Hochgelobter Kinofilm „Sirat“: Vater sucht Tochter in Wüsten-Raves


Inmitten einer bizarren Klanglandschaft aus donnernden Bässen und flimmernder Hitze startet „Sirât“ mit einem eindrücklichen Bild: Lautsprecherboxen türmen sich zu einer Mauer, die sich wie selbstverständlich in das Felsmassiv der marokkanischen Berge einfügt.

Diese „wall of sound“ wird bald das Hochgefühl schlaflos tanzender Körper befeuern – oder, aus Sicht der Suchenden, ein Lärmteppich, in dem Orientierung unmöglich scheint. Regisseur Oliver Laxe führt sein Publikum in „Sirât“ an die äußersten Grenzen von Raum, Klang und Bewusstsein. Er ist bekannt für seine spirituell aufgeladenen Werke.

Der Film erzählt die Geschichte eines Vaters (Sergi López) und seines Sohnes, die auf einem abgelegenen Ravegelände nach der verschwundenen Tochter Mar suchen. Sie verschwand vor Monaten irgendwo zwischen ekstatischem Tanz, pulsierendem Licht und der verführerischen Freiheit endloser Partynächte.

Sirât“ ist mehr als ein Familiendrama. Der Film ist eine cineastische Grenzerfahrung, roh und kompromisslos. Mit hypnotischen 16mm-Bildern und einem treibenden Soundtrack von Kangding Ray begibt sich das Publikum auf eine Reise durch Schmerz, Stille und Ekstase.

Atemberaubendes Sound-Design

Die Suche nach Mar wird zum existenziellen Trip – durch eine glühende Wildnis, in der sich die Figuren selbst zu verlieren drohen. Das Sound Design spielt dabei eine zentrale Rolle. Laia Casanovas schafft in der Eröffnungsszene mit ihrer Klangarchitektur nicht nur Atmosphäre, sondern auch dramaturgische Tiefe.

Geräusche und Musik fließen ineinander, lassen sich kaum voneinander trennen. Für die feiernden Raver ist es Rhythmus, für Luis, den Vater, ist es Lärm – ein unaufhörlich pochender Puls, der ihn zugleich anzieht und abstößt.

Der Film bewegt sich zwischen berauschender Ekstase und nackter Verzweiflung. Der Weg führt immer weiter, tiefer in die Wüste hinein – an einen Ort, an dem eigentlich nur noch der Wind zu hören sein müsste.

Doch selbst dort hallen die Beats noch nach, wie Erinnerungen, die sich nicht abschütteln lassen. Das Sound Design wird zum Motor der Bewegung, zum Spiegel der inneren Reise. „Sirât“ wurde in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet – gemeinsam mit „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski.

Beide Filme überzeugten mit einer außergewöhnlichen Tondramaturgie. Die Juryentscheidung ist auch ein Statement: Audiovisuelle Gestaltung kann Handlung und Emotion gleichberechtigt tragen – vielleicht sogar überwältigen.

Kritiken überschlagen sich mit Lob: Variety nennt den Film „ein irrwitziger Roadtrip durch das Wüstenfegefeuer – verstörend, faszinierend und mit Kultpotential“. The New Yorker beschreibt ihn als „albtraumhaftes wie auch berauschendes Erlebnis – durchzogen von außergewöhnlicher Liebe und Zärtlichkeit“.

Quelle: EPD

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