
Der Greifswalder Club ROSA wird am 30. Januar seine letzte Party feiern. Betreiber Murat Demirkaya begründet die Entscheidung mit monatlichen Fixkosten von über 10.000 Euro, die ihn zwangen, auf private Rücklagen zurückzugreifen.
„Ich habe viel geopfert und das Ding lang‘ genug offengehalten”, erklärt der Grundschullehrer gegenüber der Ostseezeitung. Der Verlust bedeutet für die Stadt mehr als nur das Ende eines Clubs.
ROSA war seit Jahren ein fester Bestandteil des Nachtlebens und ein Ort, an dem sich Studierende und lokale Szene gleichermaßen trafen. 2011 als Off-Veranstaltungsreihe gestartet, fand der Club 2014 im ehemaligen Callcenter an der Bahnhofstraße sein erstes Zuhause, bevor er 2017 in ein Wertstofflager umzog.
Musikalisch bewegte sich ROSA zwischen „Katermukke und traditionellem Techno”, wie Resident und Ex-Booker Vy Tran betont. Das Line-up zeigte die Vielseitigkeit: Neben lokalen DJs standen Künstler wie Vincent Neumann, Cinthie oder Ogazón am Pult.
Auch Workshops, Lesungen und Konzerte erweiterten das Programm und spiegelten die kulturelle Vielfalt der Universitätsstadt wider. In den letzten Jahren passte sich der Club flexibel den Bedürfnissen des Publikums an, etwa mit verstärktem Fokus auf Trance und Hard Techno nach der Pandemie.
Der DIY-Charakter und die familiäre Atmosphäre machten ROSA zu einem wichtigen Ort für Austausch und Kreativität. Doch die wirtschaftlichen Belastungen waren zu groß. „Aus einem Traum wurde ein Albtraum”, fasst Demirkaya zusammen.
Besonders vor dem Hintergrund bundesweiter Kürzungen im Kultursektor ist die Schließung ein Einschnitt. Das Team betont, dass Räume wie ROSA in strukturschwachen Regionen entscheidend für Vielfalt, Solidarität und kulturellen Dialog seien.
Auch klare Haltung gegen rechte Ideologien und Maßnahmen gegen rechtsextreme Vorfälle prägten die Ausrichtung des Clubs – ein Signal, das weit über die Partyszene hinauswirkte. Mit der Schließung von ROSA droht Greifswald ein Stück seiner kulturellen Identität zu verlieren.
Für viele Nachtschwärmer stellt sich die Frage, ob sie künftig wieder regelmäßig nach Berlin reisen müssen, um elektronische Musik und Clubkultur in dieser Form zu erleben.
Quelle: Groove
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