Sie gehören definitiv zu den außergewöhnlichen Acts innerhalb der Hardstyle-Szene. Da Tweekaz, das sind Kenth Kvien und Marcus Nordli aus Norwegen. Die beiden bedienen sich gerne an Titelsongs von Disney oder kreieren Tracks, um ihren Lieblingsgetränken zu huldigen. Sie spielen auf den großen Bühnen der Qlimax, Defqon.1 und der Q-BASE. Ihr Track „Jägermeister“ ging über die Social Media durch die Decke, „Frozen“ aus Disneys „Eiskönigin“ bringt starke Männer zum Singen und mit dem Remix zu „Bring Me To Life“ von Evanescence zeigt das Duo auch seine melodische Seite. Zu Zeiten von 90er-Partys darf natürlich auch ein Remix von „Scatman“ nicht fehlen. Woher ihre Ideen kommen und ob die Kombination aus Disney und alkoholischen Getränken nur Zufall ist, verraten sie uns im Interview.

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Wie geht es euch?

Uns geht es gut, danke! Wir sind sehr beschäftigt, haben eine sehr hektische, aber auch lustige Festivalsaison.

Wie habt ihr euch in Norwegen gefunden?

Wir waren beide DJs in einem völlig anderen Genre. Eigentlich gab es eine ziemliche Rivalität zwischen uns. Die übliche Online-Rivalität, bei der sich alle Teenager übereinander lustig machen. Aber nach einigen ernsthafteren Gesprächen haben wir uns entschlossen, gemeinsam aufzulegen und von dort aus ins Studio zu gehen. Seitdem gehen wir einen gemeinsamen Weg.

Erinnert ihr euch an euren ersten Jägermeister?

Nach unserem ersten Jägermeister erinnern wir uns an nichts mehr! Aber es zeigt, dass wir diesen Drink lieben – und die Fans auch. Man sagt ja: „A Jäger a day keeps the doctor away!“ #drinkresponsibly

Wie seid ihr gerade zu Hardstyle gekommen? Für Norwegen ist das ja ein eher untypisches Genre, oder?

Ja, Hardstyle gab es in Norwegen nur in Nischen. Wir gingen jedes Jahr zur Qlimax, Q-BASE und Defqon.1, zusammen mit einer Handvoll norwegischer Hardstyle-Fans, die auch unsere Freunde sind. Allerdings haben wir in den letzten Jahren ein gewachsenes Interesse an Hardstyle festgestellt, was auch einigen jungen und energischen Promotern zu verdanken ist, die ihr Bestes tun, um dieses Genre nach Norwegen zu bringen.

„Tequila“, „Wodka“ und „Jägermeister“ sind Titel eurer Tracks. Ist Alkohol nur ein Teil des Spiels oder ist das eher ein Gag?

Nun, musikalisch begann es als Gag. Wir haben ein paar Tracks gemacht, nur zum Spaß und um bei einigen Bookings etwas ganz anderes zu machen. Aber nach „Wodka“ ging es einfach los und wir beschlossen, andere Drinks ebenfalls als Tracks zu veröffentlichen. Das sind im Grunde die Getränke, die wir selbst mögen. Besonders Wodka und Jägermeister. Wir sehen uns zwar nicht als Alkoholiker, aber wir Skandinavier mögen es, ein bisschen was zu trinken. Für uns ist es auch eine Möglichkeit, im Studio etwas Dampf abzulassen. Am meisten wird gelacht, wenn wir unsere Alkohol-Themen-Tracks produzieren. Jodeln – beim Track „Jägermeister“ – war bei Weitem das Lustigste, was wir im Hardstyle gemacht haben.

Wie entstand die Idee für den Song „Jägermeister“?

Wir sind große Fans des Getränks. Wir trinken es schon eine ganze Weile auf und abseits der Bühne. Nach den Wodka- und Tequila-Tracks dachten wir, es wäre lustig, eine „Après-Ski“-Themenstrecke mit Jägermeister zu kreieren und sie bei der Qlimax zu veröffentlichen. Eigentlich hat sich unser Management buchstäblich in die Hosen geschissen, als wir sie das hören ließen und ihnen gesagt haben, dass wir das bei Qlimax spielen werden. Die Veranstaltung ist sehr dunkel und ernst – das war also das genaue Gegenteil. Die Leute würden es entweder hassen oder lieben. Zum Glück weiß jeder, wofür wir stehen, und wir stehen definitiv für Spaß! Nach der Qlimax ist der Track förmlich explodiert.

Gibt es jetzt ein lebenslanges Jägermeister-Abo für euch?

Das wäre schön! Vielleicht sollte sich Jägermeister das mal anschauen? *Wink mit dem Zaunpfahl*

Wie kommt ihr immer wieder auf so ungewöhnliche Tracks wie „How Far I’ll Go“ oder „Frozen“? Schaut ihr gerne Disney-Filme?

Ja, wir sind große Fans von Spielen und Disney-Filmen. Wer ist das nicht?! Wir haben den Track „Frozen“ zum Spaß produziert. Dieser Track ist wirklich unerwartet explodiert! Radiostationen und DJs aus anderen Genres spielten ihn. Sobald wir „Frozen“ spielen, rasten die Menschen aus. Es ist toll, so viele Menschen – und Stereotypen wie zum Beispiel Sportler – zu sehen, wie sie die Lieder aus vollem Herzen singen. Seht ihr, unsere Musik ist für alle. Wir sind alle Kinder im Inneren. Just let it go.

Ihr tragt oft Sonnenbrille. Geht ihr damit auch ins Bett? Gibt es bereits eine eigene Kollektion?

Wie alles andere war auch das Tragen einer Sonnenbrille nur etwas, was uns auf der Bühne Spaß gemacht hat – es ist fast wie eine Maske, wie die von Angerfist. Es gibt dem Ganzen etwas leicht Mysteriöses. Die Leute lernten uns als die DJs kennen, die immer eine Sonnenbrille tragen. Also blieben wir dabei. Manchmal hilft es, die Nerven zu beruhigen, wenn man bei einem großen Event nur die ersten zehn Reihen sieht! Es verbirgt auch einen guten Kater. (beide lachen)

Euer Stil ist durchaus besonders. Ist das zufällig passiert oder wolltet ihr auffallen?

Nun, wir hatten nicht wirklich vor, etwas Besonderes zu tun. Wir kommen beide aus dem musikalischen Bereich und sind beide auch wirklich große Fans von Happy Hardcore. Das ist ein ziemlich großer Einfluss, den wir in unsere Musik mitgenommen haben. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis die Leute unsere Musik verstanden haben, aber wir sind froh, dass wir bei dem geblieben sind, was wir als „wir“ empfinden. Wir glauben auch, dass dies geschah, weil wir in Norwegen lebten, als wir anfingen, und wir nicht wirklich von anderen typischen Hardstyle-Tracks beeinflusst wurden. Wir haben einfach Dinge gemacht, die gut klangen, und es war uns egal, ob es den Leuten gefiel oder nicht. Aber wir sind natürlich froh, dass das jetzt der Fall ist.

Norwegen steht mehr für Metal. Wo ist der Hardstyle-Nachwuchs aus eurer Heimat?

Die Hardstyle-Szene in Norwegen ist noch sehr klein, aber das macht uns nichts aus. Wenn wir unsere Spotify-Streaming-Statistiken überprüfen, scheint es, als wäre Norwegen wirklich in unsere Musik verliebt – und wir sind uns nicht sicher, ob diese Hörer Hardstyle-Fans sind oder nur Leute, die über unsere Musik stolpern und sie genießen, ohne vorher nach Hardstyle gesucht zu haben.

Hardtrance, Hardstyle, Happy Hardcore. Wann spielt ihr wieder harten Techno?

Nun, wenn es in unsere Sets passt, wer weiß. Wir überraschen unsere Hörer gerne. Aber wir müssen auch sicherstellen, dass die Hardstyle-Fans das verstehen. Wenn uns etwas gefällt und wir zu dieser Musik tanzen, spielen wir es.

Wie oft seid ihr noch zu Hause in Norwegen? Kreative Pausen nach den ganzen Festivals?

Nicht wirklich oft. Vor allem in der Weihnachtszeit und während des norwegischen Nationalfeiertags – der ist im Mai, und das ist ja eine Art Beginn der Festivalsaison, was es wirklich schwierig macht. Wie auch immer, wir sind beide sehr familiäre Typen. Also, wenn wir Nein sagen müssen zu Bookings wegen einer Hochzeit, eines Geburtstags oder irgendeiner Sache, die mit der Familie zu tun hat, machen wir das. Die Familie steht immer an erster Stelle!

Wann können Fans ein neues Album erwarten?

Wir planen im Moment nicht wirklich ein Album. Aber wer weiß. Wir waren in den letzten Jahren sehr beschäftigt. Wir haben eine Menge neue Musik, die wir noch in diesem Jahr veröffentlichen werden. Aber das Erstellen eines Albums ist sehr zeitaufwendig und wir sind nicht in der luxuriösen Situation, viel freie Zeit für das Studio zu haben. Wenn wir ein Album planen, müssen wir unsere Agenden für ein paar Monate blockieren.

Wann kommt euer eigener Schnaps auf den Markt?

Nun, es gibt Tweekameister und Tweequila und in Chile haben wir Piscola. Aber ein ganz neuer Schnaps wäre schon was, oder?

 

 

Aus dem FAZEmag 079/09.2018
Text: Christian Zercher
Foto: Rossumedia (Michel van Rossum)
www.datweekaz.com

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