„Maschinenmusik“: Tagsüber Physiklehrer, abends Live-Techno

Tagsüber steht Karsten Alfermann vor der Tafel im Hamelner Schiller-Gymnasium, abends produziert er Techno.

Der 61-Jährige unterrichtet seit 2007 Physik und führt, wie er selbst sagt, ein Doppelleben. Im Klassenraum mit grauer Strickjacke und Brille, nach Feierabend mit Kopfhörern und Beats statt Pausengong.

Unter dem Namen „Maschinenmusik“ veröffentlicht er auf Streaming-Plattformen und in sozialen Medien eigene Tracks und Videos. Auf Instagram spielt er mit dem vermeintlichen Widerspruch seiner Person.

Dass ein Physiklehrer über sechzig Techno macht, kommt an der Schule gut an. Vor rund zwei Jahren fragte ein Schüler im Unterricht: „Sind Sie ‚Maschinenmusik‘?“ Inzwischen kennt ein Großteil der Schule seinen Künstlernamen.

„Das ist komplett tuff“, kommentierte ein Schüler unter einem Beitrag. „Vor kurzem hat jemand gesagt, ich hätte Aura“, erzählt Alfermann gegenüber DEWEZET. Den Begriff habe er erst googeln müssen, dann verstanden: Gemeint sei eine positive Ausstrahlung.

Social Media sei für ihn anfangs eine „völlig neue Welt“ gewesen. Als eher introvertierter Mensch habe es Überwindung gekostet, Videos zu posten und die eigene Komfortzone zu verlassen. Heute beobachte er, wie die Hemmschwelle sinkt.

Bei manchen Clips habe er sich zuvor noch gefragt: „Mache ich mich da jetzt zum Affen?“ Auch die Frage, ob man zu alt für Techno sei, thematisiert er. Für ihn ist klar: ausgeschlossen. Vorbilder sind Produzenten wie Paul Kalkbrenner sowie Sven Väth und Carl Cox.

Seine naturwissenschaftliche Expertise fließt ein. In Videos erklärt der promovierte Lehrer etwa die Fletcher-Munson-Kurven und warum das Gehör Frequenzen bei verschiedenen Lautstärken unterschiedlich wahrnimmt.

Musik produziert er im Arbeitszimmer, wo er auch Klassenarbeiten korrigiert. Seine Tracks erscheinen seit 2022 online, unter anderem auf Spotify. Beiträge teilt er auf Instagram, Facebook, YouTube und TikTok.

Viele Schüler folgen ihm, doch er folgt erst zurück, wenn er sie nicht mehr unterrichtet, um Distanz zu wahren. Vor Techno spielte Alfermann in den 90ern Keyboard in einer Reggae-Band. „Ich war nicht sonderlich gut, aber es hat gereicht“, sagt er und lacht.

Seine Songs zerlegt er in Einzelteile und fügt sie live wieder zusammen. Er verstehe sich deshalb vor allem als Live-Act und nicht als DJ.

 

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Quelle: DEWEZET

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