Yotto … Wer ist denn gleich noch mal Yotto? Irgendwie kam mir der Name bekannt vor, als die E-Mail reinkam, ich dürfe mit ihm ein Interview machen. Nachdem ich die Zahnräder meiner grauen Zellen angekurbelt hatte, führte mich der Weg zum CD-Regal – noch bevor ich den Namen gegoogelt hatte. Und bei den knapp 2000 CDs sagte mir meine innere Stimme: „Check mal bei Anjunadeep.” Fündig geworden. Anjunadeep, Vol. 07, mixed by James Grant & Jody Wisternoff, Disk 1, Track 15: Yotto feat. CAPS mit „Wondering”. Das war 2015.

Yotto - Photo Credit - Tuukka Ervasti5

 

2018: Otto Yliperttula alias Yotto hat ein neues Album in der Pipeline. Klar, ein Release auf Anjunadeep. Denn sein Sound drückt dem Label rund um die Owner Above & Beyond den perfekten Stempel auf. Yottos Tracks sind deep, dark, klingen teils mystisch, atmosphärisch, in jedem Fall synthie-orientiert, mal mit Vocal-Lines, mal ohne. Kein Schnickschnack in den Produktionen. Kein Firlefanz in den zwei- bis achtminütigen Titeln – und doch sticht jeder Track aus der großen, breiten Masse an Trance- und House-Veröffentlichungen durch seine Einzigartigkeit hervor. Das Album: „Hyperfall” – 13 starke Nummern, ab dem 7. September in der virtuellen und realen Welt käuflich zu erwerben. Mit „Hyperfall” setzt der Finne, der rund einen Monat nach dem Album-Release-Date seinen 32. Geburtstag feiert, neue Maßstäbe im Bereich Deep Trance/Dark Trance/Deep House. Yotto, der mit Coldplays „Adventure Of A Lifetime” einen großartigen Remix kreierte und Ende letzten Jahres für die Gorillaz eine starke Neuinterpretation ihres Werks „Busted & Blue” ablieferte, wird im Anjuna-Stall als eine der größten Entdeckungen gefeiert.

Du bist 1986 in Finnland geboren – in einem Land, das nicht gerade die „Mainstage der elektronischen Musik“ ist. Erzähl doch mal, wie ist die Szene dort und wie bist du „reingerutscht“?

Wir sind klein, aber oho! Wir haben mit dem Label Sähkö und Künstlern wie Jori Hulkkonen und Huoratron definitiv Mitspracherecht im Business. (lacht) Und früher, früher gab es echt ein paar coole Nächte in meinen jungen Jahren. Eine Party hieß „Danceteria“. Dort spielten Leute wie Nic Fanciulli. Im Laufe der Zeit begann ich, mit Freunden eigene Events zu organisieren, was nach und nach mein Ansehen steigerte. In der Zeit spielte ich alles: Von Open-to-close-Sets in Bars bis hin zum Warm-up von Calvin Harris. Was für eine Erfahrung!

Du veröffentlichst auf Above & Beyonds Label Anjunadeep. Gibt es Pläne, in die kommerziellere Richtung zu gehen, um auf dem Mutterlabel Anjunabeats zu releasen?

Nein. Beide Labels gehören zwar zusammen, sind aber völlig konträr. Anjunabeats ist der Sound von großen Festivals und die Heimat von Trance. Anjunadeep deckt die Bereiche House, Techno und den chilligeren Stuff ab. Die perfekte Homebase für Musik, wie ich sie produziere.

Im September erscheint mit „Hyperfall“ dein neues Album auf Anjunadeep. Wie kam es dazu?

Ein Album auf den Markt zu bringen, war immer mein großer Traum. Es ist toll, die verschiedenen Tempi, Texturen und Gefühle über die Musik transportieren zu dürfen. Ich hab mich letzten Winter in meinem Studio eingesperrt, meinen Hund immer wieder gefragt, wie er den Status quo der Tracks finde, jede Menge Süßigkeiten gefuttert und intensiv am Track-Filing gearbeitet. Und dann, dann war es fertig: „Hyperfall“

Wie hat eigentlich alles angefangen bei dir?

Ich arbeitete als Manager in einer Bar, als die Anfrage kam, eine Tour durch die USA zu machen. Ab 2016 ging es dann richtig ab und aufgrund der vielen Tour-Termine beschloss ich, mein Leben der Musik zu widmen. Es gab nie den einen entscheidenden Moment, in dem ich sagte: „Jetzt werde ich DJ.“

Wie war das Jahr 2018 bisher für dich und was können wir 2019 von dir erwarten?

2018 in einem Wort? Verrückt! Ich hatte einige meiner besten Gigs überhaupt, dazu die anstehende Veröffentlichung meines Debütalbums … unbeschreiblich. 2019 wird hoffentlich noch cooler. Ich habe ein paar ganz besondere Events geplant. Auch musikalisch liegt noch so manches in der Schublade, was ich fertigstellen möchte.

Deine derzeitigen Top 5:
Yotto – Walls
Dusky – The Captain
Robag Wruhme – Wuzzelbud FF
Edu Imbernon – Indenait
Lord of the Isles – Alpha
Kurz & knapp:

Deine erste selbst gekaufte Platte:
Moby mit „Everything Is Wrong“
Dein erster Gig:
Der war auf einer Studentenparty, die meine damalige Freundin – heute Frau – organisiert hatte.
Deine erste Gage:
Freigetränke
Dein Ritual vor jedem Gig:
Zähneputzen, Essen, Kaffee
Dein Lieblingsflughafen:
Helsinki

 

Guckt man deinen Tour-Kalender an, stehen von Anfang September bis Ende Dezember noch 24 Shows an. Nicht schlecht! Gib uns doch mal einen kleinen Einblick.

Klar, gerne. Hier ein paar Gigs in der Übersicht:
15.09.2018: Ushuaïa, Ibiza (Spanien)
29.09.2018: Gold Rush Festival, Arizona (USA)
05.10.2018: Motion, Bristol (UK)
13.10.2018: Tengu, Dublin (Irland)
18.10.2018: Paradiso-Noord, Amsterdam (Niederlande)
17.11.2018: Coda, Toronto (Kanada)
29.12.2018: Lost Paradise Festival (Australien)

Und nun, nach dem Interview? Zeit, Anjunadeep, Vol. 07, Disk 1, einzulegen. Zu Track 15 shutteln und Yotto feat. CAPS mit „Wondering” in vollen Zügen über die aufgedrehten Speaker genießen. Kollaborationspartner CAPS ist übrigens Yottos jüngerer Bruder. „Wondering” – mich wundert es nicht, dass Yotto zum Star in Sachen Underground-Trance und Deep House avancierte.

 

Künstlername: Yotto
Geburtsname: Otto Yliperttula
Geburtstag: 08.10.1986
Herkunft: Finnland
Stil: Deep House, Deep Trance
Aktiv als DJ/Produzent: seit 2014
Label-Zugehörigkeit: Anjunadeep
Remixe für: Above & Beyond, Gorillaz, Coldplay, Röyksopp, Lane 8, Christian Löffler etc.
Support-Acts: Sasha, Kölsch, Jamie Jones, Adriatique, Patrice Bäumel etc.

Aus dem FAZEmag 079/09.2018
Text: Torsten Widua
Foto: Tuukka Ervasti
www.yottomusic.com

 

 

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