ESKEI – Der Controller und Du

ESKEI – Der Controller und Du

 

Es gibt nur wenige DJs dieser Tage, die sich stets bemühen, neben dem Entertainment-Faktor auch den technischen Aspekt bei der Performance in den Fokus zu rücken. Neben James Hype fällt uns dazu nur Eskei ein. Dieser hat am vergangenen Wochenende einen umfeierten Gig mit einem neu entwickelten Controller gespielt. Wir haben ihn dazu interviewt.

Du hast mit deinem neuen, selbst entwickelten Controller in Hamburg Weltpremiere gefeiert. Was war die Grundidee hinter dem Konzept?

Ich wollte ein Add-on-Controller, der sich ohne Umbau in jedes Standard-Club- oder Festival-Setup integrieren lässt. In der Praxis sind die Changeovers oft kurz, die Technik ist fest verkabelt, und jedes zusätzliche Gerät sorgt für Risiko und Verzögerung. Mein Ziel war: ein USB-Kabel an den Rechner, hinstellen, loslegen – kein Chaos, keine Umbaupause, kein Eingriff in das Setup der Acts vor oder nach mir. Gleichzeitig sollte das Gerät mir alle Performance-Funktionen ermöglichen, die ich sonst auf meinem DJM-S11 nutze – plus ein paar Workflow-Vorteile. Kurz: Pro-Level-Performance ohne Setup-Stress.

Wie unterscheidet sich dein Controller technisch von gängigen Modellen? Was macht ihn einzigartig?

Klassische Add-ons wie DDJ-SP1 oder DDJ-XP2 haben mir in der Praxis nie perfekt gepasst: Entweder fehlten RGB-Pads (Layer-Verwirrung in dunklen Booths), oder das Gerät war zu groß und wacklig fürs Fingerdrumming auf Stands. Außerdem brauchen diese Controller weitere USB-Ports – die sind live knapp, wenn schon vier CDJs und ein Mixer am Rechner hängen.

Unsere Lösung: zwei kompakte Reloop Neon in ein maßgefertigtes, steifes Case mit integriertem aktivem USB-Hub und externen Ports. Die CDJs werden am Case eingesteckt, intern ist alles sauber verkabelt, und zum Laptop geht nur ein USB-Kabel. Das Gehäuse ist so geformt und gewichtet, dass es bombenfest auf dem Stand steht – kein Wippen, kein Verschieben. Ergebnis: Setup < 1 Minute, volle Stabilität, klare Pad-Logik mit RGB-Feedback und ein auf Performance optimierter Formfaktor.

Wieso hat dem Markt genau dieser Controller gefehlt? Könnte er von vielen Künstler*innen genutzt werden?

Dem Markt hat er wahrscheinlich nicht gefehlt – mir aber schon.  Viele DJs spielen klassisch über die CDJs und brauchen diese Tiefe nicht. Wer aber performativ arbeitet – Fingerdrumming, schnelle Cue-Routings, Sampler, Rolls – profitiert enorm von großen, hellen Pads und einem One-Cable-Setup. Also kein Massenprodukt, eher ein Werkzeug für Performance-DJs, die sichtbare Interaktion und Tempo lieben.

Du hast Feedback aus der Community ins Design geholt. Welche Idee hat dich besonders überrascht oder inspiriert?

Am meisten hat mich der Vorschlag vom Graffiti-Artist SLIDER geflasht. Wir kennen uns ewig aus Dresden, er hat früher schon Mixtape-Artworks für mich gemacht – und sein Input zur optischen Sprache und Form des Gehäuses hat perfekt getroffen: roher Street-Style, klare Kanten, Farbe statt All-Black – aber immer funktional. Dass ich auf die Idee nicht selbst kam, ist fast peinlich.

Das war wirklich ein perfect match aus Performance-Tool und Bühnen-Ästhetik, die man vorne im Publikum auch wahrnimmt.

Beim Docks war der erste Live-Einsatz. Wie hat sich das angefühlt? Gabs Bedenken?

Das Set hatte Höhen und Tiefen – genau so, wie es in der Realität passiert. Der Aufbau war ein Traum: nach 90 Sekunden stand alles, alle Kabel drin. Dann der Härtetest: Mixer-Kanal defekt, später flog die Fader-Kappe am Linefader ab, ein Player reagierte unzuverlässig. In solchen Momenten zeigt sich, ob ein Tool hilft oder im Weg steht. Mein Controller hat mich gerettet, weil ich schnell zwischen Decks shiften und meine Routings ohne Umverkabeln anpassen konnte. Das war kein Labor-Test, sondern echter Live-Stresstest – und genau da wollte ich bestehen.

Hat sich dein Auflegen dadurch verändert? Spontaner, direkter, experimenteller?

Musikalisch ist mein Set bewusst gleich geblieben – das finde ich gut. Der große Unterschied ist Sicherheit und Geschwindigkeit beim Auf- und Abbau. Ich greife nicht mehr in das bestehende Setup ein und verursache keine Umbaupause. Das nimmt mir den Stressfaktor, hält den Flow des Abends für alle Acts sauber und gibt mir den Kopf frei für das, was zählt: Performance und Crowd. Wenn ich will, kann ich natürlich noch spontaner werden – aber ich habe das Tool so gebaut, dass es mein bestehendes Konzept stärkt, nicht verändert.

Wie reagiert das Publikum auf die neue Technik?

Die meisten Leute kommen wegen der Musik – und das ist auch richtig so. Was ich aber merke: Sichtbarkeit hilft. Große RGB-Pads zeigen die Aktionen, die Hände sind nicht hinterm Mixer verschwunden, und gerade bei Drumming-Passagen versteht man visuell, was passiert. Das macht die Performance greifbarer, ohne dass ich mein Set erklären muss.

Das Projekt entstand im Rahmen der NEX STAGE by glo™ Challenge. Kreative Freiheit oder technische Hürde?

Beides. Es gab Challenges und Community-Votes, die den Rahmen gesetzt haben – aber innerhalb dieses Rahmens hatte ich genug Freiheit, eine Lösung zu bauen, die live wirklich funktioniert. Ich bin froh, dass die Wahl auf den Controller fiel und nicht auf „jemandem das Auflegen beibringen“. DJs gibt’s 2025 wirklich genug. 

Was hat dich an NEX STAGE gereizt – Kunst, Technik, Community so eng zu verbinden?

Wir arbeiten jetzt im zweiten Jahr zusammen. 2024 haben wir ein 360-Grad-Event in Berlin umgesetzt – für mich und die Fans ein Next-Level-Moment. Das Team hört zu, ist offen für Künstler-Ideen und hilft, ambitionierte Konzepte zu realisieren. Genau das wünsche ich mir in Partnerschaften: Enabler-Mentalität statt „so haben wir’s immer gemacht“.

Streetartist SLIDER hat das finale Design gestaltet. Wie kams dazu, und wie wichtig ist die Optik?

Die Dresden-Connection ist real. SLIDER bringt den rohen Street-Look und Farben, die auf der Stage leuchten, wo sonst alles schwarz ist. Mir war wichtig: Form folgt Funktion – keine Show-Teile, die wackeln oder blendend nerven, sondern robust, griffig, sichtbar. Das Gerät soll arbeiten und strahlen – in der Reihenfolge.

Was dürfen Fans musikalisch 2026 erwarten? Neue Projekte?

Ich gehe zurück in die Clubs. Nach vielen großen Festivals – Tomorrowland, Nature One, World Club Dome, Rampage – will ich wieder ganz nah an die Leute. Die Clubszene kämpft; genau dort will ich Energie reintragen und für volle Floors sorgen. Mehr als zehn Termine sind bereits fix, weitere Anfragen liegen auf dem Tisch. Clubs sind das Herz der Szene: Hier machen Menschen ihre ersten Erfahrungen mit elektronischer Musik, hier können aufstrebende Künstler*innen etwas ausprobieren. Deshalb nutze ich meine Reichweite, um gemeinsam mit kleinen Clubs und lokalen Artists diese Tour an den Start zu bringen – und mich auch Raver*innen zu zeigen, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, ein teures Festival zu besuchen. Wenn es dort brennt, folgen auch wieder die großen Festival-Momente. 2026 soll beides passieren: schwitzige Clubnächte und ein starker Festival-Sommer.