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Weltstadt mit Hertz – Mixcon Munich am 29. Januar 2017

München wird endlich wieder zur Weltstadt mit Hertz. Am Sonntag, den 29. Januar 2017, wird im dortigen Postpalast erstmals die DJ-Messe MixCon ausgetragen. Initiiert von den DJs und Veranstaltern Bernd Closmann, Jens Witzig, Jo Kraus, Stoyan Velkov und dem Münchner Event-Tausendsassa Otgar Holleschek, könnte sich das Event zu einem neuen Szene-Treffpunkt im diesbezüglich ausgehungerten Deutschland entwickeln. Das Konzept ist überzeugend. Wir haben den Mitgründer Bernd Closmann zum Interview getroffen.

Was war die Initialzündung für die Ausrichtung einer eigenen Messe?

Wir waren in den letzten zwei Jahren auf der Musikmesse in Frankfurt und enttäuscht darüber, wie stiefmütterlich der DJ-Bereich behandelt wurde. Das kam uns alles so lieblos vor, auch die Hallenatmosphäre hat uns gar nicht zugesagt. Ein Rahmenproramm wurde ebenfalls kaum geboten. Ich selbst habe ja ebenfalls schon Messen betreut, wenn auch in anderen Bereichen, aber sogar da war das Feeling komplett anders. Anschließend haben wir noch geschaut, wo es in Deutschland etwas Ähnliches für DJs gibt, aber da war nichts. Das war für uns der Anlass, selbst etwas auf die Beine zu stellen.
Viel ist in Deutschland tatsächlich nicht geblieben. Das DJ-Meeting im Ruhrgebiet war mal so ein Szene-Treffpunkt. Und vielleicht noch die Disco Contact, obwohl die im Kern eine Veranstalter-Ausrichtung hat.
In diesem Jahr gab es dann noch einen neuen Versuch in Oberhausen, der uns die Planung so richtig schwer gemacht hat.

Ach, du meinst den DJ Congress. Wieso schwer gemacht? Der wurde doch gecancelt.

Deshalb ja. Wir sind extra hochgeflogen und standen dann dort vor verschlossenen Türen, weil wir gar nicht mitbekommen hatten, dass der Congress am Abend zuvor abgesagt wurde. Das betraf natürlich auch die Aussteller, die Geld und Zeit in eine Nullnummer investiert hatten. Nach so einer negativen Erfahrung ist es natürlich extrem schwierig, sie zu einer Teilnahme an einer weiteren neuen Messe zu bewegen.

Würdest du die Mixcon denn als regionale Messe ansehen? Die Artists und Speaker scheinen durch die Bank Mainlinie abwärts beheimatet zu sein.

Nein, wir sind international ausgerichtet. Interesse besteht bis nach Österreich. Allerdings ist es so, dass man zunächst mit einem gewissen Netzwerk an Künstlern und Freunden startet, die man kennt. Und die befinden sich bei uns naturgemäß eher im süddeutschen Raum. Zumal das Startbudget gar nicht ausreichen würde, um Szenegrößen aus allen Teilen Deutschlands oder der Welt zu buchen.

Erläutere uns doch ein bisschen das Mixcon-Konzept.

Wir haben neben der Messe mit DJ- und Producer-Technik ein sehr großes Angebot an Tutorials und Panels mit bekannten Referenten. Dabei werden wir mindestens zwei Räume parallel laufen lassen. In dem einen findet DJ- und Producer-Handwerkliches statt. In dem anderen werden generelle Themen wie GEMA, Selbstvermarktung oder Agentur- und Labelkontakt behandelt. Hinzu kommt ein buntes Rahmenprogramm mit Live-DJing und -VJing, Street Art und Street Dance oder auch Live-Tattooing. Starten wird die Mixcon mit einer Warm-up-Party, die nach heutigem Stand wohl im Neuraum stattfinden wird, da wir die Jungs sehr gut kennen. Zum Abschluss zünden wir eine Afterparty in der nahen Milchbar, unter anderem mit DJ Tonka.

Ein dickes Programm. Warum nur einen Tag?

Buchen mussten wir den Postpalast ohnehin für das gesamte Wochenende – daran hat es also nicht gelegen. Unsere Überlegung war: Wann haben DJs frei? Wenn, dann am Sonntag. Und am Montag gehen dann viele DJs wieder einer regulären Arbeit nach.

Habt ihr eine bestimmte DJ-Zielgruppe?

Nein, auch da sind wir bewusst breit aufgestellt. Egal, ob man Hochzeits-, Schlager-, Electro- oder Hip-Hop-DJ ist – alle sind herzlich willkommen. Gleiches gilt für das Level: Vom Einsteiger bis zum Profi wird bei den Tools und Panels für jeden etwas dabei sein. Wir bilden Grundtechniken ebenso ab wie Zukunftstechnologien.

Der stilistische Spagat scheint euch am Herzen zu liegen.

Ja, wir werden die Veranstaltung auch unter eine Art „Unite“-Motto stellen. Uns ist insbesondere nach den kürzlich ausgetragenen „Munich Nighlife Awards“ wieder aufgefallen, wie heterogen die DJ-Szene ist. Jeder denkt ja irgendwie, er sei der Beste. Der Club-DJ glaubt, er sei etwas Besseres als der Hochzeits-DJ. Der Underground-DJ glaubt, er sei kredibiler als der Club-DJ. Und der Hochzeits-DJ glaubt, er sei der einzig wahre DJ, weil er nur das spielt, was die Leute hören wollen. Nach den Awards gab es wieder eine endlose Diskussion auf Facebook. Die Mixcon wird deshalb versuchen, die Leute näher zusammenzubringen. Weniger Gehate, dafür mehr gegenseitiges Verständnis durch Kommunikation.

Das ist die uralte Diskussion, ob ein DJ nun Künstler oder Dienstleister zu sein hat.

Eigentlich ist sie ja auch unsinnig, weil der Markt so groß ist und die einzelnen Szenen sich ja gegenseitig nichts wegnehmen. Der Hochzeits-DJ hat ja gar nicht den Anspruch und das Interesse, plötzlich im Club aufzulegen.

Wie weit geht ihr in den Bereich Musikproduktion hinein?

Wir zeigen alles, was für DJs noch relevant ist. Native Instruments, Ableton, klassische DAWs, Home-Monitoring und bis zu einem gewissen Grad auch Hardware-Klangerzeuger. Wir sind aber nicht die Messe für abgefahrene Modular-Synthesizer wie beispielsweise die Superbooth in Berlin.

Erzähl noch etwas zur Location Postpalast.

Das ist ein historischer Rundbau nahe der Hackerbrücke mit wunderschöner Glaskuppel, die heute für Events wie Messen, Filmpremieren, Konzerte oder Ausstellungen genutzt wird. Mit einer Hauptfläche von 3000 Quadratmetern und einigen Nebenräumen sowie der Anbindung an den wenige Minuten entfernten Hauptbahnhof ist er ideal für unser Vorhaben.

Mit wie vielen Besuchern rechnet ihr?

Zum Einstand mit etwa 1.500 bis 2.000.

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Mixcon-DJs und -Speakers bislang (Stand November 2016)
Niels van Gogh (DJ, Producer)
Chico Chiquita (DJ, Producer, Label Manager 120dB Records, Sunshine Live)
Premeson (DJ, Producer, A&R Ionic Records)
Dennis Bohn (DJ, Producer Brooklyn Bounce, Label Owner Mental Madness)
Stephan Amount (DJ, Producer)
Martin Unger (DJ, Producer)
DJ Tonka (DJ, Producer)
Tom Novy (DJ, Producer)
Mehli Celik (One Family Music Management)
Ferdinand Weber (DJ, Producer)
Bernhard Fleischmann (DJ, Moderator Bayern 3)
Sebastian Schäch (Producer, DJ, EHC Red Bull München, DFB)
Richard Distler (Head of Booking Neuraum)
Sandy Dae (DJane, Producer)
DJ Muc Mike (DJ, Singer)
DJ Romeo (DJ, Producer, Veranstalter)
Balu da Houseclasher (DJ, Producer)

Panel-/Tutorial-Themen (Auszug, Stand November 2016)
– Das Leben am Limit(er)
– Gesprächsrunde zum Thema „roter Bereich“, Limiter und Clipping. Was passiert da und warum?
– Das Gespenst der Branche – Der Ghost-Producer
– Macht das nicht jeder? – Erfahrungsberichte von Usern, die Sicht des Produzenten, Nutzen vs. Nachteile von Ghost-Producing.
– Ich hab’s versampelt
Wer sind eigentlich diese Samples? Was hat das mit Urheberrecht am Hut? Warum darf zum Beispiel Robin Schulz so was und wie macht man das richtig?
– GEMA, GLV, Musikverlage – ist mir doch alles egal
Was bedeutet Nutzungsrecht, was ist die Idee dahinter und wie sieht das der Gesetzgeber?
– WAV vs. MP3 – und wer war noch mal dieser STEMS?
So viele Audioformate, so viele Pros und Contras. Wer soll sich denn da noch auskennen? Wann ist welches Speicherformat angebracht und wer sollte es verwenden?
– DJ-Talk
– Gesprächsrunde zu kontroversen Themen wie: • Laptop-DJ • Betrunken auflegen • DJs und Drogen • Serato, Traktor oder Rekordbox • Vinyl oder digital • Was muss ein DJ (Newcomer) heutzutage können
– Was für ein DJ bist du denn eigentlich?
Ein Überblick über die verschiedenen Bereiche des DJings. Vom Radio-DJ über Apres-Ski- und Tanzschulen-DJ bis hin zum Club- und Festival-DJ. Schwergewichte aus den verschiedenen Bereichen berichten über ihren DJ-Alltag und die Vor- und Nachteile des Jobs.
– Warum signt mich niemand?
– Nicht nur Newcomer stellen sich oft die Frage: Was haben andere, was ich nicht habe? Diskussion über Plattenverträge, Bookingagenturen und den richtigen Weg dorthin.
– Whoomp, there I am! – Selbstvermarktung als DJ
– Ist es heute unverzichtbar, auf Facebook, Instagram oder in der Regenbogenpresse präsent zu sein? Und wenn dem so ist, was muss ich unternehmen, um hier erfolgreich zu sein? Wir stellen ein paar Tipps und Tricks vor.
– DJ Pools Pools
Was ist das? Wie komme ich da rein? Ist das ein Mehrwert? Wie war das früher? Und wo geht die Reise hin?

Mixcon Munich
29. Januar 2017
Postpalast, Wredestraße 10, 80335 München
Ticketpreise
VIP MIXCON Paket: 30 EUR
Zugang zur Pre-Party am Samstag, 28.01.2017, im Postpalast & MIXCON & Afterparty in der Milchbar
MIXCON Ticket Standard: 20 EUR
Zugang zur MIXCON & Afterparty in der Milchbar
U18/Schüler MIXCON Ticket: 10 EUR
Zugang zur MIXCON (Ohne Schülerausweis/Ausweis kein Einlass!)
www.mixcon-munich.de