
Eine außergewöhnliche NATURE ONE bot sich den 50 000 Besuchern, die dieses Jahr eines der traditionsreichsten Festivals der elektronischen Musik besucht haben. Zur 28. Ausgabe lief nicht alles reibungslos, was vor allen Dingen dem Wetter geschuldet gewesen ist. Das tat dem Rave an sich jedoch keinen Abbruch.
„Liebe NatureOne-Community, es bricht uns das Herz, aber im 29. Jahr müssen wir uns für die weitere Camping-Anreise erstmals dem Wetter geschlagen geben. HEUTE IST KEINE WEITERE CAMPING-ANREISE MEHR MÖGLICH!“ Mit diesen Worten meldete sich der Veranstalter I-Motion am Freitagmorgen mitten im bereits stattfindenden Camping-Geschehen, noch vor der ersten Nacht auf dem Festivalgelände. In diesem Punkt erwies sich die frühere Anreisemöglichkeit auf das legendäre CampingVillage bereits ab Mittwoch als sehr sinnvoll. Aufgrund wochenlanger Regenfälle waren die Felder des Campingplatzes der NATURE ONE im Hunsrück, Nahe der Kleinstadt Kastellaun, teilweise so matschig, dass 40 Prozent der Flächen nicht genutzt werden konnten und sich die Veranstalter letztendlich den Wetterbedingungen geschlagen geben mussten. Zum ersten Mal in der Camping-Geschichte des Festivals, das seit 1997 einen Campingplatz zum eigentlichen Festivalgeschehen auf der Raketenbasis Pydna anbietet, musste die Anreise gestoppt werden. Die Flächen seien so nass, dass Zufahrten „selbst mit Baggern und Schotter kurzfristig nicht ausreichend“ ausgebessert werden könnten. Man müsse deshalb verantwortungsbewusst handeln. Circa 10 000 Raver der erwarteten 60 000 konnten deshalb nicht mehr anreisen.

Der Stimmung beim Festival tat dieses jedoch keinen Abbruch. Die 50 000 Raver, die die 28. Ausgabe der NATURE ONE von Donnerstag bis Sonntag feierten, zelebrierten in Rave-Manier so, wie man es von einem der ältesten Festivals der elektronischen Musik in gewohnt ist und ließen sich nicht von Regen und Matsch aufhalten. Manche Raver wühlten sich absichtlich im Matsch und feierten, als gäbe es kein Morgen. Lieblings-Rave-Accessoire: Gummistiefel. Samstag tagsüber schien sogar stundenlang die Sonne, während man im Schlamm stand. Trotzdem verteilten sich auf dem Campingplatz überall aufgebaute Bühnen von Crews aus diversen Bereichen der elektronischen Musik. DEX!T Techno beispielsweise, die in zwei Wochen mit eigenem Float an der Rave The Planet Parade in Berlin teilnehmen, hatten eine Bühne auf dem Feld F13 aufgebaut, die größer war als das offizielle Opening von DasDing. Das DasDing-Opening zelebrierte die erste Nacht von Donnerstag auf den Freitag, in der das Festival ausschließlich auf dem Campingplatz stattfindet, neben zahlreichen weiteren Bühnen von LG-Events aus den Niederlanden oder anderen seit Jahren auf dem CampingVillage etablierten Stages von Campury Circus, Feierschweine e. V., Bassfamily, dem Schnaxel Camp und vielen mehr. MinuPren lud im Eskalieren Camp zum 24-Stunden-Marathon mit einigen Gästen ein, Neelix bespielte den Campingplatz am Samstag ab 17 Uhr, nachdem er in der Nacht zuvor noch den OpenAir-Floor, den Mainfloor auf dem Festivalgelände, bespielt hat – und ließ sich im Anschluss über den Campingplatz fahren. Vielleicht eines der auffälligen Merkmale der NATURE ONE: bekannte DJs, die auf privaten Camping-Stages auflegen und sich selbst voll ins Festival-Feeling stürzen. NATURE ONE – das ist wie zwei große Festivals nebeneinander – das legendäre CampingVillage mit unzähligen Bühnen auf Feldern und das Festivalgelände auf der Raketenbasis Pydna.

Hier die Eindrücke eines privaten Nutzers vom Floor des Veranstalters DEX!T Techno auf dem Campingplatz:
Eindrücke des Veranstalters vom CampingVillage:
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Auf dem Festivalgelände spielten insgesamt 350 DJs auf 22 Floors – eine unglaublich hohe Dichte an Szeneakteuren, bekannten und Underground-DJs und -Acts, die Seite an Seite spielen. An jeder Ecke kann man etwas anderes entdecken. Ob Open-Air auf dem Open Air Floor (Mainstage), im Zelt zu Techno und Hardtechno im Century Circus, in der neuen Syndicate Zone mit Harder Styles oder einem eigenen Zelt vom Bootshaus Köln, in Tunnel-Bunkern zu Floors von HE.SHE.THEY oder auch Acid Wars oder auf den Bunkerhügeln oben drauf zu Floors von Heaven & Hill Festival meets Hexenhouse oder auch SUNSHINE LIVE meets FAZEmag. Der letztgenannte gemeinsame Floor des Magazins und des Radiosenders für elektronische Musik befand sich auf einem der vorderen Bunkerhügel. Im Zelt entstand Indoor-Feeling, vor dem Zelt hatte man den perfekten Blick auf das Gelände und den Open Air Floor – aus etwa zehn Metern Höhe. Eines der Highlights des Floors: Klaudia Gawlas legte nicht nur im großen Century Circus auf, sondern spielte auch ein exklusives Set auf dem Clubfloor des FAZEmag und SUNSHINE LIVE.

Die ehemalige Atomraketenbasis bot optimales Facettenreichtum und brachte eine Message rüber, die in heutigen Zeiten wieder wichtiger denn je erscheint: Am Eingang zum Gelände standen Militärfahrzeuge mit der Aufschrift „Make Raves Not War“ und einem Peace-Zeichen – passend zu der bewegten Geschichte des Geländes. Bewegend war auch das Set von DJ Quicksilver auf dem Classic Terminal. Er spielte ein Tribut an den verstorbenen Thomas Bruckner aka Tomcraft, der ursprünglich selbst dort hätte auflegen sollen und wenige Wochen vor dem Festival von uns ging. Spätestens bei den Zeilen seines legendären Tracks „Prosac“ („Hast du genug getan? Hast du auch allen gesagt, wie lieb du sie hast? Das hab ich! Das hab ich!“) waren auch bei Quicksilver die Tränen nicht mehr zu halten.
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Insgesamt feierten auf der NATURE ONE alle Altersstufen von 16 bis ins hohe Alter. 90er-Jahre-Fellstrümpfe und Neonfarben trafen auf schnelle Brillen und Netzhemden. Techno traf auf Hardcore, House, Trance, Electro oder auch Drum ˈnˈ Bass – alles Seite an Seite und bunt durchmischt. Wahrscheinlich ist es das, was die NATURE ONE am meisten ausmacht – trotz einer inzwischen sehr großen Diversität an verschiedenen Subkulturen, Akteuren und Genres innerhalb der elektronischen Musik, feiern bei NATURE ONE alle Seite an Seite und akzeptieren einander – sodass der ursprüngliche Gedanke der 90er-Jahre, der einer großen Familie und Gemeinschaft – erhalten bleibt. Das wurde auch im Motto bemerkbar. NATURE ONE ist „Full Of Life“ und das ist eben voller Diversität – die Musik schafft es, einander zu verbinden.
Nächstes Jahr feiert die NATURE ONE ihre 29. Ausgabe zum 30-jährigen Jubiläum. 1995 ging die erste NATURE ONE über die Bühne. I-Motion-Chef Oliver Vordemvenne vorausschauend: „Im kommenden Jahr feiern wir vom 31.07. bis 04.08. das 30-jährige Jubiläum von NATURE ONE. Darauf freuen wir uns bereits sehr, und gleichzeitig haben wir einige Hausaufgaben zu machen. Denn Extremwetterereignisse werden zur neuen Normalität. Darauf müssen wir das Anreise- und Campingkonzept noch stärker anpassen.“ In Folge der Extremwetterereignisse wolle man auch den CO2-Ausstoß Jahr für Jahr reduzieren.
ARTE Concert hat mehrere Sets der Headfloors der NATURE ONE in diesem Jahr gestreamt.
Hier könnt ihr euch das Streaming der Freitagnacht anschauen:
Hier das Streaming der Samstagnacht:
Die 30-Jahres-Jubiläumsausgabe der NATURE ONE findet vom 31. Juli bis zum 4. August 2025 statt. Weitere Informationen gibt es zeitnah über die offizielle Website und die Accounts auf den sozialen Netzwerken des Veranstalters.
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