Was haben Cocoon-Hereo und lebende DJ-Legende Ricardo Villalobos und das israelische Mastermind Guy Gerber gemeinsam? Richtig, sie haben beide die berühmt-berüchtigte Fabric-Compilation gemixt. Doch nicht nur das. Auch fertigten sie die Kopplungen ausschließlich mit eigenen Produktionen an. Für Guy Gerber stellt die „Fabric 64“ zeitgleich auch die erste Compilation überhaupt dar. Dabei entzückt er bereits seit Jahren die elektronische Szene mit prägnanten Bassdrums, gepaart mit epischen, atmosphärischen Flächen. Auf Cocoon erlebte er u.a. 2006 wahre Glanzstunden, als er mit Landsmann Shlomi Aber die für viele beste EP des Jahres veröffentlichte. „Sea Of Sand“ bewegte sich in der Tat monatelang in der Hot Rotation bei allen wichtigen Künstlern. Auf dem Frankfurter Imprint erschien nur ein Jahr später sein bislang einziges Album „Late Blooms“. Darüber hinaus verbucht Guy Releases auf Visionquest, Cadenza, Bedrock und natürlich seinem eigenen Label Supplement Facts. Für New Order, Azari & III und Dominik Eulberg fertigte er Remixes an. Dies alles sind wohl genug Gründe, um in den elitären Kreis der Fabric-Künstler aufgenommen zu werden.

“Vor ca. zehn Jahren spielte ich das erste Mal in der Fabric. Die Art des Raumes lässt dich viel freier spielen, als in jedem anderen Laden. Für mich hat der Club eines der besten Sound-Systeme überhaupt. Dabei wird er von Leuten betrieben, die wirklich jede Mühe auf sich nehmen, um das beste LineUp aufzustellen – seit Jahren, Woche für Woche. Ich bin stolz darauf, jetzt ein Teil davon zu sein”, erzählt Guy über seine persönliche Verbindung zum Londoner Club, in dem er schon einige Nächte verbracht hat.

Doch statt wie gewöhnlich ein Tracklisting aktueller Favourite-Tracks zusammenzustellen, setzte Gerber den Fokus schlicht und ergreifend auf eigene Produktionen. Ganze 16 neue Nummern hat er dafür fertiggestellt. Darunter befinden sich u.a. Kollaborationen mit der gerade wohl gehyptesten Künstlerin unserer Szene, Wolf+Lamb Akteurin Deniz Kurtel, die dieser Tage ebenfalls ein Album veröffentlichte. Sämtliche Tracks fügen sich in das bislang von Guy bekannte Bild ein – es geht treibend, verträumt und einnehmend zu. Ein Feuerwerk der Emotionen, das wie eine einzige, große Reise klingt. „Ich wollte schon immer ein Album machen, das wie eine lange Komposition klingt. So wie es Steve Reich z.B. mal gemacht hat. Die Fabric 64 war also eine gute Möglichkeit, diese Idee in die Tat umzusetzen. Während der Produktionen haben sich auch bei mir persönlich viele Veränderungen aufgetan, sodass ich jede Emotion in den Sound gepackt habe. Ich würde behaupten, dass es das persönlichste Werk ist, das ich je veröffentlicht habe. Ich habe versucht, den Leuten dort draußen zu zeigen, dass es manchmal nur eine kleine Veränderung einer einzigen Note bedarf, damit sich die gesamte Harmonie verändert. Hoffentlich habe ich das Ziel erreicht (lacht).“

Es ist die Reise von der goldenen Sonne zum silbernen Mond der Dunkelheit, bei der sich Guy Gerber immer wieder als wahre Koryphäe erweist. Und diese hat er hier vom Dancefloor auf eine einzige Datei, eine einzige CD gepackt. Somit erübrigt sich die Frage nach einem kommenden Album oder weiteren Releases in den nächsten Wochen. „Für mich war dies definitiv ein Artistalbum, sodass ich mich die kommenden Wochen mit dem Reisen beschäftigen und den Sommer genießen werde. Da ich auf meinem Label aber ständig Output habe, erscheint jetzt bald noch ein Feature mit dOP und ein Track mit Clarion North von Footprintz06. Außerdem wird eine 5-Track-EP von sonodab geben, einem sehr talentierten Newcomer aus Spanien.“

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