Instagram löscht queere Kollektive: Berliner „Gegen“ betroffen

Mehr als ein Dutzend queere Nachtleben-Kollektive weltweit werfen Meta vor, ihre Instagram-Accounts grundlos gesperrt oder gelöscht zu haben.

Die Gruppen sprechen von „digitaler Zensur“, da ihnen dadurch Sichtbarkeit, Reichweite und wirtschaftliche Grundlage entzogen werde. Betroffen sind Organisationen in Berlin, Santiago, Bangkok und weiteren Städten.

Auch das Berliner Kollektiv „Gegen“ ist betroffen. Seit 15 Jahren ist die Partyreihe und das Label fester Teil der queeren, sexpositiven Szene. 2025 wurde der Instagram-Account laut Mitgründer Mar/us mehrfach gelöscht, erstmals am 17. August und erneut am 7. Oktober, ohne Vorwarnung oder Begründung.

Meta habe die Sperren mit einer unbegründeten Anschuldigung der „menschlichen Ausbeutung“ erklärt. Einspruchsmöglichkeiten oder Beweise habe es nicht gegeben. „Unsere Inhalte wurden nie wegen expliziter oder sexueller Inhalte beanstandet“, erklärte Mar/us.

„Sie feiern queere Kultur, Community und Body Positivity.“ Nach der Löschung von Gegens Profil verschwanden auch die Accounts zweier Mitgründer aufgrund der Verknüpfung. Laut Gegen verstoße das Vorgehen gegen das EU-Gesetz über digitale Dienste sowie gegen Metas eigene Vertragsbedingungen.

Eine Stellungnahme des Unternehmens wurde angefragt. Ähnliche Fälle gibt es international. In Bangkok wurde das Profil des Clubs Horn mit rund 8.000 Followern ohne Vorwarnung gesperrt. Gründer Korn berichtete, der neue Account habe nur etwa 20 Prozent der Reichweite zurückgewonnen.

„Unsere Besucherzahlen und der Umsatz im Club waren in den Wochen nach der Sperrung unmittelbar und spürbar beeinträchtigt.“ In Paris wurden beim Kollektiv Replicant Events im August alle acht Accounts dauerhaft gesperrt.

Erst nach juristischem Druck und der Intervention von Bürgermeisterin Anne Hidalgo wurden sie wiederhergestellt. In Santiago verlor Chachorros kurz vor 15.000 Followern seinen Account und wichtige WhatsApp-Kontakte. Die finanziellen Folgen sind erheblich.

Chachorros schrumpfte von 30 auf zehn Mitarbeiter, Ticketverkäufe fielen von rund 800 auf kaum noch 120 pro Event. Gründer Camilo sagt: „Instagram schränkt in seiner jetzigen Form den künstlerischen Ausdruck und die kulturelle Entwicklung ein.“

In der Community macht sich Wut breit. „Nach dem Spotify-Boykott sollten wir 2026 anfangen mit Insta, Whatsapp und Meta generell. Lasst sie spüren, dass wir die Technologie besitzen, nicht umgekehrt“, schreibt ein User auf Instagram.

Damit ist er nicht alleine. „Ein neuer Tiefpunkt für Meta“, meint eine weitere Nutzerin. „Ich hoffe, es motiviert Menschen zu neuen Social Networks zu wechseln, wie z. B. Upscrolled oder Pixelfed.“ Andere bringen zudem Mastodon und Bluesky ins Spiel.

Quelle: Resident Advisor

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