
Berlins DJ Phonatic berichtet, dass ein geplanter Auftritt in einer neu eröffneten Bar kurzfristig abgesagt worden sei. Als Grund nennt er Beschwerden von Aktivisten, die ihn als „Zionist“ bezeichnet hätten. Der Vorfall ist Teil eines größeren Konflikts um politische Positionierungen innerhalb der Berliner Clubszene.
Phonatic ist seit vielen Jahren Teil des Berliner Nachtlebens. Wer in den vergangenen 25 Jahren regelmäßig durch Clubs der Hauptstadt gezogen ist, könnte bereits zu seiner Musik getanzt haben. Als DJ und Veranstalter ist er seit mehr als 15 Jahren aktiv und steht musikalisch für deepen, treibenden Sound.
Bekannt ist er außerdem als Mastermind hinter den Headroom-Events in Berlin. Neben seiner Arbeit als DJ trat er in den vergangenen Jahren zunehmend öffentlich auf, weil er sich innerhalb der Clubkultur gegen Antisemitismus positionierte.
Diese Haltung führte laut eigenen Angaben zuletzt zu direkten Konsequenzen im Nachtleben. In einem ausführlichen Statement schilderte er, dass ein geplanter Gig in der neu eröffneten „Ciao Ciao Bar“ kurzfristig gestrichen worden sei.
„Gestern Abend erreicht mich eine Whatsapp-Nachricht, dass mein für heute geplanter DJ-Gig in der kürzlich neu eröffneten Ciao Ciao Bar in Berlin abgesagt wurde. Eine oder mehrere Personen hätten die Bar kontaktiert und sich darüber beschwert, warum dort ein Zionist spielen dürfe.“
Nach Angaben des DJs habe die Bar nicht zunächst das Gespräch mit ihm gesucht. „Statt zunächst das Gespräch mit mir zu suchen – wie es bei offensichtlicher Diffamierung redlich gewesen wäre – entschied man sich für vorauseilenden Gehorsam. Man könne es sich am Anfang nicht leisten, einen schlechten Ruf zu bekommen, hieß es in der Nachricht, und der Auftritt wurde kurzerhand abgesagt.“
An seiner Stelle lege nun ein anderer DJ auf. Phonatic kommentierte dies mit den Worten: „Anstatt meiner legt dort heute nun ein DJ auf, dessen Instagram-Bio ‚Resistance is a daily practive‘ samt Melonen-Symbol zeigt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.“
Der DJ sieht den Vorfall als Teil einer größeren Entwicklung innerhalb der Szene. „Die Angriffe und Diffamierungen, die darauf abzielen, meinen Ruf als DJ und meine ökonomische Grundlage zu schädigen, haben in den vergangenen anderthalb Jahren deutlich zugenommen – eine direkte Folge meiner öffentlichen Positionierung gegen das zunehmend israelfeindliche und antisemitische Klima, das seit dem 7. Oktober immer größere Teile der Berliner Clubkultur durchdringt.“
Nach seiner Darstellung gebe es innerhalb der Clublandschaft gezielte Kampagnen gegen ihn. „Es gibt eine Gruppe besonders radikaler Israelhasser und Antisemiten aus der Berliner Clubszene, die gezielt meine angekündigten Gigs sowie die veröffentlichten Programme von Clubs und Bars der Stadt durchforsten, um die Locations und Booker mit diffamierenden Mails unter Druck zu setzen.“
Teilweise zeige diese Strategie Wirkung. „In einigen Fällen zeigt das Wirkung – und trifft, wie hier, mitunter auf Wohlwollen“, so Phonatic weiter.
Er berichtet außerdem von weiteren Fällen, in denen mögliche Bookings im Vorfeld scheiterten. „Ich kenne zudem Fälle, in denen Clubs von diesen Aktivisten prophylaktisch kontaktiert wurden, sodass meine Anfragen an Locations, bei denen ich zuvor regelmäßig gespielt habe, oft einfach unbeantwortet bleiben – man könnte dies treffend als Ghosting bezeichnen.“
Als problematisch empfindet er zudem die Reaktion vieler Akteure innerhalb der Szene. „Ein wesentlicher Teil des Problems besteht darin, dass viele Protagonisten der Clubszene, die diesen Tendenzen eigentlich kritisch gegenüberstehen, sich entschieden haben, die Füße stillzuhalten und diese Entwicklungen widerspruchslos zu erdulden.“
Dieses Schweigen habe Konsequenzen. „Dieses Schweigen wiederum ermutigt die antisemitischen und israelfeindlichen Aktivisten, ihre Aktion auszuweiten, die Szene nach Belieben unter ihrer Knute zu gängeln und sie Schritt für Schritt zu dominieren – verschont werden nur jene, die völlig auf ihrer Linie sind.“
In seinem Statement ruft der DJ die Clubszene deshalb dazu auf, sich stärker gegen solche Entwicklungen zu positionieren. „Um die letzten Residuen der Clubkultur vor dem Zugriff solcher faschistoider Akteure und Gruppen zu bewahren und gegen diese totalitären Entwicklungen zu verteidigen, ist es längst überfällig, dass die schweigende Mehrheit der Clubszene, die diese Entwicklungen mit Besorgnis verfolgt, öffentlichen Widerspruch einlegt.“
Dabei erinnert er an die ursprünglichen Ideale der Clubkultur. Die Szene sei einst „ein Raum, in dem einmal Musik, Eskapismus und Exzess im Zentrum standen und er das Ideal verkörperte, ein Ort zu sein, an dem niemand Angst haben muss, verschieden zu sein“.
Aus der Community erfährt Phonatic eine Welle der Solidarität. „Es zeigt auch, wie effektiv die Propaganda war, den Begriff Zionismus (=für das Existenzrecht Israels einzustehen) derart zu diffamieren“, schreibt eine Userin. „
„Da werden ganz dunkle Erinnerungen an den Ausschluss von Juden wach – und von denjenigen, die an der Seite von Juden und Jüdinnen stehen.“ Ein weiterer Follower meint: „Genauso beginnt übrigens Faschismus.“
View this post on Instagram
Das könnte dich auch interessieren:
Macron sorgt mit Justice-Track in Atomwaffen-Post für Diskussionen