Detroits Museum für elektronische Musik gestoppt

Ein ambitioniertes Projekt in Detroit ist überraschend gestoppt worden: Die geplante Umwandlung eines stillgelegten Autogeländes in ein Zentrum für elektronische Musik wird nicht umgesetzt.

Damit scheitert ein Vorhaben, das sowohl kulturell als auch städtebaulich große Bedeutung gehabt hätte. Die Stadtverwaltung entschied, die Pläne für das ehemalige Packard-Werk nicht weiterzuverfolgen.

Bürgermeisterin Mary Sheffield stoppte am 26. März das rund 50 Millionen Dollar schwere Sanierungsprojekt. Dieses sollte ein weitläufiges, brachliegendes Areal in einen vielseitig genutzten Komplex verwandeln.

Unter dem Namen Packard Park war ein gemischt genutztes Gelände vorgesehen. Neben Wohnungen und öffentlichen Freizeitflächen sollte auch ein Indoor-Skatepark entstehen. Herzstück des Projekts wäre jedoch das Museum für elektronische Musik in Detroit, kurz MODEM, gewesen.

Das Museum sollte laut offizieller Website „Detroits lebendige Musikgeschichte hervorheben und gleichzeitig die Entwicklung aufstrebender Künstler, Produzenten und Musiker fördern“. Damit hätte es eine zentrale Rolle für die Sichtbarkeit der elektronischen Szene der Stadt gespielt.

Die Entscheidung gegen das Projekt fiel nach Ablauf einer Frist zur Einreichung einer Absichtserklärung. Die Stadt, der das 16 Hektar große Gelände gehört, möchte sich nicht auf einen einzelnen Plan festlegen und stattdessen weitere Möglichkeiten prüfen.

Sprecher John Roach erklärte gegenüber der Detroit News: „Das Gelände des Packard-Werks ist eines der wenigen verfügbaren, großen zusammenhängenden Grundstücke in Detroit, die sich im Besitz der Stadt befinden“. Diese strategische Bedeutung spielt eine zentrale Rolle in der Neubewertung.

Die Stadtverwaltung sieht in dem Areal die Chance, ein breiteres Spektrum an Sanierungsoptionen zu prüfen, bevor konkrete Schritte eingeleitet werden. Damit wird die Zukunft des Geländes erneut offen, obwohl bereits konkrete Pläne vorlagen.

Die Entwickler des Packard Park gaben trotz des Rückschlags an, weiterhin an einer Revitalisierung arbeiten zu wollen. Ob und in welcher Form das Gelände künftig entwickelt wird, bleibt jedoch unklar.

Das Packard-Werk selbst hat eine lange Geschichte. Es wurde 1903 vom Architekten Albert Kahn für die Packard Motor Car Company entworfen. Nach der Schließung im Jahr 1962 verfiel das Gelände über Jahrzehnte hinweg zunehmend.

In den 80er- und 90er-Jahren entwickelte sich der Ort zu einem wichtigen Schauplatz der Detroiter Underground-Musikszene. Dort fanden unter anderem Richie Hawtins Spastik-Partys statt, ebenso ein legendäres DJ-Battle zwischen Gary Chandler und DJ Godfather.

Gerade diese Verbindung zur elektronischen Musik machte das Gelände zu einem symbolträchtigen Standort für ein Museum wie MODEM. Mit dem Stopp des Projekts bleibt diese kulturelle Aufarbeitung vorerst aus – und ein bedeutendes Kapitel der Musikgeschichte ohne festen Ort.

Quelle: Resident Advisor

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