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Die Brüder Lars Rühlemann und Sven Fröhlich aus Halle zierten im November unser Frontcover. Zweifelsohne verdient, veröffentlichten sie nach unzähligen gefeierten EPs auf Labels wie Kompakt, Minus, Suara, Bedrock, Monaberry, Magik Muzik, Plattenbank, Solar Distance und natürlich ihrem eigenen Imprint Hommage am 27. Oktober ihren zweiten Langspieler. Mit dessen Titel „Odyssey“ beschreiben sie ziemlich genau ihre Entwicklung der letzten fünf Jahre, also seit der Veröffentlichung ihres ersten Albums. In der Zwischenzeit ist eine Menge passiert: DJ-Gigs auf Festivals wie Time Warp oder Awakenings, Remixe von beziehungsweise für Marc Houle, Kölsch, Wolf+Lamb, Guy Gerber, Josh Wink und Moby. Monkey Safari haben sich im Laufe der Zeit international ein erstklassiges Renommee erarbeitet, sodass es für uns eine Ehre ist, dass die beiden Herrschaften – die in ihrer Heimatstadt den in der gesamten Republik bekannten Club Charles Bronson führen – in diesem Monat auch für den offiziellen FAZEmag Download-Mix verantwortlich zeichnen. Ein Interview.

Jungs, der Winter steht vor der Tür. Wie geht es euch und wie war das Jahr 2017 bislang für euch?

Lars: Unheimlich arbeitsintensiv. Bis zum Sommer haben wir das komplette Album fertiggestellt und haben daher neben dem Touren allgemein sehr viel Zeit im Studio verbracht. Dadurch fällt jetzt so eine Art Last ab – Prozesse stehen an, bei denen nicht mehr allzu viel Arbeit investiert werden muss.

Sven: Wir waren sehr viel in Nord- und Südamerika unterwegs und hatten trotz der vielen Baustellen und dem anstrengenden Reisen ein tolles Jahr. Und selbst das ist ja noch nicht vorbei, es stehen noch Reisen nach Australien und viele mehr an. Darüber hinaus sind wir ja permanent mit unserem Club hier in Halle beschäftigt, dazu kommt die ganze Label-Arbeit.

Das klingt nach Stress. Erst mal Glückwunsch zum Album – im Prinzip euer zweites nach „Happy Body Music“ im Jahr 2012. Wie fühlt sich das an?

Sven: Es fühlt sich sehr gut an – der Titel „Odyssey“ beschreibt den Weg zum jetzigen Resultat ziemlich genau. Es war ein langer Prozess, zumal wir ursprünglich bereits 2014 ein Album herausbringen wollten. In der Zeit seit 2012 haben wir wahrscheinlich drei oder sogar vier Alben fertiggestellt. Ganz am Anfang hatten wir die Idee, ein Listening-Album zu machen, abseits des Clubs. So wirklich zufrieden waren wir damit aber leider nicht und sind dann auch zu dem recht einfachen, aber wichtigen Entschluss gekommen, dass wir als Künstler im Club stattfinden und nicht im Wohnzimmer von irgendjemandem. Daraufhin haben wir den Fokus wieder auf ein reines Club-Album gelegt. Wir haben Skizzen fertiggemacht, die Sachen im Club getestet und diesen Arbeitsweg für nahezu jeden Titel beibehalten.

Lars: Das Album selbst mit seinen elf Tracks bedient dabei aber nicht ausschließlich die Primetime. Es wird ein Bogen gespannt, wie wir ihn bei einem klassischen Club-Abend ebenfalls spannen könnten – wir spielen ja sehr gerne lange bzw. all night long.

Wie geht man – mit dem Erfolg der letzten Jahre im Rücken – an so ein Follow-up heran? Hat man Respekt vor einer gewissen Erwartungshaltung der Fans?

Lars: Wir haben uns in den vergangenen Jahren doch sehr stark musikalisch entwickelt und verändert – nicht nur hinsichtlich unserer Sets, sondern auch der Produktionen. Während wir beim ersten Album fast gänzlich ohne große Gedanken an die Sache herangegangen sind, steckt nun viel mehr Konzept dahinter. Wir haben versucht, eine runde Sache zu machen und zu jedem Titel auch eine Art Gegenstück zu erzeugen. Da ist im Vorfeld schon viel mehr passiert als beim Debüt 2012. Wir haben uns Fragen gestellt wie „Wo möchten wir hin?“, „Welche Stimmung möchten wir erzeugen?“ und Ähnliches. Der gesamte Prozess hat sich bei uns verändert. Damals haben wir auch noch viel mehr samplebasiert gearbeitet, während nun fast ausschließlich analoge Hardware benutzt wurde, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hat. Dadurch haben wir es unserer Meinung nach geschafft, auch einen charakteristischeren Sound zu haben. Das war sicherlich unser größter Anspruch.

Sven: Dadurch haben Erwartungshaltungen und sämtliche Parameter von außen eigentlich keine Rolle gespielt. Ich finde auch, dass die meisten Erwartungen die Musiker an sich selbst haben, da sie die Dinge aus mehreren Perspektiven sehen. Das Feedback bis jetzt war phänomenal, besonders von befreundeten Künstlern mit den verschiedensten musikalischen Hintergründen. Und das macht uns natürlich stolz. Daher hatten wir keine Gedanken wie Angst oder so.

Ihr habt auf zahlreichen Labels veröffentlicht, 2015 dann eine Art Cut gemacht, um euch auf Hommage zu konzentrieren. Für euch das Jahr des Wandels. Was genau ist da passiert und wie habt ihr die Zeit seitdem erlebt?

Lars: Nun ja, wir kommen nicht wirklich aus einer musikalischen Familie oder haben starke Wurzeln in dieser Richtung. Als wir dann irgendwann angefangen haben, unsere eigene Musik zu machen, war das sehr viel mit „versuchen, probieren und austoben“ verbunden. Man hat natürlich auch viel mehr auf andere Leute, aktuelle Trends und verschiedene Parameter von außen geschaut.

Sven: Wenn man dann auf vielen verschiedenen Labels releast, die jeweils für einen bestimmten Sound stehen, lehnt man sich dementsprechend irgendwie daran an. Wir für uns haben diesen Sound irgendwann nicht mehr gefühlt. Damit war klar, dass wir unsere eigene Basis brauchten, wo wir vollends frei agieren können. Ohne die Meinung Dritter. Das hat unserer Entwicklung einen enormen Push gegeben, unser Sound hat sich seitdem stark verändert und wir können uns künstlerisch auch stärker ausdrücken.

Das neue Album ist vermehrt mit analoger Hardware produziert worden. War dieser Wandel im Studio auch ein Teil dieses Prozesses?

Lars: Definitiv. Im Studio versuchen wir immer wieder, neue Ansätze zu finden, damit keine Stagnation eintritt. Und im analogen Bereich ist es ja gerade das Spannende, mit Geräten zu arbeiten, die man vielleicht noch gar nicht zu 100 Prozent versteht. Das trägt somit einen ungemein spielerischen und zufälligen Charakter – das spielt bei uns eine große Rolle, weil dadurch viele neue und gute Dinge entstehen. Viele Elemente auf dem neuen Album sind tatsächlich aus einem freien Jammen entstanden. Im Studio war es bislang eigentlich so, dass ich die meiste Zeit dort verbracht und so vor mich hin „generdet“ habe, wobei viele Skizzen entstanden sind. Beim ersten Album ist so fast alles aus meiner Feder entstanden und Sven hat immer mal wieder seine Meinung dazugegeben. Mit unserer Entwicklung der letzten Zeit jedoch hat sich das alles viel mehr zusammengefügt, wir haben noch nie so viel zusammen ausgetüftelt. Somit ist dieses Album im Prinzip das erste Werk, das zu gleichen Teilen aus beiden Köpfen entstanden ist.

Welche Tools habt ihr während der Produktion besonders oft und gerne genutzt?

Lars: Ich persönlich kann den Nord Lead 4 empfehlen. Es ist nicht zu fassen, wie viel man aus dieser Kiste herausbekommt. Vieles auf dem Album stammt davon. Vor Kurzem haben wir den Roland RP-8000 entdeckt, etwas oldschooliger im Sound – schöner, klassischer Trance-Sound inklusive. In Sachen Plugins schwöre ich auf sämtliche Fabfilter-Sachen, besonders den Equalizer. Hannes Bieger, mit dem wir sehr viel zusammen machen, hat uns darauf gebracht.

Der Studioprozess für „Odyssey“ war ein langer. Zunächst habt ihr Musik gehört und euch inspirieren lassen – wie verlief dieser Prozess?

Sven: Bei beziehungsweise nach den Überlegungen, ein eher für das Wohnzimmer geeignetes Album zu machen, haben wir – wie bereits erwähnt – gefühlt mehrere Alben in diverse Richtungen gemacht. Dabei fanden sogar Studio-Sessions mit befreundeten Künstlern aus dem klassischen Bereich statt, mit unzähligen Instrumenten. Das war cool, aber dennoch waren wir irgendwie entfernt davon. Am Ende entwickeln wir uns von Gig zu Gig und wir werden stark vom Clubgeschehen geprägt. Demnach waren diese Sessions zu konträr zu dem, was allgegenwärtig bei uns passierte.

Lars: Unsere Sets wurden immer intensiver und energetischer – daher mussten wir ohne Zweifel im Studio gleichziehen. Natürlich haben wir im Laufe der Zeit sehr viele EPs veröffentlicht und dadurch auch eine logische Entwicklung erschaffen. Der Fokus lag aber während der gesamten Zeit auf dem Longplayer. Man könnte das Album auch gerne als Zeitreise ansehen, zumal viele der darauf vertretenen Ideen aus dieser Zeit des Umbruchs bei uns stammen. Authentizität ist für uns sehr wichtig. Ich finde, ein Künstler sollte zu jedem Zeitpunkt ein Stück weit hinterfragen, ob er das jetzt tut, weil das irgendwie gut passt und irgendeinen Ertrag bringt oder weil er voll und ganz dahinter steht, egal, ob der Erfolg schlussendlich eintritt.

Konntet ihr in euren Augen also noch nie so authentisch sein wie jetzt?

Sven: Das könnte man ruhig so sagen, ja. Zumal es auch einfach mühselig ist, wenn man während des DJ-Sets nach uralten Schinken gefragt wird, die drei bis fünf Jahre zurückliegen. Da spürt man dann deutlich, welche Schnittmenge man aktuell mit dem Publikum hat. Das hat uns zu denken gegeben, sodass uns diese Wahrhaftigkeit und Echtheit nun so wichtig ist wie noch nie zuvor.

Lars: Das ist natürlich eine Gratwanderung; man sollte im Auge behalten, den Hörer nicht komplett zu verschrecken oder gar zu überfordern. Würden wir jetzt auf einmal total auf Country abfahren und dann Country im Studio produzieren, wäre das wohl zu viel des Guten. Nur weil wir The xx und Massive Attack toll finden, heißt es nicht, dass wir das nun in unseren Sound mit aufnehmen müssen. Eine Mischung aus allen Inspirationen macht es aus, was zu unserem Sound beiträgt. Vor diesem Schritt, uns von sämtlichen Fesseln zu lösen, hatten wir das Gefühl, dass unser Artist-Profil auch recht schwer greifbar war. Eine Art Potpourri der guten Laune, ohne aber genau definierbar zu sein.

Der Begriff „Odyssey“ ist ja erst mal eher negativ behaftet. Wie ist das bei euch?

Lars: Unsere Empfindung, die wir mit dem Namen verbinden, ist die einer langen und beschwerlichen Reise.

Sven: Was man als Nach-, aber auch als Vorteil sehen kann. Das Positivste bei einer Odyssee ist ja sicherlich das Ankommen. Wenn alles einfach und ohne Umwege von der Hand gehen würde, könnte man das Endprodukt wahrscheinlich gar nicht so genießen wie dann, wenn man sich das Resultat hart erarbeitet hat. Und „erarbeiten“ trifft den Nagel definitiv auf den Kopf bei diesem Album. Auch wenn der Begriff „Selbstfindung“ etwas hochtragend klingt, macht er durchaus Sinn.

Lars: Aus dem Grund verbinden wir eher was Positives mit dem Titel.

Das Album-Cover zeigt eine Verschmelzung euer beider Gesichter. Inwieweit spiegelt das eure Zusammenarbeit?

Lars: Allein aufgrund der Tatsache, dass wir Brüder sind, haben wir ja schon eine besondere Verbindung zueinander. Hinzukommend, dass wir nun enger denn je kollaboriert haben, war die Umsetzung des Covers eine sehr passende und naheliegende Variante, dem ganzen Ausdruck zu verleihen.

Sven: Darüber hinaus muss man ja schon sagen, dass der ganze Zirkus, in dem man sich permanent bewegt, auch sehr stressig werden kann. Wahrscheinlich können viele Duos davon ein Lied singen, wie es ist, wenn man sich mal auf die Nerven geht, weil man unentwegt mehr Zeit mit seinem Partner verbringt als mit seiner Freundin. Es überwiegen natürlich ohne jeden Zweifel die Vorteile, weil man sich gegenseitig vorantreiben kann. Die emotionalen Anforderungen an jeden Einzelnen, wenn man so etwas gemeinsam macht, sind aber oftmals nicht gerade klein. Man fängt ja aus dem Spaß an der Freude ein Projekt an, wenn es dann aber stressig, im besten Fall erfolgreich und mehr wird, gibt es auch Momente, in denen das Ego mal zurückgefahren werden muss.

Lars: Es entstehen einige Mechanismen, infolge derer man nicht unbedingt seinen Willen durchdrücken muss und einen Umgang mit dem anderen findet. Großer Bonus ist bei uns natürlich, dass wir uns eh schon von klein auf kennen. Bei vielen fängt das Projekt ja erst mit einer Begegnung im Club oder durch das Leben in der gleichen Stadt an, wo man sein Gegenüber dann vielleicht noch nicht in solchen Situationen kennt. Wir wussten also von vornherein, worauf wir uns einlassen. Auch wenn bei uns selbstverständlich die Fetzen fliegen. Im Grunde kommt es aber nur darauf an, am Ende auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Um des Hausfriedens willen (lacht).

Sven: Das sind Momente, wo man zwar die Faust ballt, aber dann auf die Weisheit seines älteren Bruders vertraut (lacht).

Seid ihr euch beim Thema Album-Remixe einig geworden?

Sven: Ja, 2018 werden definitiv Remixe erscheinen – da können wir aber aktuell noch keine genaueren Details verraten. Ihr kennt das Spiel… (lacht)

Musik-Videos spielen bei euch eine große Rolle, zuletzt bei „Cranes“. Was können wir für das Album erwarten?

Sven: Bislang sind wir damit recht stiefmütterlich umgegangen. Neben den ganzen Projekten, die wir aktuell am Laufen haben, besitzen wir seit einigen Jahren ein Grundstück, wo wir bald alle gemeinsam hinziehen möchten. Dort, auf diesem Gelände, in Lars‘ zukünftigem Wohnzimmer bzw. Küche, ist damals das Video zu „Cranes“ entstanden. Seit locker zwei Jahren bauen wir da in jeder freien Minute, haben mit ganz klassischen Sachen wie Entkernung etc. zu tun, sodass die Sache mit den Videos noch nicht ganz auf dem gewünschten Level ist.

Lars: Am Wochenende DJs, unter der Woche Bauarbeiter. Aber gegen Ende des Jahres sollte das Projekt dann auch abgeschlossen sein, sodass dann mehr Luft bleibt. Bei uns bräuchte der Tag auch gerne mal 48 Stunden. Club, Label, Haus, Privatleben – mit zwei Kindern bei Sven –, da kommt einiges zusammen.

Apropos Label. Was ist da in nächster Zeit geplant?

Sven: Wir haben sehr gute, potente und talentierte Jungs aus Kiel kennengelernt. Sie heißen Avidus und werden die nächste Single bei uns veröffentlichen, wahrscheinlich im Dezember, ein Remix von uns und Marino Canal inklusive. Die Jungs haben Bock, wir haben Bock und generell ist das eine gute Voraussetzung, um zusammenzuarbeiten. Karl Friedrich, mit dem wir das Label gemeinsam machen, ist, wie wir finden, recht potent in der Ideen-Findung, aber sehr langsam in der Umsetzung. Von ihm wird nächstes Jahr auch etwas kommen. Generell sind wir auch offen für neue Demos, auch wenn wir bereits jeden Tag sehr viele Sachen bekommen. Da wird man aber recht fix auf den Boden der Tatsachen geholt. Deshalb gerne her mit gutem Material.

Als wäre das alles noch nicht genug, führt ihr mit dem Charles Bronson in Halle auch euren eigenen Club.

Sven: Wir machen den Club seit mittlerweile acht Jahren. Ähnlich wie der Album-Prozess ist auch seitdem der Club für uns eine Art Odyssee. Oder auch gerne Hassliebe, wenn man es so nennen möchte. In Deutschland wird ja gerne und oft über Club-Sterben gesprochen. In einer Stadt wie Halle mit rund 250 000 Einwohnern ist es natürlich nicht ganz so einfach, einen Club zu führen, der den Anspruch hat, auch internationale Bookings zu machen. Hinzu kommt, dass Halle auch eine Studenten-Stadt ist. Was dann natürlich die Kalkulation oftmals nicht so einfach macht, weil Studenten ja nicht gerade sehr viel Geld haben. Das bedeutet für uns, dass man da immer wieder sehr kreativ werden muss. Das kann zum Beispiel so aussehen, dass man mit befreundeten Künstlern Gespräche führt und besondere Deals findet. So wie mit Mathias Kaden, der ja die Muna macht. Dort haben wir vor zwei Jahren zu Weihnachten gespielt, dafür kam er dann nach Halle. In all diesen Jahren haben wir tatsächlich nie einen Cent aus dem Laden gezogen, weil das auch nie unser Ziel war.

Lars: Wenn etwas übrig geblieben ist, dann wurde der Ertrag direkt wieder investiert in Akustik, Raum etc. Man kann also nicht behaupten, dass der Club so etwas wie unser zweites Standbein ist. Man sieht es ja in der ganzen Republik – so viele kleine Clubs haben große Probleme, am Leben zu bleiben. Aber es gibt so tolle Momente an diesem Ort, dass man dann abends oft weiß, warum man sich diesen Stress antut. Und genau das ist seit 2009 unser Antrieb. Zeitlich steht es in keinem Verhältnis, aber die Passion ist wichtiger als all das andere. Wir sind hier in der Stadt geboren, leben immer noch hier und haben den Club auch aufgebaut, um Nachwuchs zu fördern und ihm eine Plattform zu bieten. Wir haben noch nie einen Act gebucht, der uns nicht zugesagt hat, von dem wir aber wussten, dass er den Laden voll macht. Wir können nachvollziehen, dass das für viele Clubs notwendig ist, aber bei uns ist das zum Glück nicht der Fall. Musikalisch standen und stehen wir immer dahinter.

Sven: Wir sind auch ganz bewusst hier geblieben, um den Leuten zu zeigen, dass man auch von hier aus Erfolg haben kann und nicht zwangsläufig nach Berlin oder sonst wohin muss. Man kann auch zu Hause gute Arbeit leisten.

Lars: Ein Freund von uns, mit dem wir den Laden gemeinsam betreiben, kümmert sich um die gastronomischen Angelegenheiten. Darüber hinaus haben wir einige externe Veranstalter, deren Konzepte wir mit ihnen besprechen. Aber selbst machen wir das Booking natürlich auch oft.

Sven: Gelegentlich wechselt man aber auch mal einen Klo-Deckel, wenn es sein muss.

Wenn wir schon beim Thema Club und Dancefloor sind: Euer Credo lautet stets „Sending sunny vibes to make even the darkest dance floors smile“. Welcher war auf Anhieb der sonnigste und welcher der dunkelste Floor bislang?

Lars: Vor zehn Wochen ungefähr haben wir in Toronto auf einem 3-Mast-Segelschiff gespielt. Das Wetter hat mitgespielt, die Sonne ging während unseres Sets unter und die Party hat sich zu einer der besten in diesem Jahr entwickelt. Der Vibe auf diesem Schiff war unglaublich, von der ersten bis zur letzten Minute. Gleiches auch beim Closing von „La Terrazza“ in Barcelona, ebenfalls unter freiem Himmel. Generell finden wir Open-Air-Veranstaltungen sehr gut. Ziemlich düster sah es hingegen im Sommer in Rumänien aus.

Sven: Wir haben auf dem gleichen Gelände gespielt, wo auch das Sunwaves-Festival stattfindet. Das war für uns ein Grund, warum wir den Gig zugesagt haben. Strand, Rumänien, kann nur cool werden. Dann waren wir dort – und ungefähr zehn andere Leute. Auf der Bühne noch zwei, drei richtig schlechte Go-gos, ein Feuerspucker und ein Perkussionist, der uns hart genervt hat. Ein Sammelsurium aus Kuriositäten. Die Promoterin: eine sehr große, aus Silikon geformte Persönlichkeit, die quasi das i-Tüpfelchen war.

Lars: Am nächsten Tag haben wir dann etwas weiter weg in den Bergen gespielt, und das hat alles wieder vergessen gemacht. Bei einem Gletscher-See auf einer Terrasse, die in einen der Gletscher gebaut wurde. 1500 Leute auf einem Podest, das auf dem Wasser schwebt – eine einmalige Kulisse. Rumänien kann also. (lacht)

Aus dem FAZEmag 069/11.2017

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