
HiTech – das ist die Zukunft des Detroit-Techno. Oder genauer gesagt: ein DJ-Trio aus der Entstehungsstadt der Techno-Musik, das mit seinen Ghetto-Tech-Stücken und -sets den Sound of Detroit revolutioniert und in die Welt trägt. Gerade veröffentlichten die Jungs ihr neues Mixtape „HONEYPAQQ Vol. 1“, das die Produktionen der letzten zwölf Monate beinhaltet. Außerdem traten HiTech vor Kurzem auf dem Fusion Festival und in Berlin auf. Wir haben mit King Milo, Milf Melly und 47chops während ihres Deutschland-Aufenthaltes gesprochen und dabei mehr über die heutige Berlin-Detroit-Connection, die Botschaft hinter ihrer Musik und über sie selbst erfahren.
Viele denken bei Detroit-Techno an eine Retrospektive. Durch die damalige Detroit-Berlin-Connection, den Austausch zwischen Akteur*innen der elektronischen Musik in beiden Städten, schwappte das damals neue Genre aus den USA nach Europa über.
Doch die drei Jungs von HiTech beweisen: Bei der Verbindung muss es sich keinesfalls um etwas Antiquiertes handeln, solange man sie aktiv aufrechterhält – und genau dazu tragen HiTech bei. In Berlin waren sie schon einige Male, so auch in diesem Sommer nach ihrem Auftritt beim Fusion Festival.
Sie starten in unser Interview mit den Worten: „Alright, let’s do some sexy shit“. Die lockere und lustige Art der drei zieht sich durch das gesamte nachfolgende Gespräch.
Es heißt, dass sich HiTech durch ein Video der Plattform PornHub kennengelernt hätten: Sie sprechen von so etwas wie einer Sex-Party. Allerdings ist nicht herauszufinden, ob die Story von den Jungs ernst gemeint ist. Aber gut, es soll ja auch um die Musik von HiTech gehen.
Stichwort: Ghetto-Tech. Das Genre entstand in den frühen 1990er-Jahren in Detroit aus einer Fusion von Detroit-Techno, Miami-Bass, Ghetto-House und Electro. Wir fragen bei HiTech nach: Das Genre sei in Detroit sehr beliebt und schon lange verankert. Sie nennen eine Vielzahl von DJs, die sie inspiriert haben. Vereinzelt sind die Mitglieder von HiTech schon über ein Jahrzehnt in der dortigen Szene unterwegs, als Kollektiv seit einigen Jahren. Gemeinsam haben sie dem originalen Ghetto-Tech einen neuen Anstrich verliehen.
HiTech beschreiben ihre eigene Musik als 100 Prozent Ghetto-Tech, die aber gleichzeitig „schon irgendwie auch eine Mischung aus elektronischem Rap“ und „definitiv Techno“ sei. Letztendlich würden sie „einfach ihr eigenes Ding machen“. Das Resultat: „Futuristisch und gleichzeitig nostalgisch“. Manche Tracks seien „emotionaler“, andere tanzbarer. Es gehe um die „Energie und Verbindung“ der Menschen, um Gefühle, Emotionen der Freude und Freiheit, vielleicht aber auch manchmal des Unbehagens.
HiTech sind für den gesamten Prozess verantwortlich, schreiben, produzieren und mischen alles im DIY-Verfahren selbst ab. Techno habe sie ihr ganzes Leben lang begleitet: „Detroit ist Techno“. Für HiTech ist laut eigener Aussage der Detroit-Sound jedoch mehr als eine bestimmte Musik, es stecke eine Mentalität dahinter, die gleichzeitig Schönheit, aber auch Rauheit beinhalte.
In der Berlin-Detroit-Connection, sagen sie, sei man „wie Brüder und Schwestern“. Über die Verbindung zwischen Underground Resistance und dem Tresor wissen sie bestens Bescheid, über die Berliner Szene lernen sie jeden Tag, erklären sie – so auch am Tag des Interviews, an dem die Jungs einen Gig in der deutschen Hauptstadt geben.
Der Unterschied zwischen der Crowd in Detroit und Berlin? Die Antwort: Es gebe eigentlich gar keinen so großen Unterschied bei ihren Gigs, die Leute wollten „alle eine gute Zeit haben und tanzen“. Das ist auch die Intention hinter der Musik von HiTech: „einen Raum [zu] schaffen, in dem man loslassen“ und gleichzeitig „Dinge ausdrücken“ kann.
HiTech während einer ihrer Auftritte in den USA:
Das beweisen HiTech nicht nur während ihrer Auftritte, sondern auch auf ihrem neuen Mixtape „HONEYPAQQ Vol. 1“, das am 23. Mai über Loma Vista Recordings erschienen ist.
Aus dem FAZEmag 162/08.2025
Text: David Fuchs
Credit: Loma Vista Recordings
www.hitechdetroit.co