenkten Stellschräubchen kaum mehr die Möglichkeit – oberseitige Gain-Regler existieren nämlich nicht. Ansonsten sind am Hinterteil noch die Erdungsschrauben sowie ein On-Off-Schalter vorhanden. Die Stromversorgung erfolgt über ein handelsübliches Kaltgerätekabel.

Sonderfunktionen birgt der TRM-202 MK3 nicht – er ist ein analoger Mischer Oldschool-puristischer Prägung. Entsprechend einfach ist die prinzipielle Bedienung, auch wenn Fader-gewohnte DJs erst einmal umdenken müssen. Statt Line-Fader sind Level-Potis vorhanden und ein Crosser fehlt komplett. Der Übergang muss also einzig über die Lautstärken- und Frequenz-Anpassungen gestaltet werden. Bei den Klangmanipulatoren hält sich Omnitronic dabei ziemlich genau an urmütterliche Originale wie den Bozak CMA-10-2DL oder Urei 1620. Innerhalb der Kanalzüge sind lediglich ein Tiefen- und Höhen-EQ vorhanden, um zwei Tracks zu synchronisieren. Die EQs reichen nicht ganz bis zum frequenzauslöschenden „Cut“ hinunter, sondern bewegen sich im Bereich +/- 10 dB. Sowohl beim Vorhören wie auch beim Einblenden bleiben bei bloßer Anwendung der EQs folglich immer Anteile des Mittenbereichs erhalten. Um darüber hinausgehende Klangbearbeitungen zu ermöglichen, wurde jedoch das Mastersignal mit einem Dreiband-Isolator ausgestattet. Bereits die auffällige Größe der Bass-, Mid- und High-Potis weist darauf hin, dass die Isolatoren-Einheit das entscheidende Bearbeitungswerkzeug des TRM-202 MK3 ist. Hierüber lassen sich sehr fein abgestimmte Frequenzüberblendungen und gezielte Akzentuierungen vornehmen, ebenso ist der komplette Kill pro Isolator möglich. Die Übergangsfrequenzen sind bei 300Hz und 4000Hz angesetzt. Auch die DJ-Legenden der 1970er Jahre nutzten übrigens schon eine nachgeschaltete Frequenzbearbeitung. Zwar brachten der Bozak und Urei keine integrierte Iso-Einheit mit. Es wurden jedoch spezielle DJ-Frequenzweichen wie der RLA x3000 angehängt. Dessen Regler erlaubten durch seine stufenlose Bass-, Full- und Tweeter-Ansprache vergleichbare Klangmanipulationen. Die Kombination Rotary-Mixer + DJ Frequenzweiche waren seiner Zeit in allen führenden Discos inklusive des Studio 54 verbaut.

Dass das Rotary-Mixing mit dem TRM so überzeugend gelingt, hat er seinen erstklassigen Potentiometern zu verdanken. Diese sind ihrer jeweiligen Funktion entsprechend in drei Größen gestaffelt und mit unterschiedlichen Drehwiderständen versehen. Sie stammen durch die durch die Bank vom japanischen Premium-Hersteller ALPS und tragen mit ihrer charakteristischen Griffigkeit und dem Silberkopf auch optisch maßgeblich zur Attraktivität des Mischers bei. Wer noch die Vorgängerversion kennt, wird beim TRM-202 MK3 ein grundsätzlich verändertes Layout vorfinden. So ist die Vorhörsektion mit dem Split Cue-Button und Master/Cue-Mix-Regler von der Stirnseite ins untere Zentrum der Faceplate gewandert. Ebenfalls im Mittelstreifen sind die Level-Regler für den Master- und Booth-Ausgang sowie den zuschaltbaren Mikrofoneingang angelegt. Links und rechts begrenzt wird die Sektion von 12-stelligen LED-Ketten, die den Masterpegel post-fade anzeigen. Das neue, vertikal symmetrische Layout weiß nicht nur optisch zu gefallen, es vereinfacht dank der Logik nochmals die Bedienung.

Was das Mixing selbst betrifft, erfordert der Omitronic, wie jeder andere Rotary-Mixer auch, Training. Es ist ein unablässiger Flug beider Hände zwischen den Level-, EQ- und-Isolatoren-Potis, um zwei Tracks über längere Strecken kreativ und fehlerfrei zu verweben. Wer dann noch an zwei Turntables mit dem Beatmatching und Nachregulieren beschäftigt ist, weiß, warum auch das Club-DJing einst als Handwerkskunst galt. Es gibt keinen schnellen Fluchtweg in Form eines Fader-Cuts, verbockte Übergänge liegen schonungslos offen. Ob er sich dann überhaupt für Einsteiger eignet? Wir sagen mal ganz provokant: Er sollte sogar zur Pflicht gemacht werden! Denn er zwingt dazu, das Groovegefühl, die Feinmotorik und das Gehör für klangliche Details zu trainieren. Sofern man denn keine Zuspieler mit Autosync nutzt. Wer als Neuling die Herausforderung mit Turntables annehmen möchte, sollte in jedem Falle gleich hochqualitative Vertreter mit geringer Gleichlaufschwankung wählen.

Apropos Klang und Gehör: Beim Sound darf man den Omnitronic natürlich nicht beispielsweise an einem Rane MP2015 messen. Der Preisunterschied von knapp 2.500 EUR macht sich auch in diesem Punkt bemerkbar. Der TRM-202 MK3 klingt jedoch alles andere als schlecht, er spielt sogar im guten Mittelfeld mit. Vor allem die Isolatoren können restlos überzeugen. Wer mixingtechnisch den Larry machen möchte, ist mit der puristischen Omnitronic-Neuauflage für 449 EUR mehr als fair bedient.

 
Aus dem FAZEmag 080/10.2018

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www.steinigke.de

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