Chainsmokers-1.11.2017-photo credit rory kramer-1119765005

Selten war die Vorfreude auf ein Debütalbum so groß wie bei The Chainsmokers. Das US-amerikanische Duo aus New York hat es geschafft, die EDM-Nische zu verlassen und als universell einsetzbares Projekt zwischen Dance, Trap und Pop zu funktionieren. Und – und das ist wichtig – ohne dabei peinlich zu werden. Andrew Taggart und Alex Pall sind dabei wirklich cool geblieben – ob man das nun sein muss, das muss natürlich jeder Leser selbst beurteilen. Der Grund, die beiden sympathischen DJs nach der Begegnung bei den MICS in Monaco wieder zu treffen, ist das bereits eingangs erwähnte Debütalbum, das diesen Monat – genau am 7. April – via Sony erscheinen wird.  

Gegründet wurden The Chainsmokers 2009, allerdings von Alex Pall – damals Kunststudent – und dem Journalismus-Studenten Rhett Bixler aka Ciga-rhett. Der Name entstand aufgrund der Tatsache, dass Alex zu dem Zeitpunkt starker Raucher war, und da die Domain zur Verfügung stand, griffen sie zu. Nachdem die Ausrichtung von The Chainsmokers vom reinen DJ-Duo zum Projekt mit eigenen Produktionen geändert wurde, verließ Bixler die Kettenraucher und wurde durch Andrew Taggart ersetzt.

Ihr erster Song „Selfie“, den sie auf Steve Aokis Imprint Dim Mak Anfang 2014 releasten, ging mit dem dazu entworfenen Social-Media-Konzept durch die Decke. Weitere Hit-Singles, zahllose umjubelte Festivalauftritte und Abermillionen YouTube-Klicks später erscheint nun endlich das Debüt-Studioalbum „Memories – Do Not Open“.

Euer Debütalbum hört auf den Namen „Memories – Do Not Open“. Welche Erinnerungen habt ihr damit gemeint?

Beim Schreiben der Tracks haben wir uns diesmal sehr von persönlichen Erinnerungen, Erfahrungen sowie spannenden Wendungen in unserem Leben treiben lassen. Somit zeigt das Album auch eine verletzliche Seite von uns und wir hoffen, die Leute können sich damit identifizieren. Bei uns hat sich in den letzten Jahren viel geändert und „Memories – Do Not Open“ ist eine Reflexion und Sammlung dieser Geschehnisse.

Habt ihr von vornherein ein Albumrelease geplant oder ist es aus einer spontanen Eingebung heraus entstanden? Was können eure Fans beim Hören erwarten?

Alles in allem ist es recht organisch entstanden. Die Idee, ein Album zu produzieren, schieben wir schon seit einiger Zeit vor uns her, doch davor mussten dafür zwei Dinge passieren: Erstens mussten sich unsere Fans ein Album von uns wünschen und zweitens sollte das Album um eine bestimmte Idee oder ein Gefühl herum produziert werden. Die Musik, die in den letzten vier Monaten entstanden ist, fühlte sich stimmig für ein Album an, denn sie entstand stets aus einem zentralen Thema und wir hatten das Gefühl, etwas erzählen zu können. Somit waren wir dann schnell im Album-Modus. Beim Hören des Albums kann man einen tiefen Einblick in das, was uns ausmacht, bekommen – in unsere Persönlichkeit, in Dinge, die uns beschäftigen. Wir hoffen sehr, dass sich viele die Zeit nehmen, tief in die Lyrics einzutauchen und sich in den dort erzählten Geschichten zu verlieren.

Ihr beide könnt schon seit geraumer Zeit nicht mehr in eine musikalische Schublade eingeordnet werden. Wo seht ihr euch denn selbst? Wie wichtig ist es euch, einem Genre zugeordnet zu werden?

Das zu hören, freut uns sehr. Für uns gibt es allerdings keinen Grund, uns von einem Genre eingrenzen zu lassen, denn wir machen die Musik, die wir lieben, und lassen die Kritiker und Fans entscheiden, wie sie unsere Tracks einordnen. Zwar brauchen wir in unserer heutigen Gesellschaft Schubladen, aber wir versuchen, uns darüber einfach keine Gedanken zu machen.

Euer Chainsmokers-Projekt konnte überall auf der Welt riesige Erfolge feiern. Was waren für euch die bislang wichtigsten Schritte in eurem Werdegang?

Wenn wir das Geheimnis unseres Erfolges kennen würden, würden wir es natürlich mit euch teilen. Ein riesiger Schritt war für uns der Aufbau eines Teams um uns herum, das uns bei allen Herausforderungen sehr unterstützt. Dieses Team hat einen großen Anteil an unserem Erfolg, denn es gibt nichts Wichtigeres als Menschen, die einen am Boden halten, aber deine Vision mit dir teilen und dir helfen, sie zu verwirklichen.

The Chainsmokers werden auch 2017 wieder auf Tour sein! Wo kann man euch sehen und auf welche Highlights freut ihr euch dieses Jahr besonders? 

Es scheint einfacher, aufzuzählen, worauf wir uns nicht freuen, denn wie es aussieht, wird jeder Tourstop einzigartig und wir werden überall sehr happy sein. Wir freuen uns sehr darauf, unser Album überall mit unseren Fans neu zu erleben.

Welche Künstler beeinflussen euch zurzeit und wer hat euch in der Vergangenheit sehr inspiriert?

Es gibt so viele Künstler, die uns inspiriert haben. In der Vergangenheit waren es Dashboard, Blink 182, David Guetta, Daft Punk, Dr. Dre, Cut Copy und viele andere. Aktuell können wir von Kanye, Drake, Calvin Harris, Metro Boomin, Sylvan Esso oder Khalid nicht genug kriegen.

Wie kommt ihr mit dem Stress, der durch eure Berühmtheit und das Reisen entstanden ist, zurecht?

Darüber versuchen wir so wenig wie möglich nachzudenken. Wir versuchen, unsere Arbeit in kleine Schritte aufzuteilen, und wir können – wie anfangs erwähnt – auf ein großartiges Team zählen, das uns sehr hilft. Außerdem haben wir beide sehr tolle Freundinnen, die uns immer am Boden halten, sodass Starallüren gar nicht erst aufkommen.

Viele Newcomer nehmen sich euch als Vorbild. Welche Tipps habt ihr für junge, aufstrebende Künstler?

Man sollte auf jeden Fall niemals die Leidenschaft an der Musik verlieren, wenn das Business größer wird. Vor allem aber sollte man sich mit Leuten umgeben, die die eigene Leidenschaft und Vision unterstützen und alles dafür geben. Außerdem sollte jeder Künstler wissen, dass Kreativität schnell verfliegen kann und man Wege finden sollte, den Funken auf seine Musik überspringen zu lassen. Ein weiterer Tipp ist wahrscheinlich unsere Soundkarte, die Apogee Duet. Einige Leute werden sich jetzt vielleicht wundern, aber diese Kiste hilft uns immens beim Recorden von Live-Instrumenten und Vocals, wenn wir unterwegs sind. Und wir sind ab und zu schon mal unterwegs.

Von der Idee eines Tracks bis zur finalen Version – wie lange braucht ihr normalerweise?

Für uns entsteht die beste Musik in nur einer Session. Danach ist der Track zwar noch nicht ganz fertig, aber 90 Prozent stehen. Dieser Part der Studioarbeit macht uns sehr viel Spaß, die restlichen zehn Prozent können Monate dauern.

Aus dem FAZEmag 062/04.2017
Text: BeeGee & DJ Sven
Foto: Rory Kramer