
Nach 25 Jahren ist Schluss: Kay Shanghai kündigt das Ende seines Clubs Hotel Shanghai in Essen an.
Der Club an der Steeler Straße, einer der ältesten in NRW, war seit 2003 ein Hotspot für elektronische Musik und Konzerte. Hier legten Deichkind ihre ersten Elektro-Sets auf, Wanda spielten vor ihrem Durchbruch, Boy George und Giorgio Moroder gaben Gastspiele.
Das Gebäude hat eine lange Geschichte, schon in den Sechzigern beherbergte es das noble Kaleidoskop, später das progressive „Siggi’s Kalei“. Mit Kay Shanghai erhielt es eine neue Identität, die bundesweit strahlte.
Nun aber schließt der Club nach der kommenden Saison. „Ich will eine Familie gründen!“, sagt Shanghai im Interview mit dem Tagesspiegel. Seit einem Jahr lebt er alkoholfrei. „Freunde haben sich um mich gesorgt, ich habe sie noch verlacht und mein Verhalten am nächsten Tag immer überspielt.“
Er habe erkannt, dass er sein Leben ändern müsse. All die Jahre seien „Rock’n’Roll und haben Spaß gemacht“, doch irgendwann sei er zu weit in die falsche Richtung gegangen. Seine Karriere begann schon 2000 im Flamingo-Club am Pferdemarkt, wo er im Toiletten-Vorraum auflegte.
„Ich bin sehr dankbar für diese Zeit – und dafür, dass ich die Kraft hatte, das so lange zu machen.“ Nun plant er ein neues Kapitel, möchte in Mülheim für Die Partei als Oberbürgermeister kandidieren und gleichzeitig eine Familie gründen.
Politisch wollte er „den Rechten ein paar Stimmen abnehmen“. Heute gehe es ihm auch darum, Minderheiten sichtbar zu machen, etwa die LGBTQ-Community. Lange sprach er selbst kaum offen über seine Homosexualität.
2022 wurde er als erster deutschsprachiger Gayrapper bekannt. „Da beneide ich alle meine jungen Freunde, die mit Stolz im engen Crop-Top rumrennen.“ Mit Partys wie „Lollywood“ etablierte er ein Format für queeres Feiern im Ruhrgebiet.
Das Hotel Shanghai war nie ein reiner Schwulenclub, zog aber viele Menschen an, „die ihre Schubladen rausreißen wollen“. Unter bunten Kulissen und einem DJ-Pult aus Phallussen entstand eine Community, die er selbst „Freaknation“ nennt.
Neben persönlichen Motiven nennt Shanghai gesellschaftliche Gründe. „Die Menschen werfen sich nicht mehr so in die Nacht.“ Früher sei Exzess bei elektronischer Musik fast vorprogrammiert gewesen, heute herrsche Unsicherheit.
„Mit angezogener Handbremse zu 150 bpm“, so beschreibt er das Gefühl. Auch wirtschaftlich seien die Zeiten härter geworden. Einen Verkauf schloss er aus, das Gebäude ist baufällig und wird abgerissen.
„Ich habe mich noch nie richtig von etwas getrennt, kann ja selbst alte T-Shirts kaum wegwerfen.“ Umso wichtiger ist ihm ein fulminanter Abschied. „Wir wollen nochmal nach den Sternen greifen“, kündigt er an.
Zum Finale kehren viele Künstler zurück. Am 6. September eröffnet DJ Hundefriedhof die Saison. Am 2. Oktober folgt das Duo AndHim, am 8. November tritt Dominik Eulberg auf. Am 14. November schließlich spielt Purple Disco Maschine ein exklusives Club-Set. Weitere Acts kündigt das Hotel Shanghai über Instagram an.
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Quelle: Tagesspiegel
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