Nightingale: Zwischen Liebe, Schmerz und Club-Ekstase

Nightingale: Zwischen Liebe, Schmerz und Club-Ekstase

Schon früh hat Dani alias Nightingale ihren Platz hinter den Decks gefunden. Mit 14 Jahren begann sie zu mixen, mit 18 Jahren legte sie bereits professionell in Clubs auf. Heute zählt sie zu den sichtbaren Stimmen der queeren DJ-Szene Deutschlands. Mit Auftritten auf der Berlin Pride, Frankfurt Pride oder als Opener auf der Main Stage des Lumen Open Air Festivals 2025. Für Sie ist Musik mehr als nur ein Sound: Sie ist ein klares Statement. Als queere Künstlerin nutzt Nightingale ihre Plattform, um Sichtbarkeit zu schaffen und Menschen zu verbinden. Die Mission: Menschen auf dem Dancefloor zu vereinen, unabhängig von Herkunft, Identität oder Orientierung.

Nun zeigt sie eine neue Facette ihres Schaffens und startet auch als Producerin durch. Unter dem Projektnamen Nightingale veröffentlicht sie ihren ersten eigenen Track „Into Your Arms“, ein emotionaler Melodic-Techno-Song zwischen Melancholie, Leidenschaft und Selbstermächtigung. Er erzählt von der Ambivalenz einer zerbrochenen Liebe, von Stärke und Loslassen, wird getragen von pulsierenden Basslines und einer emotionalen Tiefe, die sich zwischen Melodic Techno und Deep House verorten lässt.

Dani, du hast schon mit 14 angefangen zu mixen – wann wurde dir klar, dass das Auflegen mehr als nur ein Hobby ist?

Das war mir ziemlich früh klar. Ich habe mich wirklich schon in meinem Kinderzimmer stundenlang mit Musik beschäftigt Songs gemixt und die Tracks auf jeden kleinsten Beat analysiert.  Als ich dann zum ersten Mal vor Publikum gespielt habe, wusste ich, ich möchte die Leute mit meiner Musik bewegen.

Wie würdest du den Moment beschreiben, an dem du das erste Mal gemerkt hast, dass du Menschen mit deiner Musik wirklich berühren kannst?

Der Moment ist eigentlich nicht in Worte zu fassen, wenn du am Pult stehst, siehst wie die Menschen ihre Augen schließen und völlig in der Musik versinken.
Oder wenn du einen Song spielst, den Master beim Refrain leise drehst und hörst wie alle mitsingen. Da bekomme ich selbst heute noch Gänsehaut!

Du bist auf den größten Pride-Bühnen Deutschlands unterwegs. Was bedeuten dir diese Auftritte – gerade als queere Künstlerin?

Da ich auf den größten Pride Bühnen und auf den Trucks großer Firmen als DJane zu sehen bin, bedeutet das Sichtbarkeit, Freiheit und Stolz für mich. Als queere Künstlerin kann ich feiern, wer ich bin, und gleichzeitig anderen Mut machen, sich selbst zu zeigen.

Was möchtest du mit deiner Musik innerhalb der LGBTQIA+-Community ausdrücken oder verändern?

Mit meiner Musik möchte ich Empowerment, Sichtbarkeit und Gemeinschaft ausdrücken. Ich will Räume schaffen, in denen sich jede*r gefeiert, verstanden und frei fühlen kann – und vielleicht ein kleines Stück dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und mehr Akzeptanz zu schaffen.
Liebe ist Liebe egal wen oder wie wir lieben, sie ist immer wertvoll und schön.

Dein erster eigener Track „Into Your Arms“ zeigt eine sehr emotionale Seite. Wie ist der Song entstanden – und was steckt inhaltlich dahinter?

„Into Your Arms“ ist für mich eine emotionale Befreiung. Der Song handelt davon, nicht zur alten Liebe zurückkehren zu wollen und sich nicht länger vom Schmerz der Vergangenheit einholen zu lassen – stattdessen öffnet er den Raum, neue Nähe und echte Gefühle zuzulassen.

Du hast ihn unter dem Namen Nightingale veröffentlicht – warum hast du dich entschieden, das „DJane“ wegzulassen?

Ich habe mich entschieden, den Track einfach unter „Nightingale“ zu veröffentlichen, um dem Song eine eigene Identität zu geben – losgelöst von meinem DJane-Image. Es sollte eher um die Musik und die Emotionen dahinter gehen, nicht um das DJane-Branding. So kann der Song für sich selbst sprechen.

Wie fühlt sich das Produzieren für dich an im Vergleich zum Auflegen – eher befreiend, intim oder herausfordernd?

Also es ist auf der einen Seite natürlich herausfordernd, aber es ist wirklich unbeschreiblich zu wissen das es jetzt dein Song, deine Beats sind, die die Leute zum tanzen bringen.
Während ich beim DJing die Energie des Publikums spüre und sofort reagiere, ist produzieren ein ganz eigener Raum: Ich kann mich komplett auf meine Gefühle, Ideen und Sounds konzentrieren.

Deine Musik vereint Melancholie und Energie. Welche Künstler:innen oder Einflüsse prägen deinen Sound heute am stärksten?

Mich inspiriert die emotionale Tiefe in den Texten von P!nk genauso wie die harten, treibenden Beats von Benny Benassi, Mausio und Bennett – und natürlich auch meine eigenen emotionalen Erfahrungen. Diese Mischung aus Gefühl und Energie prägt auch meinen eigenen Sound.

Du hast auf Bühnen wie der Main Stage beim Lumen Open Air oder beim Berliner CSD gespielt – welcher dieser Momente bleibt dir besonders im Gedächtnis?

Es ist schwer, die beiden Erfahrungen miteinander zu vergleichen. Die Mainstage auf einem Techno-Festival zu eröffnen, ist ein absoluter Wahnsinn – wenn sich die Fläche langsam füllt und die Leute zu deinen Beats abgehen, spürt man diese besondere, elektrisierende Energie. Aber der Berliner CSD auf einem Truck zu spielen, mit 300.000 Menschen hinter dir, die zu deiner Musik feiern, war einfach magisch. Ich bin jahrelang selbst zum CSD gefahren und habe mir immer erträumt, einmal auf so einem Truck aufzulegen – dass dieser Traum jetzt Wirklichkeit geworden ist, hat mir Gänsehaut pur beschert. Diese riesige, feiernde Menge vor sich zu sehen und die Freude zu spüren, lässt sich kaum in Worte fassen.

Wenn du auf deine bisherige Reise blickst – was treibt dich heute am meisten an, weiterzumachen und neue Wege zu gehen?

Mich treibt vor allem die Leidenschaft für Musik an – eigentlich wollte ich schon immer meine eigenen Songs machen. Jetzt war einfach der Moment gekommen, in dem ich mir gesagt habe: „Jetzt muss ich mich trauen, den nächsten Schritt zu gehen.“ Genau das habe ich getan – und was dabei herausgekommen ist, finde ich einfach richtig, gut.
Musik zu machen bedeutet für mich, Gefühle und Emotionen zu teilen, Menschen zusammenzubringen und Momente zu schaffen, in denen man sich verstanden und verbunden fühlt. Genau das treibt mich immer wieder an, neue Wege zu gehen und nie stehenzubleiben.

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