
Eigentlich wären für morgen und übermorgen große Shows von Boiler Room in Dortmund geplant. Allerdings haben mittlerweile rund die Hälfte der gebuchten Artists ihre Shows abgesagt.
Bereits abgesagt haben: EMILIJA, Maruwa, Pablo Bozzi, Pegassi, Miguel de Bois, Lea Occhi, DJ AYA, Grace Dahl, Bailey Ibbs, A2iCE & BO3. Noch im Line-Up stehen: Adrian Mills, Mika Heggemann, DJ Autobahn, Serafina, Schwester P, Phil Berg, Laure Croft, Robin Tasi, Krackk, Newtone, SHRFF & Tim Reineke sowie SHDW.
Grund für das Chaos ist die aktuelle Kontroverse um Boiler Room und den Nahost-Konflikt bzw. der Übernahme der Plattform durch Superstruct Entertainment, das mehrheitlich dem US-Investor KKR gehört (FAZEmag berichtete).
KKR investiert unter anderem in israelische Unternehmen und ist somit nach Ansicht von Aktivisten mitverantwortlich für die sogenannte „israelische Apartheid“. Besonders aus pro-palästinensischen Kreisen wird Boiler Room daher Boykott und Doppelmoral vorgeworfen, da das Unternehmen weiterhin als pro-palästinensisch und BDS-nah auftritt.
Mehrere Künstler sagten bereits in der Vergangenheit aus Protest ihre Auftritte ab; die Initiative „Ravers for Palestine“ forderte auf Social Media einen Boykott der Plattform. Das Unternehmen wiederum betont in öffentlichen Stellungnahmen, nach wie vor „unumwunden pro Palästina“ zu sein und sich von den Investments der Muttergesellschaft zu distanzieren.
Während Boiler Room öffentlich zu den Zielen der BDS-Kampagne steht – einer Bewegung, die Israel durch Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen zum Rückzug aus besetzten Gebieten und zur Gleichstellung der Palästinenser bewegen will –, wird das Unternehmen jetzt auch von pro-palästinensischer Seite wegen seiner Besitzverhältnisse angegriffen.
Die BDS-Kampagne ist international höchst umstritten und wird insbesondere in Deutschland von Politik und Teilen der Zivilgesellschaft als antisemitisch eingestuft. Die Auseinandersetzung um Boiler Room spiegelt somit das Dilemma vieler Kulturschaffender wider, die sich für Palästina einsetzen möchten, jedoch Gefahr laufen, sich durch wirtschaftliche oder strukturelle Beziehungen indirekt an den von ihnen kritisierten Zuständen zu beteiligen.
Das Beispiel zeigt, wie tiefgehend und polarisiert die Nahost-Debatte mittlerweile auch in Sub- und Musikkulturen verankert ist und wie schwierig es ist, in einer global vernetzten Szene widerspruchsfrei Stellung zu beziehen.
Ravers For Palestine gibt jedenfalls auch im Falle des Boiler-Room-Events nicht nach und spricht die noch zugesagten Acts in einem Instagram-Posting direkt an:
„Mit der Hälfte der Acts, die bereits abgesagt haben, rufen wir Junkyard und die verbleibenden Künstler dazu auf, sich dem Boykott dieses kolonialen Projekts anzuschließen. Wie wollt ihr, dass die Geschichte euch in Erinnerung behält? Es ist noch nicht zu spät, das Richtige zu tun.“
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Quelle: Instagram
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