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Das Her Damit Festival, das vom 8. bis zum 10. Mai in Prora auf Rügen stattfand, markierte für viele den Auftakt in die diesjährige Festivalsaison. Wie schon letztes Jahr kann das Event in Sachen Location mit der Feder der Exklusivität schmücken. Direkt am Ostseestrand auf dem Gelände einer modernen Jugendherberge gelegen, verspricht das Her Damit nicht nur Abwechslung vom üblichen Wiese-am-See-Konzept, sondern verbindet auch schweren geschichtlichen Hintergrund. Als gescheitertes Großprojekt der Nazis steht der Koloss von Prora mahnend am Strand, nur ein kleiner Teil des Komplexes ist in Benutzung. Mit dem Her Damit Festival, das letztes Jahr noch unter dem Namen Her Mit Dem Schönen Leben aktiv war, rückt dieser Teil Rügens aber für ein Wochenende in ein anderes Licht.

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Leider muss man sagen, dass dieses Jahr der dominierende Aspekt die geringe Besucherzahl war. Mit Bahnstreik, kühlen Temperaturen sowie Regen, kamen einige Sachen zusammen, für die die Veranstalter sicherlich nichts können, der Eindruck als Besucher blieb trotzdem ein wenig getrübt. Freude hingegen verbreitet das Line-up, welches eine handverlesene Auswahl an Künstlern war, unter anderem Levon Vincent, Mike Huckaby, Marcel Fengler, Roman Flügel, Job Jobse, Karocel, Henning Baer, Dario Zenker, ItaloJohnson, Fjaak, Christian Löffler, Oliver Schories und viele weitere.

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An den eingeladenen Künstlern zeigt sich, dass das Her Damit Festival ein Platz für Liebhaber ist, die tiefer in der Szene stecken. Unbeeindruckt von aktuellen Trends, großtönigen Headlinern oder wahnsinnigen Shows, wurden DJs eingeladen, die kompromisslos ihr Ding machen und auf eine ganz eigene Art für besondere Momente sorgen. So war von Dub über House bis Minimal Techno alles auf den fünf Floors vertreten. Von brachialen Klängen im Bunker bis hin zu verträumten Melodien auf den Outdoor-Bühnen.

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Letztes Jahr blieb mir das Festival lange in Erinnerung, weil es mit viel Liebe zum Detail organisiert wurde, die Stimmung war familiär und sehr gemeinschaftlich. Es ist kein Festival, welches Menschen aus ganz Europa zieht, sondern es ist ein kleiner Geheimtipp oben an der Küste. Und trotz etwas leeren Floors kam auch genau dieses Gefühl wieder auf. Schade nur, dass einige Highlights wie Mike Huckaby oder ItaloJohnson eben etwas vorbeiliefen, weil die große Halle nicht so recht warm werden wollte. Dafür ging es auf den beiden kleineren Indoor-Floors, dem Bunker und dem Kabinett, deutlich intensiver zu.
Zudem hat das Her Damit meinen persönlichen, erstaunlicherweise undotieren Preis als Festival mit dem besten Essen zu gewinnen. Abseits von zweifelhaftem Festivaldöner, einer kalten Dose Ravioli oder einer Bratwurst mit dem Hauttyp John Boehner, gab es stattdessen empfehlenswerte Foodtrucks mit unterschiedlichsten Gerichten. Von daher hoffe ich innigst, dass die etwas magere Besucherzahl und die Fear-and-Loathing-artigen Zustände in der Jugendherberge nicht der dritten Episode des Her Damit einen Strich durch die Rechnung machen. Denn wer sich nicht mehr auf große Festivals trauen mag, um x-beliebigen Acts auf unpersönlichen Rießenstages zuzuhören, hat mit dem Her Damit eine absolute Empfehlung für ein Festival. Es ist nicht jedermanns Sache, aber eben etwas für Liebhaber.

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