LORAW – Harter Modus

Loraw stammt aus einem kleinen Dorf namens Ittlingen in der Nähe von Hoffenheim. Fußballfans könnten den Ort aufgrund des Bundesligavereins TSG kennen. Und Laura – so Loraw bürgerlich – spielte dort in der Jugend als Torhüterin. Auf den Busfahrten zu den Auswärtsspielen liefen Future-Trance-CDs — Loraws erster Kontakt zu elektronischer Musik. Mit 18 Jahren besuchte sie dann Clubs, in denen vorwiegend Hard-Techno und Schranz gespielt wurden, genauso wie auf den anschließenden Afterpartys bei ihren Freunden. Im Jahr 2016 ging es dann so richtig los.

Wie kam es zu deinem Gig beim USB-Hard-Techno-Festival 2016 im Butan Club?

Ich hatte den DJ-Contest gewonnen. Neben Artists wie O.B.I und Waldhaus & Weichentechnikk durfte ich das Opening auf dem Mainfloor machen. Und dann auf einer USB-Party. Das war für mich ein prägendes Ereignis. Auch heute noch habe ich mit vielen Leuten vom United Schranz Board zu tun, release mit ihnen oder werde von ihnen gebucht. Ein weiterer besonderer Moment war für mich der Eintritt in die SAE Stuttgart. Ab dann habe ich angefangen, mein Hobby zum Beruf zu machen.

Dein Sound ist kompromisslos roh und dennoch melodisch. Wie entsteht ein typischer „LORAW“-Track – und was macht für dich eine gute Hard-Techno-Produktion aus?

Wenn mir eine Idee entgegenspringt, notiere ich sie mir. Im Studio fange ich meistens mit Beat- und Kickloop an. Ich tweake und schnipple mir die Samples zurecht und pitche sie. Dabei probiere ich viel aus und achte darauf, dass ich die Produktion fühle. Sobald das Arrangement Beat-technisch steht, mache ich mich an die Midi-Noten, die ich an externe Hardware-Synths schicke und recorde. Hierbei liebe ich es, nochmal Hands on an den Filter-Cut-off zu werfen. Dann geht es zum Mastering.

Du arbeitest in deinen Produktionen mit analogem Gear, Field Recordings und viel Distortion. Was reizt dich an diesem experimentellen Ansatz besonders, und wie hat sich dein Sound dadurch verändert?

Ich finde es toll, beide Hände an meinen Drehreglern zu haben und so in den Sound einzugreifen. Die Sherman-Filterbank zum Beispiel ermöglicht es, einen reichen, analogen Sound zu erzeugen, mehr Noise-Anteil hinzuzugeben oder gar perkussiver zu machen. Es dauert insgesamt etwas länger, bis alles verkabelt und geroutet ist, es bietet aber viel mehr Möglichkeiten im Sounddesign. Ich denke, dass mein Sound dadurch einzigartig geworden ist.

Mit „Harter Modus“ hast du eine eigene Eventreihe mitaufgebaut. Was war eure ursprüngliche Vision – und wie hat diese Plattform deine Entwicklung als Artist beeinflusst? Worauf legt ihr bei dieser Eventreihe besonderen Fokus?

Die Vision von „Harter Modus“ ist es, die besten internationalen Acts nach Süddeutschland zu holen und mit unserer Partycrew eine tolle Zeit zu erleben. Ich hatte dadurch schon früh mit meinen Lieblingsartists Kontakt und durfte in Eventabläufe eintauchen, quasi von Artist Care zur Eventpromoterin. Einen besonderen Fokus legen wir auf qualitativen Sound aus der ganzen Welt. Artists aus Kolumbien, Venezuela, Brasilien, Spanien und Frankreich, Ungarn und Tschechien konnten wir bereits zu uns holen.

Du warst in den letzten Jahren auf mehreren Kontinenten und in vielen Ländern unterwegs, u.a. Japan, Kolumbien und Peru. Wie unterscheiden sich die Hard-Techno-Communities weltweit? Hat dich eine Szene besonders überrascht?

Ich beobachte die Szene schon über zehn Jahre weltweit und bin immer froh, Gleichgesinnte aus anderen Ländern zu treffen. Für mich ist Schranz eine große Familie, ob in Kolumbien, Peru oder Japan. Von der Menge und Intensität würde ich jedoch behaupten, dass Kolumbien neben Deutschland eines der stärksten Länder ist. Ich habe es so erlebt, dass die Menschen dort, vor allem in Bogota, die Szene leben.

Hard-Techno und Schranz erleben seit der Corona-Pandemie ein massives Revival. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr – und welche Rolle möchtest du selbst in dieser Bewegung spielen?

Ich erinnere mich noch genau an eine Party im Lehmann Club, als ich zu einer „Definition of Hardtechno“ von OBI gebucht wurde, kurz vor der Pandemie. Ich diskutierte mit meinen Freunden über den Mangel an neuen Hard-Techno- und Schranz-Releases. Mit der Pandemie kam plötzlich der Aufschwung, und Schranz und Hard-Techno verzeichneten einen massiven Anstieg an neuen Produzenten. Ganz genau das, was wir vermisst hatten.

Wie schaffst du es, als international tourende DJ/Produzentin und Organisatorin von Clubnächten, trotz des vollen Terminkalenders geerdet und auf dein Handwerk fokussiert zu bleiben? Wo findest du Inspiration abseits der Musikszene?

Ich wühle förmlich in der Erde: Daheim arbeite ich zusätzlich auf Minijob-Basis auf einem Kartoffelhof. Dieser Wechsel hilft mir, Abwechslung zu schaffen und mich mit der Natur zu verbinden.

Top Three Alltime

 

Aus dem FAZEmag 166/12.2025
Text: Leona Menn
Foto: Phelina Bodtländer
www.instagram.com/loraw_official/

 

Bootshaus startet 2026 mit DJ Contest auf 3 Floors