So unbeständig wie sein Künstlername es suggerieren mag, ist Wankelmut gar nicht. Bereits zum dritten Mal veröffentlicht der Berliner DJ und Produzent seine DJ-Mix-Compilation „Wankelmoods“, ein Format, das in heutigen Zeiten von Playlisten vielleicht ein wenig „oldschool“ daherkommt. Auf jener versammelt der auf den bürgerlichen Namen hörende Künstler Jacob Dilßner 24 Tracks, die er im vergangenen Jahr gerne in Clubs gespielt hat. Unter anderem sind natürlich auch seine zwei eigenen neuen Stücke mit drauf, die er vergangenes Jahr mit Charlotte OC und Björn Dixgard, Frontmann und Sänger von Mando Diao, veröffentlichte.

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Bei seinen Gigs weltweit hatte Jacob genug Gelegenheit, sie vor Publikum – und auf adäquaten Soundsystemen – zu testen: „Den ‚Almost Mine’-Track mit Charlotte OC habe ich auf der Anlage von Ministry of Sound getestet. Der Mat-Joe-Remix davon lief zum ersten Mal bei der Nature One. Die ‚I Keep Calling’-Single lief zum ersten Mal im Kaufleuten in Zürich beziehungsweise im Zimmer in Mannheim, wenn ich mich richtig erinnere. Für mich ist das sehr wichtig, wenn ich die Tracks vorab auf guten Anlagen hören kann“, erinnert sich Jacob an das letzte Jahr. Auf das er gerne zurückblickt: „Meine Highlights waren die DJ-Gigs in Afrika. Auch in London hat es mir wieder viel Spaß gemacht, vor allem im Ministry of Sound. 2017 habe ich sehr gute Studio- und Produktionspartnerschaften geknüpft. Und auch ansonsten fühle ich mich sauwohl.“

Auch in diesem Jahr hat der Berliner, der 2012 mit seinem Hit „One Day“ die Charts eroberte und ein Jahr später mit „My Head Is A Jungle“ erneut einen Radio-Hit landete, viel vor. Dabei geht Jacob mit seiner Rolle als Produzent und DJ sehr reflektiert um und ist sich dessen bewusst, dass er immer wieder den „Spagat zwischen Club und Radio“ zu meistern versucht. „Das ist auch für 2018 eine Herausforderung. Ich fühle mich ja in beiden Welten sehr wohl und versuche, hier im neuen Jahr auch wieder sehr gute Musik zu präsentieren. Als DJ Wankelmut treffe ich auf die verschiedensten Szenarien und versuche, ihnen gerecht zu werden. Es ist völlig klar, dass ich aufgrund meiner Radio-Hits gerne auch mal in einen etwas kommerzielleren Club gebucht werde, gleichzeitig fühle ich mich aber in Clubs wie Sisyphos oder Watergate sehr wohl. Es wird also weiterhin mein Ziel sein, dass die Besucher eines Wankelmut-Gigs nicht enttäuscht nach Hause gehen. Auf der Produktionsseite geht es nach wie vor darum, sich weiterzuentwickeln, mit spannenden Künstlern zusammen zu arbeiten, auf den richtigen Labels zu veröffentlichen und die Qualität von Musik und Produktion hoch zu halten.“

Mit der Produktion eines klassischen DJ-Mixes setzt Wankelmut jedenfalls ein Zeichen in Zeiten von Streaming- und Downloaddiensten, mit denen sich jeder nach Lust und Laune seinen eigenen Mix erstellen kann. „Die Compilation soll das Wankelmut-DJ-Set für den Clubgänger wiederholbar beziehungsweise nachhörbar machen. Ich versuche, da eine 80 Minuten lange musikalische Reise zu machen mit Titeln, die ich im zurückliegenden halben Jahr gespielt habe. Das soll schon einen eingängigen Fluss haben, der die Zuhörer dazu animiert, dabei zu bleiben.“ Das sind dann Titel wie etwa „Surrender“ von Gerd Janson & Shan, „Infinidad“ von Solee im Martin-Landsky-Remix, „Endor“ von Animal Trainer oder Andre Lodemanns „Birth“ im Adriatique-Remix und „We Are All Stars“ von Tube & Berger. „Ich habe vor den jeweiligen Künstlern größten Respekt, wobei mich zum Beispiel mit Tube & Berger natürlich auch ein persönliches Verhältnis, basierend auf vielen DJ-Gigs, verbindet. Gerd Janson ist als DJ schlicht beeindruckend und ich spiele immer wieder Tracks, die auf seinem Running-Back-Label erschienen sind.“

Schubladendenken ist Jacob, dessen Lieblingswort der deutschen Sprache einmal „Wankelmut“ war und so zu seinem Künstlernamen wurde, fremd. „Für mich ist Wankelmut als Künstler beziehungsweise DJ aufgrund meiner Geschichte der letzten sechs Jahre nicht auf eine Richtung festzumachen. Mein Remix für Asaf Avidan hat sich 3,5 Millionen Mal verkauft, war Nummer 1 der Airplay-Charts und 2012 der ‚Wiesenhit’. Im gleichen Jahr habe ich auf der Timewarp und dem Melt Festival als DJ ein Techno-Set gespielt. Genau das meine ich mit dem Spagat und begrifflich mit ‚wankelmütig’. Das setzt sich bis heute so fort und ich bin auch ganz froh, dass ich in verschiedenen ‚Welten’ aktiv sein kann“, resümiert Jacob, der eine Zeit lang Philosophie studiert hat, dies aber momentan aufgrund seines vollen Kalenders ruhen lässt. „An einem Samstagnachmittag kann man beispielsweise auf 1 Live meine neue Radio-Single hören, während in der Nacht mein Rocker-Guestmix bei Andre Moguai läuft.“
Momentan ist Wankelmut nach seinem ersten Gig in Island gerade auf dem Sprung zu einer kleinen Clubtournee durch Irland. Danach stehen wieder einige Termine in Deutschland, der Schweiz und wieder viele in Großbritannien an.


Aus dem FAZEmag 073/03.218
Text: Csilla Letay
www.wankelmut.com

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