
Tinnitus gehört zu den großen Gesundheitsrisiken der Clubkultur: Wer regelmäßig in sehr lauten Räumen arbeitet oder feiert, setzt sein Gehör einer dauerhaften Belastung aus. Eine neue Entwicklung in der Forschung sorgt nun für vorsichtigen Optimismus. Forschende von UConn Health haben in zwei klinischen Studien erhöhte Werte des Innenohr-Proteins Prestin im Blut von Menschen mit Tinnitus nachgewiesen. Prestin sitzt in den äußeren Haarzellen der Cochlea, die für die Verstärkung und Feinabstimmung von Schall im Innenohr wichtig sind.
Eine Heilung ist damit allerdings noch nicht gefunden. Die Studien gelten zunächst als wichtiger Hinweis darauf, dass Tinnitus künftig objektiver messbar werden könnte. Bislang beruht die Diagnose vor allem auf den Angaben der Betroffenen. Auch die Forschenden selbst mahnen zur Vorsicht: Die Ergebnisse müssen in größeren Studien bestätigt werden. Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass bislang kein einzelner Biomarker für eine eigenständige klinische Diagnose ausreicht.
Gerade für DJs und Produzenten ist das Thema seit Jahren relevant. Studien zu DJs in Nachtclubs zeigen, wie hoch das Risiko sein kann: In einer Untersuchung berichteten 74 Prozent der befragten DJs von Tinnitus, während in Clubs Lautstärken von bis zu 108 dB(A) gemessen wurden. Eine weitere Studie kam zu dem Ergebnis, dass drei Viertel der untersuchten DJs Tinnitus hatten, der mit messbaren Hörverlusten zusammenhing.
Auch prominente Namen aus der elektronischen Musik haben öffentlich über Hörprobleme gesprochen. Thomas Bangalter von Daft Punk soll bereits 2002 angekündigt haben, nicht mehr in Clubs aufzulegen, um sein Gehör zu schützen; damals war von Tinnitus und möglicher Schwerhörigkeit die Rede. Später wurde berichtet, dass sich sein Zustand wieder verbessert habe.
Richie Hawtin wird ebenfalls immer wieder als Beispiel für einen Künstler genannt, bei dem Tinnitus die Arbeit als DJ beeinflusst habe. Konkrete Details sind öffentlich nur begrenzt dokumentiert, doch mehrere Berichte führen ihn neben Bangalter als prominente Stimme in der Diskussion um Hörschutz in der elektronischen Musik an.
Carl Craig hat laut Vice eingeräumt, selbst unter Tinnitus zu leiden. In dem Bericht heißt es außerdem, er nutze Aufnahmen tibetischer Klangschalen, um sein Gehör nach Belastungen zu „resetten“.
Weitere Beispiele zeigen, wie verbreitet das Problem ist: Moby berichtete, dass das Klingeln in seinen Ohren nach einem Punk-Konzert nicht mehr verschwand und er erst danach konsequent auf Gehörschutz setzte. Larry Heard erklärte gegenüber Resident Advisor, Clubauftritte wegen Hörschäden weitgehend aufgegeben zu haben.
Die beiden Studien findet ihr hier und hier.
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