
Die Berliner Türsteherin Minnie Hoàng steht seit fast zehn Jahren vor den Türen bekannter Clubs wie dem SchwuZ.
Im Gespräch mit dem Tagesspiegel schildert sie eindrücklich, wie eng Nachtleben, Gewalt und Drogen miteinander verwoben sind. Ihre Erfahrungen zeigen, dass Empathie und Deeskalation oft wichtiger sind als rohe Körperkraft.
Minnie Hoàng berichtet von Abenden, an denen Gäste durch Alkohol oder Substanzen wie GHB, auch bekannt als „liquid ecstasy“, reanimiert werden mussten. „Es ist wie ein Überraschungsei“, sagt sie über den Grad der Eskalation, der von ruhigen Nächten bis zu „zehn Auseinandersetzungen hintereinander“ reichen kann.
Besonders problematisch seien Übergriffe bis hin zu Vergewaltigungen, die sie und ihr Team immer wieder erleben. In solchen Fällen stellt Hoàng klar, dass für sie allein die Bedürfnisse der betroffenen Personen im Vordergrund stehen.
„Nur wenn sie es möchte, informiere ich die Polizei, damit sie Anzeige erstatten kann.“ Gleichzeitig betont sie, dass sie regelmäßig Fortbildungen besucht, um Körpersprache besser lesen und gewaltfreie Kommunikation anwenden zu können.
Trotz der Belastung bleibt Gewalt für sie nur der letzte Ausweg. „Dass wir arg gewalttätig werden müssen, kommt selten vor“, erklärt sie. Meist reichen Wegschubsen oder klare Ansagen. Doch wenn es keine andere Möglichkeit mehr gebe, verlässt sie sich auf pragmatische Selbstverteidigung: „Ein fester Tritt in die Eier ist immer gut, das verschafft Zeit.“
Hoàng macht aber auch deutlich, dass es bei ihrer Arbeit nicht um Machtausübung geht, sondern darum, Menschen einen sicheren Raum für ihr Feiern zu ermöglichen. Sie beschreibt Nächte, in denen Aggressoren hinausbegleitet, Verletzte versorgt oder weinende Männer beruhigt werden mussten – ein Balanceakt zwischen Härte und Mitgefühl.
Besonders eindringlich sind ihre Schilderungen von Situationen, in denen Gäste massiv enthemmt auftreten. Von beleidigtem Trotz bis zu aggressiven Ausbrüchen sei alles dabei. Ihre wichtigste Strategie bleibt, früh zu erkennen, wer potenziell problematisch werden könnte, um Eskalationen zu verhindern, bevor sie überhaupt entstehen.
Trotz der Härte des Jobs verliert Hoàng nicht die Leidenschaft für das Nachtleben. Sie liebt es, wenn Menschen nach einer sicheren Nacht den Club glücklich verlassen. Gleichzeitig sieht sie die Verantwortung, die mit ihrer Position verbunden ist, als unverzichtbaren Teil der Berliner Clubkultur.
Quelle: Tagesspiegel
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