Principleasure – Zwischen Melancholie und Maschinen

Mit „III“ veröffentlicht der in Los Angeles lebende Produzent Principleasure sein bislang persönlichstes Album. Fast vier Jahre arbeitete er an dem Werk – ein langer Prozess voller kreativer Sackgassen, Zweifel und Neuanfänge. Immer wieder veränderte sich das Album musikalisch, bis schließlich genau der Sound entstand, der heute „III“ prägt: dystopisch, emotional und kompromisslos.

Zwischen analogen Elementen und digitaler Kreativität erschafft Principleasure eine Klangwelt, die sich zwischen melancholischem Electro und futuristischem Clubsound bewegt. Über den Einsatz analoger Instrumente und deren Wirkung auf das Album sagt der Künstler: „Ich glaube, das hat sich ganz organisch so ergeben. Der Gegensatz zwischen analog und digital ist sicherlich vorhanden, weil er bei der Art von Musik, die ich mache, ein natürlicher Faktor ist (…) Mensch vs. Maschine, denn es gibt wieder einmal viele leistungsstarke Werkzeuge, die man nur ignorieren könnte, wenn man dumm wäre, aber letztendlich ist der menschliche Verstand immer noch der beste Kreativdirektor – und Vergangenheit gegen Zukunft, denn am meisten Spaß macht es, die Inspiration von gestern mit den Maschinen von heute zu verbinden.“

Inspiriert von frühen Rave-Erfahrungen im Belfast der 2000er-Jahre, den Landschaften Kaliforniens und persönlichen Verlusten erzählt „III“ keine lineare Geschichte. Vielmehr wirkt das Album wie ein emotionales Archiv aus Erinnerungen, Zuständen und inneren Konflikten. Besonders der Tod eines engen Freundes während der Fertigstellung des Albums hinterließ spürbare Spuren im emotionalen Kern des Projekts.

Bereits mit seinem Debütalbum „I“ machte Principleasure international auf sich aufmerksam. Trotz dieser Aufmerksamkeit verweigert er sich bewusst den Mechanismen einer schnelllebigen Streaming- und Content-Kultur. Für ihn besitzt das Albumformat gerade heute eine besondere Relevanz – als Gegenpol zu Playlists, verkürzten Aufmerksamkeitsspannen und austauschbarer Musikproduktion. „Ich versuche, mich nicht daran zu halten, was Spotify einem vorschreibt, was man tun oder lassen sollte, um dort angezeigt zu werden.“

Principleasure sieht „III“ als das bislang emotionalste Werk, das er je kreiert hat. Gleichzeitig beanspruchte die Veröffentlichung vier Jahre Arbeit – laut ihm die Folge ständiger Blockaden im kreativen Prozess. Besonders die ruhigeren, instrumentalen Momente tragen dabei das größte emotionale Gewicht. Der Abschlusstrack „In Light of it All“ markiert für ihn das Ende eines persönlichen Lebensabschnitts – ein musikalischer Schlusspunkt voller Melancholie, Reflexion und Akzeptanz.

Die neue Veröffentlichung soll außerdem verdeutlichen, dass nicht schneller Konsum im Vordergrund stehen sollte, sondern das bewusste Erleben eines Albums als Ganzes das eigentliche Erlebnis widerspiegeln sollte. In einer Zeit, in der Musik oft auf Aufmerksamkeit und Algorithmen reduziert wird, versucht Principleasure bewusst, sich von oberflächlichen Mechanismen und kurzlebigen Trends fernzuhalten. Stattdessen geht es ihm darum, allein durch Klangwelten und Emotionen eine Verbindung zu schaffen.

Dabei geht es Principleasure letztlich weniger um schnelle Aufmerksamkeit als um echte emotionale Resonanz. Musik soll für ihn kein bloßer Content sein, sondern etwas, das Menschen bewegt, irritiert oder nachhaltig beschäftigt. Genau darin liegt die besondere Kraft von „III“: ein Album, das sich Zeit nimmt – und diese Zeit auch von seinen Hörer:innen einfordert.

Aus dem FAZEmag 172/06.2026
Text: Anil Mustafa
www.instagram.com/principleasure