„Daily-Soap“: Viele negative Kritiken für Techno-Serie „München Beats“

Die neue ZDF-Miniserie „München Beats“ wollte die Entstehung des Kunstpark Ost mit der Münchner Technoszene und einer Familiengeschichte verbinden. Bei den Kritikern kommt dieses Konzept jedoch überwiegend schlecht an. Vor allem die Darstellung der Technokultur wird als oberflächlich und verschenkte Chance kritisiert.

Im Mittelpunkt steht die 19-jährige Linda Bierwirth, die in München die Technoszene entdeckt, in einem Club arbeitet und selbst zur DJane wird. Parallel kämpft ihre Familie nach der Verlagerung der Pfanni-Produktion aus München um ihre wirtschaftliche Existenz (FAZEmag berichtete).

Auf dem ehemaligen Pfanni-Gelände entstand später der Kunstpark Ost. Auch der Ultraschall bezog dort Räume in einer früheren Kartoffelwaschanlage. Für BR24 bleibt dieser historische Hintergrund in der Serie jedoch weitgehend Kulisse für eine Familiengeschichte. Statt einer Milieustudie sei „München Beats“ eher eine „Daily-Soap“.

Kritisiert wird auch, dass die damalige Münchner Clubkultur kaum greifbar werde. BR24 verweist darauf, dass Künstler wie Jeff Mills und Carl Craig einst im Ultraschall auftraten, in der Serie aber nicht auftauchen. Auch Lindas Entwicklung zur DJ vermittle nur eingeschränkt, was die Technoszene ausmachte.

Die Frankfurter Allgemeine sieht interessante Ansätze, bemängelt aber die konventionelle Umsetzung. Die Serie wolle Technokultur, gesellschaftlichen Wandel der 1990er-Jahre und queere Lebenswelten gleichzeitig erzählen, bleibe dabei jedoch ein gewöhnliches Unterhaltungsprodukt.

Auch die Geschichte des Kunstpark Ost werde erst spät ausführlicher behandelt. Damit bleibt ausgerechnet der Ort, an dem sich die Verbindung zwischen Münchner Stadtgeschichte und Technokultur besonders deutlich zeigen ließe, laut der Kritik hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Die Kritik auf Fernsehserien.de fällt etwas weniger hart aus, sieht aber ebenfalls deutliche Schwächen. Die ersten beiden Folgen hätten zunächst Erwartungen an ein ungewöhnliches Gesamtpaket geweckt. Nach allen vier Episoden zeige sich jedoch, dass die Serie ihr Potenzial nicht ausschöpfe und die Technomusik vor allem in der zweiten Hälfte zu wenig Raum bekomme.

Hinzu kommen weitere Handlungsstränge: Lindas Bruder Andi setzt sich mit seiner unterdrückten Homosexualität auseinander, während Pfanni-Erbe Marius nach einem gescheiterten Start-up in den USA nach München zurückkehrt. Seine Beziehung zu Linda trage zusätzlich zum soapigen Charakter der Serie bei.

Auch das Erzähltempo wird kritisiert. Gegen Ende würden sich die Zeitsprünge mehren, während einzelne Entwicklungen zu schnell voranschreiten. Zwei zusätzliche Episoden hätten den Figuren und ihren Geschichten möglicherweise mehr Raum gegeben.

Positive Aspekte gibt es dennoch. So wird insbesondere Jule Hermann in der Hauptrolle hervorgehoben. Linda werde von ihr mit Unbekümmertheit, Neugier und Bodenständigkeit verkörpert.

Quellen: BR24, Frankfurter Allgemeine, fernsehserien.de

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