
John Law war einer von drei Gründern von Burning Man. 36 Jahre nach der Entstehung des Festivals blickt er kritisch auf dessen Entwicklung. Seit 1996 war er nicht mehr in der Black Rock Desert, dennoch beschäftigt ihn, was aus dem einstigen Underground-Projekt geworden ist.
Law räumt ein, dass Burning Man weiterhin Spaß mache und alte Crews noch immer das ursprüngliche Punk-Industrial-Flair bewahrten. Dennoch sei das Festival „kaum noch wiederzuerkennen“ und habe seine „anarchistische Seele verloren“.
Vor allem die Kommerzialisierung stößt bei Law auf Kritik. Das heutige Burning Man bezeichnet er als „ein fantastisches Disneyland für die gut Betuchten“. Luxuscamps mit privaten Köchen, Stylisten und Charterflüge seien Ausdruck einer Entwicklung, bei der sich Wohlhabende eine komplette Auszeit vom Alltag kaufen könnten.
Das frühe Burning Man habe dagegen auf einer „anarchistischen Zusammenarbeit unter Gleichgestellten“ basiert. Niemand habe das Festival besessen oder allein gelenkt. Es habe keine offizielle Ideologie gegeben, sondern vor allem praktische Zusammenarbeit, gemeinsames Erleben und Abenteuer.
Die Wurzeln liegen für Law in der Underground-Kultur San Franciscos und der Cacophony Society, die aus dem Suicide Club hervorging. 1990 entstand „Bad Day At Black Rock“, bei dem Law und Kevin Evans einen Wüstenausflug organisierten. Eine 40 Fuß hohe Holzfigur wurde errichtet und anschließend verbrannt.
1993 übernahm Burning Man Elemente von Desert Site Works, darunter immersive Installationen, Rituale und Performances. Mehr als 50 Künstler hatten dort gemeinsam eine eigene Welt geschaffen. Für Law begann damit die Entwicklung des Burning Man, wie es heute bekannt ist.
Später sei das Festival massiv gewachsen. Von rund 80 Besuchern im ersten Jahr stieg die Zahl auf 25.000 im Jahr 1999. Einen wichtigen Wachstumsschub sieht Law in der zunehmenden Verbreitung des Internets und einem Wired-Titelbild von 1996.
Auch die Technologiebranche entdeckte Burning Man für sich. Law nennt unter anderem Elon Musk, Sergey Brin, Larry Page, Mark Zuckerberg und Jeff Bezos. Google habe die Veranstaltung sogar in die eigene Unternehmenskultur integriert.
Mit dem Wachstum habe sich auch die soziale Struktur verändert. Aus der anarchistischen Gemeinschaft sei ein hierarchisches und statusorientiertes Event geworden. Besonders deutlich werde das für Law an den Kosten: Tickets kosteten zuletzt annähernd 1.000 US-Dollar, hinzu kämen erhebliche Ausgaben für Anreise und Versorgung.
Kritisch sieht Law zudem die sogenannten Plug-and-Play-Camps. Diese exklusiven Enklaven können Tausende Dollar kosten und bieten unter anderem Starköche, luxuriöse Unterkünfte sowie professionelle Unterstützung bei Kostümen und Art Cars.
Auch organisatorisch sei Burning Man längst eine größere Institution. Die Organisation habe Land rund um die Wüste und in Gerlach gekauft und Ende der 1990er-Jahre eine professionelle PR-Abteilung eingerichtet.
Law selbst war zeitweise an einem Rechtsstreit beteiligt, mit dem die Markenrechte in die Gemeinfreiheit überführt werden sollten. Sein Grundgedanke sei gewesen: „Niemand sollte dieses Ding besitzen.“
Trotz seiner Kritik hält Law Burning Man nicht für einen Betrug. Das Erlebnis könne für Besucher weiterhin intensiv und immersiv sein. Sein entscheidender Einwand lautet: „Aber es ist nicht das, was wir geschaffen haben.“
Das ursprüngliche Festival habe von Kameradschaft, gemeinsamer Arbeit und selbst geschaffener Kunst gelebt. Jeder habe seine eigenen Kostüme, Kunstwerke und Art Cars angefertigt. Gerade diese Eigeninitiative habe Burning Man für Law zu einem Ausdruck des damaligen Zeitgeists von San Francisco gemacht.
Quelle: The San Francisco Standard
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