
Die Club- und Eventszene steht vor einem Wandel. Darauf macht der Thüringer Veranstalter Alexander Theis mit einem ausführlichen Social-Media-Beitrag aufmerksam.
Seine zentrale Beobachtung: Junge Menschen feiern weiterhin, ihr Ausgehverhalten habe sich jedoch grundlegend verändert – mit spürbaren Folgen für Clubs, Festivals und Veranstalter. Theis organisiert unter anderem das Fantasy Beach Festival und beobachtet die Entwicklung seit Jahren.
Nach den von ihm zusammengetragenen Daten konsumierten im Jahr 2000 noch 72 Prozent der unter 35-Jährigen Alkohol. 2023 lag dieser Wert bei 62 Prozent. Für die kommenden Jahre werde ein weiterer Rückgang erwartet.
Für den Veranstalter handelt es sich dabei nicht um eine kurzfristige Entwicklung. „Das ist kein Trend. Das ist ein Shift“, schreibt er. Die Auswirkungen würden sich inzwischen deutlich im Veranstaltungsalltag zeigen.
Beim Fantasy Beach Festival seien zuletzt zwei von drei Veranstaltungstagen schwächer gelaufen als im Vorjahr, während ein Tag sogar bessere Ergebnisse erzielt habe. Für Theis deutet das auf eine Konzentration der Besucher auf ausgewählte Highlights hin.
Veranstaltungen mit bekannten Acts, großen DJs oder einem besonderen Rahmenprogramm würden weiterhin funktionieren. Klassische Wochenendveranstaltungen ohne besondere Erlebnisse hätten dagegen zunehmend Schwierigkeiten, genügend Publikum anzuziehen.
Gleichzeitig sieht er ein weiteres Problem: den rückläufigen Getränkeumsatz. „Man merkt dabei zwei Extreme“, erklärt Theis. Ein Teil der Gäste trinke bereits vor der Veranstaltung, andere verzichteten bewusst auf Alkohol oder konsumierten deutlich weniger.
Dadurch fehle vielen Veranstaltern eine wichtige Einnahmequelle. Die Folgen reichen laut Theis weit über die Bar hinaus. „Wenn die Einnahmen über Getränke fehlen, hat das Folgen für alles andere.“
Um die Lücke auszugleichen, müssten Eintrittspreise theoretisch steigen. Gleichzeitig seien viele Besucher nicht bereit, für Standardveranstaltungen deutlich mehr Geld zu bezahlen. Hinzu kommen steigende Kosten bei Künstlerbuchungen.
„Wenn du heute einen Künstler buchen willst, der gerade wirklich zieht, bist du schnell bei 6.000 oder 7.000 Euro Gage“, sagt Theis. Ein großer Teil der Ticketeinnahmen fließe inzwischen direkt an Künstler und Agenturen.
Als Konsequenz habe er die Zahl seiner Veranstaltungen deutlich reduziert – von früher 120 bis 150 Events pro Jahr auf aktuell rund 35 bis 40. Trotz der Herausforderungen bewertet er die Entwicklung nicht ausschließlich negativ.
Aus seiner Sicht hat sich vor allem die Motivation der Gäste verändert. „Erlebnis ist die neue Währung.“ Besucher wollten heute mehr als nur Musik und Getränke. Gefragt seien besondere Konzepte, aufwendige Lichtshows, Dekorationen und außergewöhnliche Künstler.
Das klassische Ausgehen mit dem Ziel, „irgendwo hinzugehen, fünf Bier zu trinken und irgendwann voll in der Ecke zu liegen“, spiele für viele junge Menschen laut Theis kaum noch eine Rolle.
Als Ursachen nennt er gestiegene Lebenshaltungskosten, ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein, Fitness- und Lifestyle-Trends sowie Erfahrungen aus der Corona-Zeit. Auf diese Veränderungen versucht er bereits zu reagieren.
Zu seinen neuen Ideen gehört das Format „Beats & Breakfast“, das Musikveranstaltung und Frühstück kombiniert. Auch Tagesveranstaltungen könnten künftig eine größere Rolle spielen, da viele Menschen nicht mehr bis in die frühen Morgenstunden unterwegs sein möchten.
Sogar eine Rückkehr zu früheren Öffnungszeiten hält Theis für denkbar. Veranstaltungen könnten wieder früher beginnen und bereits gegen Mitternacht enden. „Genau das ist für viele attraktiv: einen intensiven Abend erleben, ohne anschließend einen ganzen Tag zu verlieren.“
Veranstalter müssten sich auf neue Erwartungen einstellen. Wer weiterhin ausschließlich auf günstige Getränke und klassische Trinkkultur setze, könnte es künftig schwer haben. Oder wie Theis formuliert: „Die Clubszene verändert sich. Die Frage ist nicht, ob sie sich verändert, sondern ob du dich als Veranstalter mitveränderst.“
Quelle: Takt Magazin
Foto: Fantasy Beach Festival – Facebook
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